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6. So. der Osterzeit 2021 (B)

 

Nach dem Johannesevangelium ist das Weinstocksgleichnis das letzte Gleichnis, das Jesus seinen Jüngern erzählt. Er tut es im Abendmahlssaal, also bei seiner letzten Zusammenkunft mit den Seinen vor Seinem Leiden. Es ist der Abend vor Seinem Erlöserleiden, an dem Er das größte Geheimnis übergibt, das Er zu geben hat: die Eucharistie.

Jesus gibt Sein Leben hin bis zu Vollendung: Weil er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, so liebte Er sie bis zur Vollendung. (Joh 13,1) Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird … der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. (Lk22,19f.)

Am letzten Sonntag haben wir den ersten Teil dieses Gleichnisses gehört. Heute hören wir den zweiten.

Es gebt um das Geheimnis der göttlichen Liebe, an der wir Anteil erhalten dürfen.

Was auffällt in diesem Gleichnis:
Jesus spricht vom Vater und von sich, dem Sohn des Vaters. Er spricht aber nicht offen vom Hl. Geist, der Dritten Person des göttlichen Wesens, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird. (Großes Glaubensbekenntnis).

Wir haben es schon am letzten Sonntag bedacht: Der Hl. Geist ‚verbirgt‘ sich in dem kleinen Wörtchen ‚in‘: in mir. Immer wieder spricht Jesus im Abendmahlssaal (Joh 13-17) davon:

  • Ich im Vater und der Vater in mir. (Joh 14,10.11)
  • Der Vater, der in mir bleibt. (ebd.)
  • Ich in meinem Vater und ihr in mir und ich in euch. (v.20)
  • Jede Rebe in/an mir. (15,2)
  • Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. (v.4)
  • Wer in mir bleibt und in wem ich. (v.5)
  • Wenn einer nicht in mir bleibt. (v.6)
  • Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben. (v.7)
  • In mir Frieden haben. (16,33)
  • Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir. (17,21)
  • Ich in ihnen und du in mir. (17,23)

Die großen Zeugen Christi in der Nachfolge der Apostel bezeugen uns, was das zentrale Geheimnis Gottes ist: Gott ist Liebe. (1 Joh 4,8; zweite Lesung)

Diese Liebe Gottes beschreibt Jesus so: Der Vater ist in Ihm und Er ist im Vater.

Und diese gegenseitige Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes in der Person des Heiligen Geistes wird durch den Glauben auch uns Menschen zuteil.

Jemand, der dieses Geheimnis auf unnachahmliche Weise beschrieben hat, ist der Hl. Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika DOMINUM ET VIVIFICANTEM über den Hl. Geist aus dem Jahr 1986. Er schreibt darin:

In diesem Geist, der das ewige Geschenk ist, öffnet sich der dreieinige Gott dem Menschen, dem menschlichen Geist.

  • Der Hl. Geist ist das ewige Geschenk, ist Person als Geschenk.
  • Der Hl. Geist ist die Person, die sich dem Menschen öffnet und mitteilt, offenbart.

Denn durch den Heiligen Geist kommen der Vater und der Sohn zu ihm und nehmen Wohnung bei ihm.

  • Dies sind die Verheißungen Jesu aus dem Abendmahlssaal:
    Der Vater und der Sohn kommen durch den Beistand, den Helfer, den Heiligen Geist, zum Menschen.
    Vater und Sohn nehmen im Menschen durch den Heiligen Geist Wohnung.

In der gnadenhaften Gemeinschaft mit der Dreifaltigkeit erweitert sich der »Lebensraum« des Menschen, indem er auf die übernatürliche Ebene des göttlichen Lebens erhöht wird.

  • Der natürliche Lebensraum des Menschen wird durch die Gnade ins Unendliche erweitert.
  • Der Mensch wird durch die Gnade aufgenommen in die Gemeinschaft der Dreifaltigkeit.
  • Der nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffene Mensch wird erhoben in das innergöttliche Leben.
  • Dies ist das Geschenk des Hl. Geistes in der Taufe.

Der Mensch lebt in Gott und aus Gott: er lebt »nach dem Geist« und »trachtet nach dem, was dem Geist entspricht«.

Der dreieinige Gott, der in sich selbst als transzendente Wirklichkeit eines interpersonalen Geschenkes »existiert«, verwandelt, indem er sich im Heiligen Geist dem Menschen als Geschenk mitteilt, die Welt des Menschen von innen her, vom Innern der Herzen und der Gewissen.

Dies ist in theologischer Sprache ausgedrückt, was Jesus in dem einfachen Bild vom Weinstock beschreibt (Joh 15,9-17):

  • Die Liebe, die der Ewige Gottessohn vom Vater empfängt, gibt Er an uns weiter:
    Wie mich der Vater geleibt hat, so habe auch ich euch geliebt.
  • Die Liebe Gottes selbst wird unsere Wohnung, unsere neue Lebenswirklichkeit, und zwar hier und heute und jetzt:
    Bleibt/Wohnt in meiner Liebe!
  • Jesus bleibt immer in der Liebe des Vaters. Ausdruck Seiner Liebe zum Vater ist Sein Gehorsam: Er hört ganz und gar auf den Vater und hält und tut, was Er den Vater sagen hört:
    Wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe.
  • Zu derselben Haltung lädt Er uns ein:
    Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben.
    Das soll auch unser Weg sein: Seine Gebote halten und so in Seiner Liebe bleiben.
  • Darin soll unsere Freundschaft mit Jesus bestehen:
    Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
  • In unserer Freundschaft zu ihm und untereinander sollen wir Ihn nachahmen:
    Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.

Dies wird uns nur dann möglich sein, wenn wir an der Quelle aller Gnaden sitzen.
Diese Quelle ist: Jesus selbst.
Denn: Jesus selbst gibt uns die Liebe weiter, die Er vom Vater empfängt.
Nur wenn wir von der Liebe leben, die von Ihm ausgeht, die aus Seinem Herzen fließt, dann können wir lieben, wie Er liebt.

Niemand anders als der Hl. Geist kann uns diese Liebe schenken.

Wir beten also in dieser Woche immer, immer wieder: Komm, Hl. Geist.
So können wir verstehen, warum eines der letzten Worte der Hl. Schrift sind:
Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer es hört, soll sprechen: Komm! Wer Durst hat, der komme. Wer will, empfange das lebendige Wasser des Lebens umsonst.
(Offb. 22,17)

Machen wir sie uns zu eigen.
Der Hl. Geist ruft es uns zu.
Die Braut, Maria und die ganze Kirche rufen es uns zu.

KOMM!