3. So. Osterzeit (B) 2021
Jesus betont: Seht meine Hände und Füße an: Ich bin es selbst.(Lk 24,39)
ER legt wert darauf, dass ER der HERR ist, in Fleisch und Blut, realer, konkreter Mensch, kein leibloser Geist. Die göttliche Liebe will es ganz konkret, sonst ist es offenbar nicht vollendete Liebe.
Und von diesem ganz konkret in Jesus Mensch gewordenen Gottessohn geht ein wunderbares Geschenk aus: Friede sei mit euch! (v.36)
Ebenso legt Jesus wert darauf, dass ER derjenige ist, der seit langer Zeit von den Propheten vorhergesagt ist.
ER ist der verheißene Messias, der Christus, von Gott mit dem Hl. Geist gesalbte:
Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht. (v.44)
Auf etwas weiteres legt ER großen wert: Leiden, Tod und Auferstehung bilden das eine große Geheimnis, dass ER immer wieder – im Evangelium nach Johannes – ‚Verherrlichung‘ nennt:
So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen. (v.46f.)
Und wozu dies alles?
Zur Vergebung der Sünden. (v.47)
Im Johannesbrief (zweite Lesung) wird dies so genannt:
Er ist die Sühne für unsere Sünden … auch für die der ganzen Welt. (1 Joh 2,2)
Dies erklärt Jesus den erschrockenen und verängstigten Jüngern, als diese von den beiden Emmausjüngern erfahren, dass Jesus mit ihnen unterwegs war und sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach. (v.35)
Dem größeren Kreis der Jünger erklärt Jesus dasselbe, was er diesen beiden auf dem Weg nach Emmaus eröffnet hatte:
Ihr Unverständigen, wie träge ist euer Herz, an alles das zu glauben, was die Propheten gesagt haben! Musste nicht der Messias alles dies erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen? Und er begann, ihnen mit Mose und allen Propheten auszulegen, was sich in der ganzen Schrift auf ihn bezieht. (vv.25ff.)
Jesus geht also mit seinen Jüngern damals wie auch mit uns heute unermüdlich diesen Weg:
Was für uns sündige Menschen verstreute Bruchstücke von Wahrheit sind, die sich aus unserer Sicht vielleicht sogar zu widersprechen scheinen, fügt sich im Heiligen Geist zu einem großen Ganzen. Und dieses große Ganze ist: Jesus Christus selbst, der mitten unter uns lebt und wartet, dass wir IHN erkennen als denjenigen, von dem gilt:
Durch IHN und mit IHM und in IHM ist Dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes, alle Herrlichkeit und Ehre, jetzt und in Ewigkeit. Amen.
ER, Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene, ist der Urheber des Lebens, wie es Petrus in Jerusalem predigt, nachdem ein Gelähmter geheilt worden war. (Apg 3,15)
Damals wie heute geht es um das zunächst völlig unverständliche Geheimnis, dass Gott, der Urheber des Lebens, am Kreuz starb und von den Toten auferweckt wurde.
Dieses für uns unlösbare Paradox löst Gott selbst: Tod und Leben sind nicht mehr unvereinbare Gegensätze, sondern im Tod offenbart Gott Seine Macht der Liebe. Im Tod gipfelt die Macht der Hingabe bis zum Letzten.
Es geht hier nicht um den Sünden-Tod, sondern um den Liebes-Tod. Der Sünden-Tod war die Folge der Übertretung des Gebotes Gottes im Garten des Ursprungs von Seiten des Menschen. Die Folge war der Verlust der Frucht des Lebens vom Baum.
Jesus stirbt aber den Liebes-Tod: Er hat allein die Macht, alles Böse zu überwinden.
Gott, der die Liebe ist, gibt Sein Leben hin in den Tod, damit der Tod zur Quelle des Lebens wird.
Der Apostel Thomas hatte ja darauf wert gelegt, dass er die Wundmale des Gekreuzigten am Körper des Auferstandenen sehen könne, um anzuerkennen, dass der Auferstandene derjenige sei, mit dem sie drei Jahre verbracht hatten und den sie am Kreuz haben sterben sehen. (Joh 20,25)
Diejenigen, zu denen Petrus in Jerusalem – nach Pfingsten – spricht, haben genau dieses Problem: Sie können sich nicht vorstellen, dass der verheißene Messias derjenige ist, der am Kreuz stirbt.
Die Herrlichkeit Gottes kann sich ihrer Auffassung nach nicht in der Kreuzigung zeigen. Kreuzigung ist Schmach, nicht Verherrlichung.
Am Kreuz zu sterben wie ein Verbrecher schien ihnen unvereinbar damit, dass Jesus ein von Gott Gesandter sei. Deshalb nehmen sie so sehr Anstoß daran, dass Pilatus das Schild über Jesus hat anbringen lassen: Jesus von Nazareth, König der Juden. Die Schmach des Kreuzes ist mit einem König unvereinbar, so ihr Denken.
Worin liegt nun die Lösung dieses Dilemmas?
Die Antwort gibt Johannes in seinem Brief (1 Joh 2,2): Er ist die Sühne für unsere Sünden.
Petrus sagt es in seiner Predigt so: Ihr habt aus Unwissenheit gehandelt! (Apg 3,17)
Durch die Ur-Sünde sind wir Menschen ‚unwissend‘ geworden, - können Gott nicht mehr schauen.
Jesus ist der allein Sündenlose: In Ihm ist keine Sünde. (1 Joh 3,5)
Und jeder, der von Gott stammt, tut keine Sünde, weil Gottes Same in ihm bleibt, und er kann nicht sündigen, weil er von Gott stammt. (1 Joh 3,9)
Das ist das Schicksal von uns Menschen, die wir die Gemeinschaft mit Gott verloren hatten.
Um diese wieder zurückzuschenken, sendet der Vater den Sohn in die Welt: Ihr wisst, dass er erschienen ist, um die Sünden wegzunehmen, und in ihm ist keine Sünde. (1 Joh 3,5)
Gott überwindet unsere Abwendung von Seiner Liebe aber allein in Liebe. Deshalb verliert Jesus sein Leben an uns, um uns seine Liebe bis zum Äußersten zu erweisen.
Genau dies erschließt Jesus dem Nikodemus in nächtlichen Gespräch:
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe. (Joh 3,16)
Und diese Liebe erweist Gott ganz konkret.
Deshalb das Wort Jesu: Seht meine Hände und Füße an: Ich bin es selbst.
Für uns ist dies die fortwährende Einladung: In allem, was wir erleben, vor allem in den uns unangenehmen Seiten dieses Lebens, die Einladung Jesu zu hören: Seht meine Hände …
Der Auferstandene steht in unserer Mitte und sagt dies immer, immer wieder: Seht meine …