Die Kirche! – Heilig?
Wenn so manche Menschen das Wort ‚Kirche‘ hören, winken sie ab, oder schimpfen gar und zählen so alles Mögliche und Unmögliche auf, was wirklich zum Kopfschütteln ist. Manche wiederum können gar nichts mehr damit anfangen, denken an schöne alte Kirchengebäude, die sie mal besichtigt haben. Und dann gibt es da diejenigen, sie seit Jahrhunderten, seit dem Anfang des ersten Jahrtausends, immer wieder im christlichen Glaubensbekenntnis sprechen: Ich glaube … die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. (Großes Glaubensbekenntnis)
Dann stellt sich ernsthaft die Frage: Kann man das heute noch sagen, gar glauben: Ich glaube … die heilige Kirche? Ist das nicht ein Unfug, Unsinn, oder gar lächerlich?
Ich lade Sie ein, dieses Blatt nicht einfach beiseite zu legen, sondern mit mir dieses Wort ‚Kirche‘ und was es bedeuten einmal von einer anderen Seite anzuschauen.
Ich glaube … die heilige Kirche!
Zunächst einmal muss man sehr genau unterscheiden zwischen ‚ich glaube an‘ und ‚ich glaube‘. Christen glauben an Gott, an den Dreifaltigen Gott, an den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist. Dieser Glauben ist allein Gott vorbehalten.
Davon unterscheiden können wir, dass wir jemandem oder etwas glauben. Wir können einem Menschen glauben, indem wir ihm vertrauen. Wir können etwas glauben, was man uns gesagt hat, indem wir dem Wahrheitsgehalt von etwas zustimmen. Wir können auch etwas glauben, dass in irgendeiner Weise mit Gott zu tun hat, was Er geschenkt, geschaffen oder gestiftet hat. Hier geht es darum, etwas im Glauben an Gott vertrauensvoll annehmen, was ER für uns als Geschenk bestimmt hat.
In diese Richtung müssen wir den erwähnten Satz aus dem Glaubensbekenntnis (Credo) verstehen. Darin heißt es nämlich: Ich glaube an Gott, den Vater … und an Jesus Christus, seinen Sohn … und an den Hl. Geist … Im Anschluss werden uns dann Wirklichkeiten genannt, die ein Werk des Hl. Geistes sind: Ich glaube … die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Mit anderen Worten: Wir glauben, dass Gott, der Dreifaltige, uns die Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen etc. schenkt.
Was oder wer ist ‚heilig‘?
‚Heilig‘ nennen wir Gott: Er ist der Heilige! ER ist der gute Ursprung von allem. ER ist der Gute. Und alles, was ER hervorbringt und schafft, ist vollkommen gut, voller Leben, voller Liebe. Denn: Gott ist die Liebe! Von Seinem eigenen, vollkommenen Leben teilt Er allem mit, was ER erschafft. Heiligkeit ist Sein innerstes Wesen. Von Heiligkeit ist alles erfüllt, was seinen Ursprung in IHM hat. Dies gilt für den ursprünglichen Zustand von allem, was ER erschaffen hat.
Dass unsere Welt, die Schöpfung Gottes, nicht uneingeschränkt von dieser Heiligkeit geprägt ist, sondern sie verloren hat, das erzählt der jüdisch-christliche Glaube in der sogenannten Paradiesesgeschichte vom Sündenfall. Der Mensch verliert – durch eigene Schuld – das heilige Leben, das ihm ursprünglich zuteil war. Sagen wir es kurz: Christlicher Glaube ist, dass Jesus Christus der einzige Sohn Gottes, des Vaters ist. ER wird Mensch, vollkommener Mensch, und lebt unter uns. Sein Tod am Kreuz hat die Erlösung der Welt gebracht. ER ist der Heilige, der uns die Heiligkeit als Geschenk macht. Wer durch den Glauben mit Ihm verbunden ist, erhält als völliges Gratis-Geschenk die ursprüngliche Heiligkeit zurück. ER verspricht uns: ER macht uns neu. Diese Heiligkeit ist wie ein Samenkorn in uns hineingelegt und wartet darauf, dass sie wächst und wächst. Diese heilige Wirklichkeit, die mit dem Auftreten Jesu unter uns begonnen hat, nennt Jesus das Himmelreich. ER sagt, dieses Himmelreich ist – schon jetzt – unter uns, mitten unter uns. Viele Gleichnisse erzählt Jesus darüber, die sog. Himmelreichsgleichnisse. Eines handelt von dem Unkraut unter der guten Saat. Jesus erklärt: Beides wächst in dieser Welt, das gute Korn und das Unkraut. Erst an Ende der Zeiten wird die gute Frucht von der schlechten Frucht voneinander getrennt. Jesus selbst hat diese Wirklichkeit in seiner direkten Umgebung erlebt: Einer seiner zwölf Jünger war ein Verräter und hat ihn der Kreuzigung ausgeliefert.
Auch die eigene Erfahrung lehrt uns: Wir können uns von dem Heiligen in unserem Leben leiten lassen, oder von Un-Heiligem. Mitten durch unser Herz geht dieser Kampf zwischen Gut und Böse.
Dort ist heilige Kirche, wo der Geist Gottes lebendig ist
Wir Menschen sind leider eher geneigt, die Beispiele für Böses in dieser Welt eher zu beachten, als die Beispiele für das Gute. Dabei ist war: Gottes guter Geist wirkt in und durch viele Menschen, auch in unseren Tagen. Überall dort, wo Menschen aus Gottes Liebe schöpfen und dem Himmelreich unter uns Raum geben, dort ist die Kirche lebendig. Denn Kirche nennen wir die Gemeinschaft aller, die sich von der Liebe des Dreifaltigen Gottes leiten lassen. Immer dann, wenn Sein heiliger Wille unter uns geschieht, ist diese Kirche Gottes unter uns lebendig.
Das genau mein die christliche Botschaft: Ich glaube … die heilige Kirche! Ich glaube, dass – schon in unserer Welt – Gottes Heiligkeit unter uns Menschen Wirklichkeit wird, nämlich immer dann, wenn wir tun, was ER uns sagt. Und was ER will, ist Liebe.
Die Kirche ist der Leib Christi
Der große Apostel der Christenheit, der Hl. Paulus, hat etwas Gewaltiges entdeckt, das er versucht in Wort zu fassen, in seinen Briefen, die uns im Neuen Testament überliefert sind. Er gebraucht als Vergleich unseren Körper, mit dem Haupt und den verschiedenen Gliedmaßen. Er sagt: Die Kirche ist wie unser Körper ein großer Leib. Es gibt das Haupt, den Kopf, und es gibt die verschiedenen Glieder und Organe am Leib. Wie unser Gehirn eine Steuerungszentrale für unseren Körper ist, so ist im Leib der Kirche Jesus Christus die ‚Zentrale‘, die alles durchwirkt und für eine wunderbare Ordnung sorgt. Jesus selbst also ist das Haupt, alle, die an Christus glauben, sind verschiedenste Glieder an diesem Leib. Alles zusammen bildet eine große Einheit: Der Hl. Geist ist diese Einheit, die alle verschiedenen Teile zu einem großen Ganzen zusammenfügt.
Aus dieser Blickrichtung bekommt die Rede von der Heiligkeit der Kirche noch einmal eine ganz besondere Bedeutung: Alles, was in den Gliedern des Leibes sich vom Geist Gottes leiten lässt, bildet den ‚heiligen‘ Leib der Kirche. Dabei ist nicht entscheidend, ob etwas nach ‚Kirche‘ aussieht, sondern ob es ‚lebendige, heilige Kirche‘ wirklich ist. Das Kriterium: die echte Verbindung mit Jesus Christus. Und wir wissen, welchen Maßstab Jesus angelegt hat: Nur wer tut, was ER sagt, gehört zu ihm, nicht derjenige, der vorgibt zu ihm zu gehören, aber etwas anderes tut.
Die heilige Kirche zu glauben bedeutet also: Mit Jesus Christus vereint am Himmelreich auf Erden bauen. Oder – wie Jesus dies einmal ausdrückt –: Wer IN IHM bleibt, der bringt reiche Frucht.
Lassen wir uns nicht durch so manches schlechte Beispiel irremachen, durch so manchen Schein. Schauen wir auf das viele Gute, dass der Hl. Geist unter uns wirkt, denn da ist die Kirche Jesu Christi lebendig.
In diesem Sinne lohnt es sich also, die heilige Kirche zu glauben.
Pfr. R. Gabriel M. Maiwald, Juli 2018