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3. Fastensonntag (B) 2021

 

Christus, der Gekreuzigte! – Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit!

Wie geht das zusammen: Kreuzigung – Kraft und Weisheit?

Ist die Kreuzigung Jesu nicht genau das Gegenteil von ‚Weisheit‘, alles andere als ein ‚Zeichen Gottes‘?

Unser menschliches Verstehen stößt da auf Granit!
Und genau ist dieser Punkt der Inhalt der christlichen Verkündigung seit 2000 Jahren.

Unsere Aufgabe als gläubige Christen ist es, immer wieder Gottes Gedanken uns zu eigen zu machen, damit Seine Gnade in uns reicher und reicher wirken kann.

Den Weg dahin weist uns der Hl. Paulus mit den Worten, die ihm selbst den Weg weisen:
Das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. (1 Kor 1,25; zweite Lesung)

Was an Gottes Wesen ist dieses ‚Törichte‘ und ‚Schwache‘?
Wie kann uns Gottes ‚Torheit‘ zur Weisheit werden und Gottes ‚Schwäche‘ zur Kraft?

Die Antwort auf diese Frage ist deshalb so wichtig, weil wir doch selbst immer wieder in die Lage kommen, uns schwach zu fühlen und ratlos.
Wie also sollen wir mit solchen Situationen umgehen, in denen wir uns schwach und ratlos fühlen? Denn der falschen Umgang würde uns für die Gnade Gottes verschließen, der rechte für die Gnade öffnen!

Bitten wir also den Hl. Geist:
Führe uns ein in das tiefe Geheimnis – Christus der Gekreuzigte Gottes Kraft und Gottes Weisheit!

Wenn wir auf das Evangelium schauen, die Austreibung der Händler und Geldwechsler aus dem Tempel in Jerusalem, wird uns der Zugang zu diesem Geheimnis von Jesus selbst auf andere Weise gewiesen (Joh 2,19):
Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.

Der Evangelist schließt die Bemerkung an: Er meinte den Tempel seines Leibes! (v.21)

Da muss also etwas niedergerissen werden, damit etwas Neues aufgerichtet werden kann.
Niederreißen – aufrichten! Töricht werden – klug! Schwach werden – stark!

Oder anders gesagt: Sterben, um zu leben! Durch den Tod zum Leben!

Dasselbe Phänomen begegnet uns in der ersten Lesung aus dem Buch Exodus (Ex 20).
Mose empfängt vom HERRN, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs die Worte des Lebens:
Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.

Das sagt derselbe, der eins zu Abra(ha)m sprach und ihn mit Sarah aus Ur in Chaldäa und Haran nach Kanaan rief: Zieh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! (Gen 11,31; 12,1)

Abraham und Sarah müssen ihre Heimat verlassen, damit Gott, der HERR, mit ihnen und durch sie etwas ganz Neues beginnen kann.

Mose mit seinem ganzen Volk wird vom HERRN aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt, um schließlich in Kanaan etwas ganz Neues zu beginnen.

Jesus wird schließlich zur Vollendung von allem aus dem Tempel Seines irdischen Leibes ausziehen – durch den Tod am Kreuz – um in den Tempel Seines Auferstehungsleibes das neue Reich, das neue Land, das Himmelreich zu begründen.

Es geht um den Exodus, den Auszug aus dem Alten und die Auferstehung in das Neue.
Davon haben wir schon am letzten Sonntag gehört, bei der Verklärung Jesu auf dem Berg:
Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. (Mk 9,9)

 

Es geht um das Geheimnis:
Niederreißen – aufrichten! Töricht – klug! Schwach – stark!
Sterben, um zu leben! Durch den Tod zum Leben!
Tod – Auferstehung!

Es geht um den Auszug aus dem Haus der Sklaverei (Ägypten),
um den Ausweg aus dem Land, in dem Sünde und Tod herrschen,
und den Einzug ins ‚Gelobte Land‘, in das Himmelreich.

Im ersten Schritt auf diesem Weg zur Erlösung beschreibt Gott durch Mose dem Volk Israel das Lebensgesetz dieses Himmelreiches, - wir nennen es die Zehn Gebote:

  • Neben dem HERRn keine anderen Götter haben.
  • Sich kein Gottesbild machen.
  • Den Namen Gottes nicht missbrauchen.
  • Heiligung des Sabbats.
  • … und die anderen ‚Gebote‘, Weisungen.

Wir kennen den Gang der Geschichte Israels, des Volkes Gottes, der Kinder Abrahams: Immer wieder musste Gott sein Volk ermahnen und sich abkehren von seinen falschen Wegen. Diese falschen Wege waren sogar oft, dass sie IHN, den HERRN, immer wieder ganz vergaßen. Immer wieder machte Gott neue Versuche, sich dieses Volk ‚bei der Stange‘ zu halten.

So viele Zeichen gab Gott Seinem Volk. Doch vergebens. Dieses ‚Gesetz‘ war zu schwach.

So viele Weisheit schenkte Gott anderen Völkern in der Menschheitsgeschichte.
Doch auch da: Die Wege dieser Völker gingen letztlich in die Irre.

Gottes Liebe zu Seinem Menschen aber hörte nie auf.
Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt (Gal 4)!

Und Sein Weg: nicht Zeichen oder Weisheit, sondern Christus, den Gekreuzigten.

Oder, wenn wir den Blick auf Jerusalem richten, zur Zeit Jesu:
Jesus muss die Händler aus dem irdischen Tempel vertreiben, um Platz zu machen für die wahre Gottesverehrung, die durch die Gebote nicht erreicht werden konnte.

Der Weg Gottes ist nun ein ganz Neuer:
Gott baut sich einen neuen Tempel, nämlich Jesus Christus, der Sohn Gottes selbst, der im Schoß der Jungfrau Maria Mensch wird, einen menschlichen Leib annimmt, und unter den Menschen als der Neue Mensch, der Neue Adam lebt.

Sein menschlicher Leib ist der neue Tempel, in dem Gott angebetet werden will. (vgl. Joh 4,23)

Der äußere Tempel in Jerusalem, an dem seit dem Jahre 19 vor Christus 46 Jahre lang gebaut wurde und den Jesus nun vorfindet, wird einst niedergerissen.
Der neue Tempel aber, sein Leib, wird zwar durch die Blindheit des Unglaubens von Menschen niedergerissen werden, doch dieser Tempel ist unvergänglich. Mit der Auferstehung Jesu am Ostermorgen nämlich wird dieser Tempel auf ewig errichtet.
Er meinte den Tempel seines Leibes!

Und dieser Weg ist von nun an der ‚neue Weg‘:
Niederreißen – aufrichten! Töricht – klug! Schwach – stark!
Sterben, um zu leben! Durch den Tod zum Leben!
Tod – Auferstehung!

Dies ist von nun an der Weg auch in unserem ganz persönlichen Leben.
Dies ist der Weg für die ganze Welt, für die ganze Schöpfung.
An uns ist es, mit jedem Schritt im Glauben diesem neuen Weg zu folgen …

Alle anderen Wege führen in die Irre …