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Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen

 

nach dem CHERUBINISCHEN WANDERSMANN von ANGELUS SILESIUS

 

I 7

Man muss noch über Gott
Wo ist mein Aufenthalt? Wo ich und du nicht stehen.
Wo ist mein letztes End, in welches ich soll gehen?
Da, wo man keines findt. Wo soll ich denn nun hin?
Ich muss noch über Gott in eine Wüste ziehn.

I 13

Der Mensch ist Ewigkeit
Ich selbst bin Ewigkeit, wenn ich die Zeit verlasse
Und mich in Gott und Gott in mich zusammenfasse.

I 15

Die Über-Gottheit
Was man von Gott gesagt, das genügt mir noch nicht,
Die Über-Gottheit ist mein Leben und mein Licht.

I 22

Die Gelassenheit
So viel du Gott gelässt, so viel mag er dir werden;
Nicht minder und nicht mehr hilft er dir aus Beschwerden.

I 24

Du musst nichts sein, nichts wollen
Mensch, wo du noch was bist, was weisst, was liebst und hast,
So bist du, glaube mir, nicht ledig deiner Last.

I 25

Gott greift man nicht
Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt kein Nun noch Hier:
Je mehr du nach ihm greifst, je mehr entwird er dir.

I 34

Der Tod vergöttet dich
Wenn du gestorben bist und Gott dein Leben worden,
So trittst du erst recht ein der hohen Götter Orden.

I 65

Armut ist göttlich
Gott ist das ärmste Ding, er steht ganz bloß und frei:
Drum sag ich recht und wohl, dass Armut göttlich sei.

I 83

Wie kann man Gottes genießen
Gott ist ein einges Ein; wer seiner will genießen,
Muss sich nicht weniger als er in ihn einschließen.

I 92

Wer ganz vergöttet ist
Wer ist, als wär er nicht und wär er nie geworden,
Der ist, o Seligkeit, zu lauter Gotte worden.

I 134

Unvollkommene Gestorbenheit
Wo dich noch dies und das bekümmert und bewegt,
So bist du noch nicht ganz mit Gott ins Grab gelegt.

I 159

Die Ledigkeit ist wie Gott
Mensch, wo du ledig bist, das Wasser quillt aus dir
Sowohl als aus dem Brunn der Ewigkeit herfür.

I 169

Nichtsverlangen ist Seligkeit
Die Heilgen sind darum mit Gottes Ruh umfangen
Und haben Seligkeit, weil sie nach Nichts verlangen.

I 185

Der Ort ist selbst in dir
Nicht du bist in dem Ort, der Ort, der ist in dir;
Wirfst du ihn aus, so steht die Ewigkeit schon hier.

II 39

Der Anbeter im Geist und in der Wahrheit
Wer in sich über sich in Gott verreisen kann,
Der betet Gott im Geist und in der Wahrheit an.

II 54

Entbildet musst du sein
Entbilde dich, mein Kind, so wirst du Gotte gleich
Und bist in stiller Ruh dir selbst dein Himmelreich.

II 57

Man muss sich selbst entwachsen
Entwächsest du dir selbst und aller Kreatur,
So wird dir eingeimpft die göttliche Natur.

II 58

Gott sterben und Gott leben
Stirb oder leb in Gott, du tust an beiden wohl,
Weil man Gott sterben muss und Gott auch leben soll.

II 136

Eben von derselben
Geh aus, so geht Gott ein; stirb dir, so lebst du Gott;
Sei nicht, so ist es ER; tu nichts, so gschichts Gebot.

II 140

Die Selbstvernichtung
Nichts bringt dich über dich als die Vernichtigkeit;
Wer mehr vernichtigt ist, der hat mehr Göttlichkeit.

II 148

Der Arme im Geist
Ein wahrer armer Mensch steht ganz auf nichts gericht,
Gibt Gott ihm gleich sich selbst, ich weiß, er nimmt ihn nicht.

II 257

Du auch musst für ihn sterben
Des Herren Christi Tod hilft dir nicht eh, mein Christ,
Bis auch du selbst für ihn in ihm gestorben bist.

III 31

Dein Herz, wenns leer, ist besser
Ach Elend, unser Gott muss in dem Stalle sein!
Räum aus, mein Kind, dein Herz und gibs ihm eilends ein.

III 163

Die geheime Wiedergeburt
Aus Gott wird man geborn, in Christo stirbet man
Und in dem heilgen Geist fäht man zu leben an.

III 176

Ein muss verlassen sein
Mensch, anders kanns nicht sein, du mussts Geschöpfe lassen,
Wo du den Schöpfer selbst gedenkest zu umfassen.

IV 20

Die Weltlust
Mensch! Schau die Lust der Welt, die endet sich mit Pein,
Wie kannst du ihr denn auch so ganz ergeben sein?

IV 29

Die Liebe
Die Lieb ist wie der Tod, sie tötet meine Sinnen,
Sie brichet mir das Herz und führt den Geist von hinnen.

IV 55

Die geistliche Auferstehung
Die Auferstehung ist im Geiste schon geschehn,
Wenn du dich lässt entwirkt von deinen Sünden sehn.

IV 96

Die Figur ist vergänglich
Mensch, die Figur der Welt vergehet mit der Zeit;
Was trotzt du dann so viel auf ihre Herrlichkeit?

IV 224

Wie man zur Einigkeit gelangt
Wenn sich der Mensch entzieht der Mannigfaltigkeit
Und kehrt sich ein zu Gott, kommt er zur Einigkeit.

V 31

Die Ichheit und Verleugnung
Der Ichheit ist Gott feind, Verleugnung ist er hold,
Er schätzt sie beide so, wie du den Kot unds Gold.

V 220

Wie Gott gefunden wird
Wer Gott recht finden will, muss sich zuvor verliern
Und bis in Ewigkeit nicht wieder sehn noch spürn.