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Komm, heilger Geist

Sei wach, o Geist! Es naht der Tag des Geistes,
da aus der Stille hell ein Brausen weht
und sich die Luft mit Feuerzungen füllt,
die niederregnen auf das Haupt der Erde,
wie Liebesworte, alles Sein entfachend
zur Wahrheit und zur lichten Gegenwart.
Wie still der Wald! Im Schweigen welche Fülle!
Ein Atem kommt und schwillt durch Kronen her
und streift vom Aug der Blumen weiße Tropfen.
Und horch, die Vogelstimmen sind erwacht
und wachsen an, ein Chor des Jubels schon,
gleich wie der Völker Stimmen, die da ziehen,
erregt vom Geist, dahinbewegt im Sturm
des heilgen Tags. O Tau du des Grales!

[348]

Komm, heilger Geist! Dein Tag ist da, o komm!
Komm, Taube du, der Wahrheit selge Schwinge!
Auf dich hat unser innres Herz gehofft,
an dir ist unsrer Seele Glut entfacht,
in dir verklärt ist unsres Glaubens Licht.
Denn siehe, da die Welt gegründet ward:
vollendet war ihr Bildnis schon in dir,
und der Erfüllung reiner Atem schwoll
fortan zu uns aus deinem Schoße her.
Du unsre Mutter, stillend, die da dürsten,
dein Feuer ist nicht Brand und zehrt nicht hin:
ein Brunnen ist es ewiger Erneuung,
ein schaffend Licht, ein Ende allen Wahns.

Vom Tode löse uns!

In Klarheit tauche uns!

Zur Glänze ründe uns!

Zum Atem wecke uns!

In Fülle senke uns!

Zum Frieden leite uns!

[353]

 

Aus: Arthur Maximilian Miller, Der Gral