Symphonie von der Heiligen Jungfrau Maria
Aus: Hildegard von Bingen, Wisse die Wege, 13. Vision des 3. Teils, Anfang
Wer ist Maria?
Die Hl. Hildegard von Bingen hatte einst eine Vision, in der ihr das Wesen von Maria gezeigt wurde.
Was sieht die Hl. Hildegard von ihr? Wer ist Maria?
Maria, ein strahlend heller Edelstein:
- das Edelste unter den Geschöpfen Gottes;
- ein helles Strahlen geht von ihr aus;
Maria, der Sonne lichte Zier:
- sie ist strahlender als die geschaffene Sonne unter den Gestirnen;
- das Leuchten der Sonne ist nichts gegen das ihre;
In Maria ergoss sich aus des Vaters Herz der Springquell:
- aus dem Herz des Vaters ergießt sich ein Springquell;
- dieser Springquell sprudelt in Maria;
- so wird ihr Herz zur Quelle, aus der Gott sprudelt;
Wer ist dieser Springquell, der aus Maria sich ergießt?
- das einzige WORT des Vaters: der Sohn Gottes;
- der Sohn Gottes, durch den der Vater den reinen, unversehrten Urstoff der Welt erschuf;
- diesen Urstoff hatte Eva verwirrt;
- Maria ist selbst aus diesen reinen Urstoff der Welt: der reine, unversehrte Mensch;
Maria, Du bist der lichte Mutterschoß:
- In ihr hat der Vater das WORT zum Menschen geformt;
- Maria ist der ‚Mutterboden‘, aus der der Vater seinen Sohn als Menschen formte;
Das Wort hauchte aus Maria alle Tugenden aus:
- Der Hauch Gottes ist der Hl. Geist;
- Aus Maria ‚hauchte‘ der Sohn alle Tugenden aus;
- Der Atem Gottes hauchte aus Maria heraus und bildete alle Tugenden;
- Der Hl. Geist ist der Hauch, der in Maria atmete und das Schönste hervorbringt;
Gott erschuf einst aus der Urmaterie jede Kreatur:
- Gott schuf aus der reinen, heiligen Urmaterie alle Geschöpfe dieser Welt;
- Wie er am Anfang der Schöpfung aus dieser Urmaterie jedes Geschöpf erschuf,
so haucht der Hl. Geist aus Maria alles Gute, alle Tugenden.
Die Verse der Hl. Hildegard lauten so:
O strahlend heller Edelstein, der Sonne lichte Zier,
in dich ergoss sich aus des Vaters Herz der Springquell,
Er, sein einzig WORT,
durch das den Urstoff dieser Welt er schuf,
den Eva hat verwirrt.
Das WORT, zum Menschen hat der Vater es in dir geformt.
deshalb bist du der lichte Mutterschoß,
durch den er selbst, das WORT, aushauchte alle Tugenden,
wie aus der Urmaterie er jede Kreatur erschuf.
O du, lieblichstes Reis, das grünt aus Jesses Stamm,
wie groß ist diese Kraft:
Die Gottheit blickte auf die schönste Tochter hin,
wie auf die Sonne lenkt der Adler seinen Blick,
als der höchste Vater auf der Jungfrau Reinheit achtet’,
in der er wollte, dass sein WORT das Fleisch annehme.
Was bedeutet dies für uns?
Durch den Hl. Geist will Gott auch uns verwandeln in ‚neue‘ Menschen.
Bei dieser Verwandlung hat Maria eine herausragende Aufgabe für uns.
Maria ist – durch Jesus Christus – dieser neue Mensch, die neue Eva.
Christus ist der neue Adam, Maria die neue Eva.
Von ihr, dem ‚strahlenden Edelstein‘, geht ein wunderbares Licht aus: Christus leuchtet in ihr auf einzigartige Weise.
Aus ihrem Herzen, aus ihrem Innersten sprudelt ein göttlicher ‚Springquell‘: Jesus.
So wie Gott, der Vater, in ihrem Schoß Seinen Sohn zum Menschen bildete, durch das Wirken des Hl. Geistes,
so werden auch wir in ihrem ‚Schoß‘, in ihrem Herzen zu neuen Menschen gebildet.
Beim Pfingstfest versammelten sich die Jünger Jesu um Maria im Abendmahlssaal, im Zönakel (coenaculum).
Heute sind wir eingeladen, uns in ihrem Herzen als dem ‚Zönakel‘ der neuen Zeit zu versammeln, um zu neuen Menschen umgestaltet zu werden.
Dieses Meisterwerk wirkt der Hl. Geist.
Sein lebendig Wehen soll auch unseren Geist, unsere Seele und unseren Leib ‚durchwehen‘.
So können wir zu Maria beten: Maria, unsere Mutter, hilf!