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5. So. der Osterzeit 2021 (B)

 

Das Evangelium (Joh 15) versetzt uns in den Abendmahlssaal, in das Coenaculum, der auch der Saal des Pfingstwunders ist.

Bei Seinem letzten Treffen vor Tod und Auferstehung führt Jesus die Jünger ein in das tiefe Geheimnis des Glaubens: Gott wohnt/bleibt in uns und wir bleiben in Gott. (vgl. 1 Joh 3,24; zweite Lesung)

Dieses Mysterium (Geheimnis) ist eng verbunden mit dem Geheimnis der Eucharistie, in der wir jedes Mal bekennen: „… bis Du kommst in Herrlichkeit.“

Dies erläutert uns unter der Überschrift „Die Eucharistie baut die Kirche auf“ der Hl. Papst Johannes Paul in seiner Enzyklika ECCLESIA DE EUCHARISTIA aus dem Jahr 2003 (Nr. 21f.):

„Als die Apostel im Abendmahlssaal die Einladung Jesu »Nehmt und esst... Trinkt alle daraus...« (Mt 26, 26-27) annahmen, traten sie zum ersten Mal in sakramentale Gemeinschaft mit ihm. Von diesem Augenblick an bis zum Ende der Zeiten wird die Kirche durch die sakramentale Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes auferbaut, der sich für uns geopfert hat: »Tut dies zu meinem Gedächtnis!... Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!« (1 Kor 11, 24-25; vgl. Lk 22,19).

Die Eingliederung in Christus, die in der Taufe verwirklicht wird, erneuert und festigt sich beständig durch die Teilnahme am eucharistischen Opfer, vor allem durch die volle Teilnahme am Opfer in der sakramentalen Kommunion. Wir können sagen, dass nicht nur jeder einzelne von uns Christus empfängt, sondern auch, dass Christus jeden einzelnen von uns empfängt. Er schließt Freundschaft mit uns: »Ihr seid meine Freunde« (Joh 15, 14). Durch ihn haben wir das Leben: »So wird jeder, der mich isst, durch mich leben« (Joh 6, 57). In der eucharistischen Kommunion verwirklicht sich in höchster Weise das »Innewohnen« Christi im Jünger und des Jüngers in Christus: »Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch« (Joh 15, 4).

Durch die Vereinigung mit Christus verschließt sich das Volk des Neuen Bundes keineswegs in sich selbst, sondern wird vielmehr zum »Sakrament« für die Menschheit,39 zum Zeichen und Werkzeug des von Christus gewirkten Heiles, zum Licht der Welt und zum Salz der Erde (vgl. Mt 5, 13-16) für die Erlösung aller. Die Sendung der Kirche führt die Sendung Christi weiter: »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch« (Joh 20, 21). Aus der Fortdauer des Kreuzesopfers in der Eucharistie und aus der Gemeinschaft mit dem Leib und dem Blut Christi schöpft die Kirche die notwendige geistliche Kraft, um ihre Sendung zu erfüllen. So zeigt sich die Eucharistie als Quelle und zugleich als Höhepunkt der ganzen Evangelisierung, da ihr Ziel die Gemeinschaft der Menschen mit Christus und in ihm mit dem Vater und mit dem Heiligen Geist ist.

Johannes Paul II. erläutert mit diesen Worten, was uns Jesus im Gleichnis vom Weinstock durch Bildworte nahebringt:
eine geheimnisvolle Wirklichkeit, die wir mit Jesus ‚Ewiges Leben‘ nennen.

Warum sendet der Vater den Sohn als Mensch in unsere Mitte? Was ist Sein Ziel?
Die Gemeinschaft der Menschen mit Christus und in ihm mit dem Vater und dem Heiligen Geist.

Die Gemeinschaft des Menschen mit dem Dreifaltigen Gott, seinem Schöpfer, geschieht durch unsere Vereinigung mit Christus.

Der Weg, das Mittel zu diesem Ziel: die Teilnahme am eucharistischen Opfer. Wir nennen es: Sakrament (lateinisch), Mysterium (griechisch), zu Deutsch: Geheimnis.

Es geht also um die Fortdauer des Kreuzesopfers in der Eucharistie und um die Gemeinschaft mit dem Leib und dem Blut Christi, denn Quelle der Gemeinschaft des Menschen mit den Dreifaltigen Gott sind Tod und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, des wahren Opferlammes zur Erlösung der Welt.

In der sakramentalen Kommunion bei der Feier der Eucharistie geschieht genau dies: nicht nur jeder einzelne von uns empfängt Christus,
sondern auch Christus empfängt jeden einzelnen von uns.
– Oh, großes Geheimnis!

Gott bleibt in uns und wir bleiben in Gott, nach den Worten aus 1 Joh 3,24.

Jesus macht uns dieses Geheimnis in so einfachen Bildern aus unserer sichtbaren Welt klar:

  • Gott Vater ist der wahre Winzer, der Winzer des Ewigen Lebens, des Himmelreiches.
  • Er, Sein Sohn, ist der wahre Weinstock.
  • Wir, die wir Seinen Geist empfangen haben, sind die Rebzweige.
  • Wie ein irdischer Winzer seine Reben reinigt und beschneidet, so tut es der Himmlische Vater mit uns.
  • Höchste Fruchtbarkeit ist das Ziel: Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bring.
  • Die Rebe, die keine Frucht bringt, weil sie getrennt vom Weinstock ist, wird im Feuer verbrannt.

Ziel des Ganzen ist:

  • In Ihm bleiben, ER in uns.
  • In Seinem Wort bleiben.
  • Reiche Frucht bringen durch das In-Ihm-bleiben.
  • Den Vater verherrlichen durch reiche Frucht und Jüngerschaft.

Ursache von allem:

  • Getrennt von Ihm können wir nichts vollbringen.
  • In Ihm bleiben.

 

Doch Achtung: Wir dürfen dies nicht einseitig individualistisch verstehen!

Johannes Paul II. betont mit Bedacht dieses wechselseitige Geschehen:

Nicht nur jeder einzelne von uns empfängt Christus,
sondern auch Christus empfängt jeden einzelnen von uns.

So entsteht das Geheimnis der Kirche als Leib Christi.

Im Bild vom Weinstock ist dieses vorausgesetzt.
Es geht um die eine neue Wirklichkeit des Ewigen Lebens:
die Einheit von Winzer – Weinstock – Rebzweige – Weinberg.
Sie ist das Bild für diese große Einheit von:
Dreifaltiger Gott und Seine Schöpfung,
Vater-Sohn-Geist und göttliche Schöpfung als Bild Gottes.

Die geheimnisvolle Kraft der Vereinigung liegt im Hl. Geist, der im Bild des Weinstocks nicht unmittelbar erscheint, aber die geheimnisvolle göttliche Person ist, die das In-einander ermöglicht: ER in uns und wir in IHM.
Dieses kleine Wort ‚IN‘ ist Zeichen der göttlichen Gegenwart des Hl. Geistes.

Nicht umsonst  heißt es am Ende der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte:
Die Kirche wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes. (Apg 9,31)

Aus demselben Grund spricht Johannes in seinem Brief so:
Dass er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat. (1 Joh 3,24)

Deshalb spricht Jesus im Abendmahlssaal auch vom Geist der Wahrheit:
Wenn jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zur vollen Wahrheit führen. … Er nimmt von dem Meinigen und wird es euch verkünden. (Joh 16,13.15)

Der Hl. Geist, der die Liebe in Person ist, wirkt in uns dieses:
ER in uns und wir in IHM.

Sichtbar wird dies durch unser Leben aus dem Geist, durch die sichtbare Früchte des Hl. Geistes.

Bitten wir den Hl. Geist in diesen Tagen ganz besonders darum!