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2. So. der Osterzeit (B) 2021 - Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit

 

Auf die Inspiration der Hl. Schwester Faustyna hin hat der Hl. Papst Johannes Paul II. diesen Sonntag zum Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit erklärt. Und so feiern wir ihn seit etlichen Jahren.

Der Auferstandene gießt aus dem Herzen des Vaters die göttliche Barmherzigkeit über Seine ganze Schöpfung, um sie von Grund auf zu erneuern.
So macht er alles neu! (Offb 21,5)
So zieht er alles an sich! (Joh 12,32)
Bis zu Seiner Wiederkunft in Herrlichkeit vollbringt der Hl. Geist diese große Verwandlung.

Im Evangelium (Joh 20,19ff.) erfahren wir, wie Jesus dieses große Werk der Verwandlung begann.

Die Jünger Jesu waren verängstigt. Sie versammelten sich hinter verschlossenen Türen. (v.19)

In die Mitte derjenigen, die noch nicht glauben konnten, was Jesus doch längst oft versprochen hatte, tritt der Auferstandene leibhaftig mit dem Gruß: Friede sei mit euch! (v.21) Dreimal hören wir diesen Gruß heute, als wollte der Evangelist unterstreichen: Der Friede des Vaters, der Friede des Sohnes, der Friede des Heiligen Geistes ist das große Geschenk des Auferstandenen, ein Friede voll göttlicher Barmherzigkeit, der allen Schmerz und alle Furcht überwindet und heilt.

Damit sie erkennen, dass sie nicht einen leiblosen Geist vor sich haben, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite (v.20), also jene Stellen an seinem Leib, die von den Nägel jäh durchbohrt wurden und vom Speer durchstochen.

Sodann haucht Er sie an. In Jesu Muttersprache gibt es ein Wort für: Geist, Hauch, Wind, nämlich: ruach, der Name auch, den die dritte Person der Heiligen Dreifaltigkeit trägt.

Dieser Hauch nun durchdringt die Jünger und verwandelt sie, macht sie zu neuen Menschen. Doch diese Verwandlung geschieht nicht im Nu, sondern in Schritten, bis hin zu jenem Pfingsten, das fünfzig Tage danach geschehen wird.

Das Herzstück dieser Gabe des Geisthauches ist die Barmherzigkeit: Denen ihr die Sünden erlasst! (v.23) Gottes barmherzige Liebe ist es, die alle Sünde nimmt, aller Schuld erlässt.
Wer umkehrt, eine das ganze Sein umfassende Umkehr vollzieht, in dem wird das Ebenbild Gottes wiederhergestellt. Der wird zu einem neuen Menschen.

Auch denen, die zunächst zögern, wie Thomas, gilt diese Barmherzigkeit: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. (v.25)

Dieses Angebot gilt durch die Jahrhunderte hindurch allen, die zögern, Zweifel haben, vorsichtig sind, Zeit brauchen.

Für jeden hat Jesus einen Weg, sich zu zeigen.

In irgendeiner Weise bekommt jeder die Chance des Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! (v.27)

Jeder, der wie Thomas an einen Punkt im Glauben steht, der ihn blockiert, sei ermutigt nicht nachzulassen sich an den HERRN zu wenden …

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (v.29) Dies ist die große Verheißung Jesu an alle Menschen.

Welcher Art aber ist dieses Glauben, von dem Jesus spricht?

In der zweiten Lesung aus dem ersten Johannesbrief (Kap. 5) wird uns die Antwort gegeben.
Hier führt Johannes aus, was schon im Prolog des Evangeliums nach Johannes angedeutet wird:
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren/gezeugt sind. (1,12-13)
Hier im Brief hören wir:
Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott gezeugt und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist. (v.1)

Was heißt: aus Gott gezeugt sein?

Wir müssen unterscheiden zwischen: schaffen und zeugen.
Gott ist der Schöpfer. Er schafft durch sein Wort und bringt so die Schöpfung hervor.
Dieses Schaffen geschieht aus dem Nichts: Gen 1 lehrt uns, dass Gott sprechend erschafft, und zwar ‚aus dem Nichts‘. Er spricht, und es wird.
Dieses Schaffen ist keine Verwandlung von etwas in ein anderes. Der Schöpfer hat also nicht etwas gehabt und hat aus diesem die Schöpfung hervorgebracht. Bevor er die Schöpfung schuf, war sie nicht. ER allein ist der Ewige, ohne Anfang und Ende.
Die Schöpfung aber, die ER durch sein Wort erschafft, hat einen Anfang, aber kein Ende. Vor diesem Anfang der Schöpfung war sie nicht.

Zeugen ist aber ein anderer Akt Gottes.
Im Gespräch mit Nikodemus erklärt Jesus diesem dieses geheimnisvolle Geschehen:
Wer nicht von neuem geboren/gezeugt wird, kann das Reich Gottes nicht sehen. (Joh 3,3)
Wer nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann nicht in das Reich Gottes eingehen. (v.5)
Was aus Fleisch geboren ist, ist Fleisch; was aus dem Geist geboren/gezeugt ist, ist Geist. (v.6)
Wundere dich nicht darüber, dass ich zur die sagte, ihr müsst von neuem/von oben geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Brausen; aber du weißt nicht, woher er kommt noch wohin er geht. So verhält es sich mit jedem, der aus dem Geist geboren/gezeugt ist. (v.8)

Wer aus Gott gezeugt/geboren ist, der erhält Anteil an Seiner göttlichen Natur, durch das Geschenk der Gnade.
Damit vollzieht sich dieses große Geheimnis, das Jesus den Jüngern im Abendmahlssaal beschreibt, indem er ihnen das Gleichnis vom Weinstock erzählt.
Jesus reicht den Menschen in der Eucharistie tatsächlich seinen Leib und sein Blut. Er ist im Wasser und im Blut gekommen. Das Blut und der Leib, was Jesus uns in der Eucharistie reicht, ist der Leib und das Blut des Mensch gewordenen Sohnes Gottes, der für uns das Brot des Himmels geworden ist, für uns die himmlische Speise.

Im Bild des Weinstocks sagt es Jesus so: Bleibt/wohnt in mir, dann bleibe/wohne ich in euch. (v.4) Wer in mir bleibt/wohnt und in wem ich, der bringt viel Frucht. (v.5)
Ohne mich könnt ihr nichts tun. (v.5)

Wenn Johannes im Brief sagt: Der Geist ist die Wahrheit!, und Jesus uns von sich spricht als: der Weg, die Wahrheit und das Leben,
dann wird klar, dass dieses wahrhaftige ewige Leben nur in Gott möglich ist.
Deshalb müssen wir aus Gott geboren werden, aus Gott dieses Leben, das die Wahrheit ist, empfangen, indem wir vom Dreifaltigen Gott in Sich aufgenommen werden.

Das ist der tiefe Sinn von: Im Namen des Vaters und des Sohnes und der Heiligen Geistes.
Wenn wir so im Heiligen Geist beten, nimmt uns Gott auf in Sein dreifaltiges Leben, in das Leben des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, in dieses eine Leben, das Vater und Sohn und Heiliger Geist miteinander teilen und austauschen.

Deshalb ist der Sohn Gottes Mensch geworden, um als Mensch und Gott mit der Himmelfahrt uns Menschen in das dreifaltige Leben aufzunehmen.
Deshalb sagt Jesus zu Maria Magdalena: Halte mich nicht fest; denn ich bi noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu den Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, meinem Gott und eurem Gott. (Joh 20,17)

Wenn er dann zum Vater aufgestiegen ist, ist er dort als der Sohn Gottes und als Mensch Gewordener im Geheimnis des Vaters.

Wenn wir die Eucharistie feiern, nimmt uns Jesus in diese Gemeinschaft auf und lässt uns aus Gott gezeugt sein.