Christus nimmt uns an – einander annehmen
Im Brief an die Gemeinde in Rom schreibt der Hl. Paulus dies:
Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes!(Röm 15,7)
Was hat es mit dieser An-nahme auf sich?
Von diesem An-nehmen spricht Paulus öfter:
Denn Gott hat ihn angenommen. (Röm 14,3)
Dies sagt er in Bezug auf verschiedene Speisegewohnheiten, dessentwegen man niemanden benachteiligen soll.
Von einem gewissen Onesimus sagt Paulus im Brief an Philemon:
17 Wenn du also mit mir Gemeinschaft hast, nimm ihn auf wie mich!
Hier geht es also immer darum, dass man jemanden an der Gemeinschaft teilhaben lässt.
Dieses so unscheinbare Wort aus Röm 15,7 eröffnet also eine ungeahnte Weite.
Es geht um die Ehre Gottes, die Herrlichkeit und Verherrlichung Gottes. Jesus Christus, der Sohn des Vaters, lebt ganz und gar auf Gott, den Vater hin, zu Seiner Verherrlichung, zu Seiner Ehre.
Um den Vater zu verherrlichen, nimmt Christus uns an, denn dazu hat Ihn der Vater in die Welt gesandt, als den guten Arzt, als den guten Hirten, der uns als Seine Schafe annimmt.
Wie aber nimmt uns der Gute Hirte an? Er nimmt uns nicht nur auf Seine Schultern, wie es so manches Bild des Guten Hirten darstellt, um uns zu heilen, zu trösten und zu stärken.
ER nimmt uns vielmehr in sich auf, indem Er in uns eingeht als der alles tragende Schöpfer, als der grenzenlos liebende Gott.
Die Menschwerdung des Gottessohnes hatte von je her genau dieses Ziel: Der Sohn Gottes nimmt unsere menschliche Natur an, nimmt sie in seine göttliche Person auf, um so ganz in uns eingehen zu können.
Den Anfang macht er bei Maria: Durch den Heiligen Geist überschattet, empfängt sie den Sohn Gottes in ihrem jungfräulichen Schoß. In ihr nimmt ER die menschliche Natur an. In ihr, der Mutter, betritt ER seinen neuen Tempel, in dem ER von nun an wohnt.
Gott, der Ewige und Dreifaltige, geht also in Maria als Seinem reinen Geschöpf ein, wohnt in ihr, um von nun an in der Mitte der ganzen Schöpfung zu wohnen: der Schöpfer unter seinen Geschöpfen.
Was Er in Maria begonnen hat, das setzt er in allen anderen Geschöpfen fort. Immer dann, wenn ein Mensch für das Wirken des Hl. Geistes offen ist, nimmt der Ewige in Seinem Geschöpf Wohnung, nimmt ER dieses Geschöpf an als Sein geliebtes Kind, wohnt so auf neuer Erde.
Dabei nimmt der Schöpfer in Seinem Sohn Jesus Christus diesen Menschen an, Er nimmt ihn in sich auf, und wartet darauf, dass dieses Geschöpf IHN, den Schöpfer, annimmt, in sich aufnimmt.
Hat der Mensch den Ewigen an-ge-nommen, wie er von IHM angenommen ist, so kann er auch andere Menschen annehmen, wie er von IHM angenommen ist.
So kann Wirklichkeit werden, was Paulus beschreibt:
Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes!
Dies ist Ausdruck der Gemeinschaft im Heiligen Geist, die Gott in Seiner Gnade Seinen Geschöpfen schenkt.
So werden wir ein Herz und eine Seele, ein Geist und ein Leib.
R. Gabriel M. Maiwald, Dez. 2019