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Gott lieben – sich lieben

 

Zu: Ferdinand Ulrich, Gabe und Vergebung, S. 570

 

Bemerkung zu Augustinus, Joan. Evang. tr. 123

Dabei zeigt es sich auch [Joh 21,15ff.: Frage an Petrus: Liebst du mich?], dass amor und dilectio ein und dasselbe sind; denn auch der Herr sagt zuletzt nicht: Diliges me, sondern: Amas me?

Amare und diligere werden hier zusammengeschaut; amare = lieben, diligere = gernhaben, mögen, wünschen, etwas nach dem eigenen Geschmack finden.

Also nicht uns, sondern ihn wollen wir lieben und beim Weiden seiner Schafe das Seinige, nicht das Unsrige suchen.

Die Liebe kann sehr selbstbezogen sein, kann sehr auf den eigenen Vorteil, Genuß bedacht sein. Es geht um ‚selbstlose‘ Liebe in dem Sinne: beim Lieben den anderen, besonders Gott allein im Blick haben, von jedem Selbstbezug frei. Es geht um eine Liebe, die ganz hingegeben, selbst leer ist, damit dem anderen ganz und gar Raum gegeben werde. Die echte Liebe wird um des anderen willen ganz arm bei sich, nicht im negativen Sinne leer, sondern im positiven Sinne von ganz und gar bereit.

Denn auf eine gewisse unaussprechliche Weise
liebt, wer sich, nicht Gott liebt, sich selbst nicht,
und wer Gott, nicht sich liebt, der liebt sich selbst.

Scheint paradox: Wer sich liebt, liebt sich nicht; wer Gott liebt, der liebt sich. Wenn aber ‚lieben‘ bedeutet: sich ganz und gar hingeben, ungeteilt und ganz dem anderen zum Geschenk machen, ohne sich zu verlieren, dann kann nur sich selbst lieben, wer Gott liebt, denn: Gott ist die Liebe. Wer also in Gott bleibt, in der Liebe, der liebt nicht nur Gott selbst, sondern auch sich. Wer aber nur sich selbst liebt – Gott ausschließend – der landet im Nichts.

Denn wer nicht leben kann von sich, stirbt sicher, indem er sich liebt;
also liebt sich nicht, wer sich liebt, um nicht zu leben.

Wenn man aber jenen liebt, von dem man lebt,
dann liebt einer, indem er sich nicht liebt, mehr,
weil er deshalb sich nicht liebt, damit er den liebe, von dem er lebt.

Also nicht sich selbst sollen die lieben, welche die Schafe Christi weiden, damit sie dieselben nicht als die ihrigen, sondern als die seinigen weiden und aus ihnen ihren Gewinn ziehen wollen …