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4. So. der Osterzeit (B) 2021

 

Petrus, der erste unter den Aposteln, sagt uns heute (1. Les.: Apg 4), warum es durch die Zeiten hindurch so wichtig ist, den Menschen von Jesus zu erzählen:
12In keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen. [Heil: σωτηρία, Rettung, Erlösung]

Und Paulus beruft sich dabei auf einen prophetischen Psalm (Ps 118,22): Jesus sei der 11Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.
Jesus sei also für die ganze Schöpfung der Eckstein des Heils schlechthin.

Im Evangelium (Joh 10) spricht Jesus von sich in einem anderen Bild: 11Ich bin der gute Hirte.
Er erklärt uns, was dieser Gute Hirte für uns ist und für uns tut:

  • 11Der gute Hirte gibt sein Leben hin für die Schafe.
  • In Gefahr lässt er seine Schafe nicht im Stich und hält sie zusammen. (v.12)
  • Die Schafe sind ihm eine Herzensanliegen. (v.13)
  • 14Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne.
  • 15Ich gebe mein Leben hin für die Schafe.

Sodann offenbart uns Jesus etwas von Seinem tiefsten Wesen:

17Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben [Seele] hingebe, um es wieder zu nehmen.
18Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin.
Ich habe (Voll-)Macht, es hinzugeben, und ich habe (Voll-)Macht, es wieder zu nehmen.

Jesus, der als Sohn des Vaters mit dem Vater und dem Heiligen Geist dasselbe göttliche Leben teilt, wird Mensch, empfängt menschliches Leben, eine menschliche Seele.
Dieses Leben als Mensch – und als Gott – gibt Er von sich aus hin, ganz und gar, sogar bis in den Tod.
Vom Vater hat ER die Vollmacht empfangen, sein Leben, seine Seele hinzugeben. Er tut dies bis in den Tod hinein, bis zum Sterben am Kreuz.
Vom Vater aber hat Er auch die Voll-Macht empfangen, dieses menschliche Leben auch wieder zu nehmen: in der Auferstehung von den Toten.

Dies alles tut Jesus als der gute Hirte für Seine Schafe: für uns Menschen, uns Geschöpfe.
Die Menschen, die nach Seinem Bild geschaffen sind, holt ER aus der Verbannung heim in Sein Reich, aus jener Verbannung, die über den Menschen verhängt worden war, als es hieß: Darum entfernte Gott, der HERR, den Menschen aus dem Garten Eden, damit er den Erdboden bebaue, von dem er genommen ist.  Und nachdem er den Menschen vertrieben hatte, stellte er östlich vom Garten Eden die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachen. (Gen 3,23f.)

Der Gute Hirte schenkt dem verlorenen Schaf wieder den Zugang zum Baum des Lebens. ER selbst ist nämlich der ‚Baum des Lebens‘. ER ist das Brot des Lebens. (Joh 6,35)

Der Weg der Erlösung: hin-geben und hin-nehmen. Tod und Auferstehung!

Der Weg zum Baum des Lebens ist wieder eröffnet, ist wieder frei.
Jesus selbst ist der gute Hirte, der uns auf dem Weg vorangeht. Er ist der Urheber des Lebens. [τὸν δὲ ἀρχηγὸν τῆς ζωῆς]
So verkündet es Petrus auf dem Tempelplatz in Jerusalem, als durch ihn und Johannes ein Gelähmter geheilt worden war: 15 Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen. (Apg 3)

 

Und wie schenkt uns der Gute Hirte Jesus uns dieses neue Leben?

Davon haben wir in der letzten Woche in den liturgische Texten gehört. (Joh 6)
Nach der Speisung der 5000 Familien lehrte Jesus den Menschen, die ihm nach Kafarnaum gefolgt waren, in der Synagoge den Sinn dieses großen Brotwunders, 23wo sie nach dem Dankgebet des Herrn, das Brot gegessen hatten.
Zunächst aber macht Jesus diesen Menschen einen Vorwurf:
26Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.

Sodann erzählt Er ihnen von einem Brot anderer Art, von einer 26Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird, einer Speise, die nicht vergänglich ist.
Jesus erinnert dann an jene Speise, die das Volk Israel auf seiner Wüstenwanderung erfahren hat: 32Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.

Und nun spricht ER offen von sich:
33Das Brot Gottes ist der, der vom Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt.
ER wird noch deutlicher: 35Ich bin das Brot des Lebens.
Dieses Wort ruft große Verwirrung und Kopfschütteln hervor.
Deshalb gekräftigt Jesus:
51Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. … 53Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. 54Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben. … 56Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm.

Damit übersteigt Jesus alles, was dem Menschen fassbar ist. Er sprengt alles menschlich Denkbare.

Und doch ist es die Botschaft, zu der der Sohn Gottes in diese Welt gekommen ist und Mensch geworden ist.
Die Reaktion nach dieser Botschaft ist erschütternd: 66Von da an zogen sich viele von seinen Jüngern zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.

Aber schon bei dieser Gelegenheit deutet Jesus an, wie der Zugang zu diesem Geheimnis eröffnet werden wird: 63Der Geist ist es, der Leben schafft; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.

Wenn hier vom ‚Fleisch‘ die Rede ist, das nichts nützt, so ist in einem anderen Sinne hier die Rede als von jenem ‚Fleisch‘, das wir essen sollen, damit wir das Ewige Leben empfangen.

Wenn Jesus davon spricht, dass wir Sein Fleisch essen und Sein Blut trinken sollen, so ist von dem Geheimnis der Menschwerdung des Gottessohnes die Rede. Gott ist Mensch geworden, Fleisch geworden mitten unter uns, in Jesus Christus. Dieser menschliche Leib ist am Kreuz als Opfer getötet worden, ist aber auferweckt worden. Der Leib des auferstandenen Christus wird uns zur Speise, zum Brot des Lebens. In der Eucharistie gibt uns Jesus diesen unvergänglichen, verherrlichten Leib zur Speise. Er gibt ihn uns immer wieder hin, damit wir ihn empfangen. Wir aber können ihn nur in rechter Weise empfangen, wenn wir uns hingeben mit Leib, Seele und Geist. So wird uns das neue Leben zuteil.

Mit der Aussendung des Heiligen Geistes zu Pfingsten hat Jesus vom Vater jenen Geist ausgegossen über alle, die glauben, damit die Herzen der Gläubigen durch den Geist erleuchtet werden und bereit, dieses Geheimnis zu empfangen. Nur durch diesen Geist wird dieses Geheimnis in unseren Herzen lebendig. In der Feier der Eucharistie verwirklicht sich dieses immer wieder neu.

Lasst uns in diesen Tagen durch Gebet, Betrachtung und Anbetung unseren Beitrag leisten, damit in uns lebendiger werde, was hier verkündet wird.