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Frau und Priestertum

 

Aus: Gertrud von le Fort, Die zeitlose Frau – Die Ewige Frau – die Frau in der Zeit, Verlag Kösel-Pustet München, Ausgabe 1941, Aufl. 48. – 52. Tausend (erste Auflage 1934)

 

Wie steht es um das Verhältnis zwischen der Frau und dem Sakrament der Priesterweihe in der Katholischen Kirche?

Vor fast einhundert Jahren hat die große Dichterin und Denkerin Gertrud von le Fort (1876 – 1971) richtungsweisende Gedanken niedergeschrieben, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben und gerade in unserer Zeit besondere Bedeutung finden sollten.

Grundgedanke ist: Gott als der Schöpfer von allem ist der Wirkende in der ganzen Schöpfung und der Mensch als sein Geschöpf ist zum Mitwirken bestimmt. Dieses Gegenüber und Miteinander von Wirken und Mitwirken wird besonders am Menschen deutlich, der nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, und zwar als männlich und weiblich. Mann und Frau haben in ihrem Gegenüber und Miteinander die Aufgabe, dieses Geheimnis sichtbar zu machen. Dem Mann kommt in der Schöpfung als Geschöpf die Sendung zu, Gottes Wirken als Wirkender abzubilden und sichtbar zu machen, der Frau, des Menschen Mitwirkung. Nur zusammen und miteinander und in gegenseitiger Ergänzung kann der Mensch als Mann und Frau diese Aufgabe erfüllen.

In diesem Sinne führt le Fort aus:

Die Kirche selbst ist, als Mutter betrachtet, ein mitwirkendes Prinzip – der in ihr wirkende ist Christus. (147)

Die Kirche ist das weibliche Gegenüber für Christus, den Neuen Adam. Die Neue Eva ist Maria, seine leibliche Mutter, die Ihn empfangen hat durch den Hl. Geist. Und – wie unter dem Kreuz verfügt – ist Maria die Mutter aller derjenigen, die an ihren Sohn glauben, ja sogar aller Menschen. Die Gemeinschaft aller Glaubenden ist die Kirche, die Mutter aller Christen. Die Geburtsstunde der Kirche ist das Kreuz, stellvertretend für sie stehen dort Maria und Johannes. Der Wirkende in der Kirche, die der Leib Christi nach der Lehre des heiligen Paulus ist, ist Jesus Christus selbst, der Mensch gewordene Sohn Gottes. Der Kirche kommt dabei nicht eine rein passive Rolle zu, sondern sie ist mitwirkendes Prinzip. Mitzuwirken ist das eigentliche Geheimnis des Geschöpfes, seine höchste Form der Aktivität, seine göttliche Sendung. Wie Maria und durch sie die ganze Kirche.

Le Fort fährt fort:

Hier liegt der tiefste Grund, weshalb die Kirche der Frau niemals das Priestertum anvertrauen konnte – es ist derselbe Grund, welcher den heiligen Paulus bestimmte, die Verschleierung der Frau im Gottesdienst zu fordern. Die Kirche konnte der Frau das Priestertum nicht anvertrauen, denn sie hätte damit die eigentliche Bedeutung der Frau in der Kirche vernichtet – sie hätte einen Teil ihres eigenen Wesens vernichtet, jenen, dessen symbolhafte Darstellung der Frau anvertraut wurde. Die Forderung des heiligen Paulus stellt nicht etwa eine durch zeitliche Verhältnisse bedingte Sitte dar, sondern sie stellt die Forderung der überzeitlichen Kirche an die in ihrer religiösen Bedeutung zeitlose Frau dar! (147f.)

Ein weit verbreitetes Argument ist es, dass Jesus unter seine Apostel keine Frau deshalb aufgenommen hätte, weil es die zeitlichen Verhältnisse jener Zeit nicht zugelassen hätten. Abgesehen davon, dass sich Jesus nie von der Meinung der Menschen abhängig gemacht hat, sondern immer souverän das getan hat, was der Wille Seines Vaters ist, handelt es sich für Gertrud von le Fort hier um die Forderung der überzeitlichen Kirche an die in ihrer religiösen Bedeutung zeitlose Frau.

Welches ist denn die eigentliche Bedeutung der Frau in der Kirche? In ihrer Argumentation geht von le Fort davon aus, dass sogar die wahre Bedeutung der Frau zerstört, vernichtet würde, würde ihr der Zugang zum Sakrament der Priesterweihe gewährt.

Es gehört zum Wesen der Frau, symbolhaft darzustellen, dass es vornehmste Aufgabe des Menschen ist, Gott zu empfangen, und zwar im Verborgenen, unter dem Schleier. Deshalb bei Paulus das Gebot für die Frau, in der Gottesdienstversammlung einen Schleier zu tragen, was bis heute z. T. bei der Hochzeit mit dem Schleier der Braut angedeutet ist sowie auch mit dem Schleier, den die Ordensfrau trägt, die die Jungfräulichkeit gelobt hat. Der äußere Schleier ist hier Zeichen für den inneren Schleier. Der Schleier deutet die verborgene Sendung der Frau an.

Verhüllung ist ein wesentliches Geheimnis des Religiösen, und dieses ist besonders der Frau anvertraut als Aufgabe:

Wie die natürliche Geburt, so ist auch die religiöse Geburt zutiefst verhüllt. Auch die Kirche kann von sich das Wort sprechen, das dem Moses von Gott wurde: „Ich will alle meine Herrlichkeit an dir vorübergehen lassen und will lassen predigen des Herrn Namen vor dir. Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wes ich mich erbarme, des erbarme ich mich. – Aber mein Angesicht kann man nicht sehen!“ (148)

Für den Menschen bleibt das Angesicht Gottes verhüllt, auch wenn er zu ihm Zugang empfangen hat. Zeichenhaft geschieht dies bei der natürlichen Empfängnis bis zur Geburt eines Kindes, wenn es das sog. Licht der Welt erblickt: Das im Mutterleib gezeugte Leben wächst verborgen heran und wird erst bei der Geburt sichtbar. Doch bleibt auch dann das Geheimnis selbst des natürlichen Lebens weiterhin verborgen. Wie viel mehr gilt dies für das religiöse Leben. Im Gespräch mit Nikodemus deutet Jesus genau dies an: Was aus Geist geboren ist, das ist Geist. (Joh 3,6) Das neue Leben in Christus, das der Christ durch Glaube und Taufe empfängt, ist und bleibt ein verborgenes.

Das eigentlich pneumatische Leben in der Kirche ist verborgen! Daher das unausbleibliche Fehlurteil aller, welche meinen, das religiöse Leben in der Kirche von außen abschätzen oder gar beurteilen zu dürfen, eine Unvernunft, nur mit jener vergleichbar, welche von dem Messer des sezierenden Arztes die Auffindung der Seele im Körper fordern würde. (148)

Diese verborgene Seite des pneumatischen Lebens der Kirche zu vertreten und zu leben, ist die vornehmliche Aufgabe der Frau. Wie Eva ist jede Frau Mutter des Lebens. Cheva (Eva) im hebräischen bedeutet: Leben. Das eigentliche Wesen des Lebens liegt in der Verborgenheit.

Wir sagten: in der mütterlichen Sendung ihres Apostolats berührt sich die Frau am innigsten mit dem Wesen der Kirche, d. h. sie berührt sich mit ihrem verborgenen Wesen: Das Apostolat der Frau in der Kirche ist in erster Linie das Apostolat des Schweigens – im Zentralbezirk des eigentlich Sakralen wird notwendigerweise der religiöse Charakter der Frau am stärksten betont. Das Apostolat des Schweigens bedeutet: die Frau ist vor allem berufen, das verborgene Christusleben in der Kirche darzustellen; sie ist also als Trägerin ihrer religiösen Sendung in der Kirche die Tochter Mariens.

Das Apostolat des Schweigens: Reden und Schweigen sind nach heutigen Verständnis Gegensätze, die sich ausschließen. Doch sie verwenden sich füreinander: Der redende Mensch empfängt seine Worte aus dem empfangenden Schweigen des Geistes. Wer redet, der redet aus dem Schweigen heraus, ansonsten redet er nichtiges. Den Gehalt erhalten die Worte aus dem, was im Schweigen empfangen worden ist.

Quelle allen schöpferischen Redens ist der Ewige Logos, wie er in Joh 1 beschrieben wird: Im Anfang war das Wort (gr. logos), und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Jesus Christus ist dieser Logos, der aus dem Vater geboren ist vor aller Zeit. Christus empfängt sich als der Sohn Gottes ewig aus dem Vater: ER ist der einziggeborene Sohn des Vaters. Und dies ist der Ursprung allen worthaften Geschehens: Wie der Sohn nur redet, was der Vater spricht, so sollen wir nur reden, was wir im Schweigen empfangen.

Das mütterliche Apostolat der Frau in seiner letzten Tiefe: die Frau ist vor allem berufen, das verborgene Christusleben in der Kirche darzustellen; sie ist also als Trägerin ihrer religiösen Sendung in der Kirche die Tochter Mariens.

Maria als Mutter Jesu und Mutter der Kirche und Mutter aller Menschen hat als höchste immerwährende Aufgabe dieses: das Leben Christi in sich zu tragen als die Neue Erde, in der die Frucht wächst. Während der Priester durch Seine Vollmacht die Realpräsenz in den Sakramenten der Kirche zu erbitten und zu spenden hat als treuer Verwalter der Geheimnisse Gottes, so ist es die Aufgabe der Frau, dieses Christusleben zu empfangen und zu hüten zum Segen für die Welt.

Damit ist das mütterliche Apostolat der Frau in seiner letzten Tiefe angedeutet. Nur eine im Religiösen wie im Naturhaften gleicherweise fehlgegangene Zeit konnte, wie die letztvergangene vielfach, im Wesen dieses Apostolats eine Unterschätzung der Frau erblicken, ein Irrtum, der niemals durch den schwächlichen Trost bekämpft werden durfte, die Frau habe eben hier und da in der Kirche doch geredet und gewirkt – im eigentlichen sakralen Bezirk des Priestertums hat sie es nie getan! Die unmittelbare charismatische Berufung, welche in einzelnen Fällen, wie in dem der heiligen Caterina von Siena, das Schweigen der Frau in der Kirche durchbrach, erfüllt sich nur in der außerordentlichen Linie, nicht in der Linie der Ordnung. Die Ordnung aber bedeutet hier: auch im Leben der Kirche ist das Verborgene der eigentliche Mutterschoß aller Dinge. (147-149)

Auch im Leben der Kirche ist das Verborgene der eigentliche Mutterschoß aller Dinge! Dies gilt im natürlichen wie im übernatürlichen Bereich. Dies gilt in der Ordnung der Natur und in der Ordnung der Gnade. Das ist das Charisma der Frau, auf das der Mann angewiesen ist. Das ist das Miteinander und Aufeinander-Verwiesen-Sein von Zeugung und Empfängnis, im biologischen und im geistigen Sinne. Darum sagt Paulus im Hinblick auf die Ehe als Sakrament: Es ist ein großes Geheimnis. Ich deute es auf Christus und die Kirche. (Eph 5,32)