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Das geopferte Lamm

Eine Betrachtung zum Sacrum Triduum

 

Am Tag nach seiner Taufe im Jordan überliefert uns der Evangelist Johannes:

29 Am Tag darauf sah er [Johannes der Täufer] Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! (Joh 1)

Am nächsten Tag bekräftigt Johannes dies sein Wort:

35 Am Tag darauf stand Johannes wieder dort und zwei seiner Jünger standen bei ihm. 36 Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! (Joh 1)

Was hat es mit diesem ‚Lamm Gottes‘ auf sich? Worauf will uns Johannes der Täufer aufmerksam machen, wenn er von Jesus als dem Lamm Gottes spricht.

Für einen mit seiner Tradition vertrauten Juden leuchtet etwas sehr Geheimnisvolles dadurch auf.

Jesaja prophezeit ein solches Lamm:

Er wurde bedrängt und misshandelt, / aber er tat seinen Mund nicht auf. / Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, / und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt, / so tat auch er seinen Mund nicht auf. (Jes 53)

In seiner Begegnungsgeschichte mit dem HERRN (JHWH) ist es ein Lamm, das auf einen zukünftigen Retter hinweist.

Einen Widder, ein männliches Lamm, ist es, das Abraham anstelle seines Sohnes Isaak Gott als Opfer darbringt. (Gen 22) Der junge Isaak war es, der seinen Vater darauf hinwies, als sie beide auf dem Weg zum Gipfel des Berges waren: Wo ist denn das Lamm zum Opfer? Denn Gott hatte Abraham aufgefordert: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebhast, den Isaak, und gehe in das Land Morija und bringe ihn dort auf einem der Berge, den ich dir sagen werde, als Brandopfer dar.

Ein Nachkomme Abrahams, nämlich Mose, erlebte mit dem ihm anvertrauten Volk der Söhne Abrahams, Isaaks und Jakobs, wie das Blut des Lammes sie aus der Knechtschaft Ägyptens rettete. (Ex 12) Das Blut eines fehlerlosen, männlichen, einjährigen Lammes sollten sie an die Häuser als Schutzzeichen streichen, damit der Engel des Todes vorübergehe. Vor dem Aufbruch zum Auszug aus Ägypten sollten sie das Fleisch des Lammes untereinander aufteilen und verzehren.

Die Erinnerung an diese Erlebnisse in der Begegnung mit dem HERRN ist dem Volk Gottes tief eingeprägt.

Und nun tritt Jesus auf und Johannes weist doppelt auf ihn hin als das Lamm Gottes. Somit wird deutlich, dass mit Jesus der neue Mose gekommen ist, der selbst der Garant für die wahre Befreiung aus den Fesseln der Sünde und des Todes ist. Jesus ist aber nun nicht nur das Opferlamm, sondern zugleich der Hirte, der sich als Opferlamm hingibt als Lösepreis für den Menschen.

Er ist nicht nur derjenige, durch den die Sünde der Welt hinweggenommen ist:

Ihr wisst, dass er erschienen ist, um die Sünden wegzunehmen, und in ihm ist keine Sünde. (Jes 53)

Er ist zugleich der Hirte Seines Volkes selbst, der sich selbst als Opferlamm hingibt. Er ist Hirte, Lamm und Ewiger Priester, der diese Opferhandlung vollzieht.

So erweist er sich als der Gute Hirte, der in Psalm 23 beschrieben wird.

Der Herr ist mein Hirt,

nichts wird mir fehlen.

Er lässt mich lagern auf grünen Auen

und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.

Meine Lebenskraft bringt er zurück.

Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit,

getreu seinem Namen.

Auch wenn ich gehe im finsteren Tal,

ich fürchte kein Unheil;

denn du bist bei mir,

dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.

Du deckst mir den Tisch

vor den Augen meiner Feinde.

Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt,

übervoll ist mein Becher.

Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang /

und heimkehren werde ich ins Haus des Herrn

für lange Zeiten.

 

Jesus selbst ist also derjenige, der meine Lebenskraft zurückbringt, denn ER ist der Hirte, ER ist das Lamm, ER ist der Ewige Hohepriester nach der Ordnung des Melchisedek. (Ps 110)

 

Und ER ist das Leben, das durch den EINEN, der Hirte, Lamm und Priester zugleich ist, vermittelt wird.

Jenes Leben, als das sich Jesus in der großen eucharistischen Rede nach der Brotvermehrung verkündet (Joh 6):

Ich bin das Brot des Lebens!
Wer zu mir kommt, wird nimmermehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nimmermehr dürsten!
Das ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe und dass ich ihn auferwecke am Jüngsten Tage.
Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer glaubt, hat Ewiges Leben. Ich bin das Brot des Lebens.
Ich bin das lebendige Bort, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot aber, das ich geben werde, ich mein Fleisch für das Leben der Welt.