Einer ist..
Einer hat den Weg beschritten.
Einer hat die Kraft in sich gesammelt.
Einer ist in das Eigentum und in die höchste Freiheit eingegangen.
Wir alle sind noch Bilder, im Begriffe, Wesen zu werden. Selbstheit ist uns verheißen, wir haben sie nicht gewirkt. Selbstheit ist eine uns von Gott zubereitete Gnade.
Einer aber ist kein Bild, ist sein eigenes Werk und seine eigene Tat.
Einer ist frei.
Wir alle müssen sprechen: Wir werden.
Einer aber spricht: Ich bin.
Wir alle sind im Wandern begriffen, und jeder, der wandert, ist noch außen.
Einer ist in das Ziel getreten, in das Innerste, in die Mitte. Christus ist der Eine, der ist.
Er ging von der höchsten Wohnstatt aus und ging in alle Fesseln.
Er ging aus seiner Gegenwärtigkeit aus, ging in die Nähe, in die Fremde, an den Rand des Äußersten, und blieb doch gegenwärtig.
Er stand in seinem Wesen und kein Wahn berührte ihn. Er ging in den Tod und der Tod vermochte nichts an ihm.
Er trat aus dem Tode hervor, und nichts war ihm geraubt worden. Kein Schatten war er, sondern eine Macht gleichwie die Sonne. Alles trägt er. Niemand trägt ihn.
Sein Selbst ist aller Selbste Selbst und ist doch aus dem Vater.
Aus der Freiheit tut er alles, und diese Freiheit ist des Vaters Wille.
Der Vater will ihn, und er will den Vater.
Er ist die Quelle und die Erfüllung aller Selbstheit.
Darum hat der Mensch eine Selbstheit, weil Christus der Mensch von Ewigkeit her ist. Wer in seine Selbstheit gelangt, gelangt in ihn. Ohne ihn und außerhalb von ihm aber gelangt niemand in seine Selbstheit.
Darum ist niemand er selbst, außer er wäre in ihm.
Und darum verwirft ihn niemand, außer er verwirft sich selbst.
Er ist der Weg.
Er ist die Tür.
Er steht, wo alle stehen, die stehen.
Er ist, wo alle sind, die sind.
Er ist der große Genius.
In ihm ist Reinheit, Tat und Feuer.
Darum wird von ihm und seiner Geburt gesagt:
Ein großes geheimes Wunder tut sich auf:
Neu werden die Naturen.
Gott wurde Mensch.
Das, was er ist, ist er geblieben. Und was er nicht war, nahm er auf.
Vermischung hat er nicht erlitten und Teilung nicht.
aus: Arthur Maximilian Miller, Das Büchlein vom reinen Leben, Hermetika Verlag Kinsau, 1986