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2. Fastensonntag (B) 2021

 

Die Lesungen dieses zweiten Fastensonntags machen überaus deutlich, dass Gott, der HERR, für uns etwas vermag zu tun, was all unsere Vorstellungskraft übersteigt.
Wir erfahren, wie sehr Gott „für uns“ ist, mit einem Einsatz von Seiner Seite, der immer unser Verstehen übersteigen wird.
Gottes Handeln geht so weit, dass wir den Eindruck haben: Es geht zu weit!

Diesen Eindruck können wir haben, wenn wir auf die Verklärung auf dem Berg schauen (Mk 9,2ff.), wie auch auf das Opfer, das da von Abraham verlangt wird (Gen 22):

Auf dem hohen Berg verwandelt sich Jesus in strahlend weißes Licht und kündigt den Jüngern anschließend an, dass Er nach seiner Tötung von den Toten auferstehen werde. (v.9)

Auch auf einem Berg soll auf Geheiß des HERRn Abraham seinen Sohn, den seine Frau Sara durch ein Wunder empfangen hatte, als Brandopfer darbringen, d.h. töten. (v.2)

Liegt darin nicht ein himmelschreiender Widerspruch? – Der Gott der Liebe und Barmherzigkeit mutet Abraham das Opfer seines geliebten Sohnes zu?

Ja, genau hingeschaut: Gott selbst verschont Seinen eigenen Sohn nicht?

Warum geht der Weg zum Leben über den Tod?

Warum mutet uns Gott dieses Ärgernis zu?

Paulus hat ja recht: 23 Wir verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit! (1 Kor 1)

Es geht um das Geheimnis unseres Glaubens.

Den Schlüssel zum Verständnis gibt uns der Hebräerbrief:
17 Aufgrund des Glaubens hat Abraham den Isaak hingegeben, als er auf die Probe gestellt wurde; er gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheißungen empfangen hatte 18 und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben. 19 Er war überzeugt, dass Gott sogar die Macht hat, von den Toten zu erwecken; darum erhielt er Isaak auch zurück. Das ist ein Sinnbild. (Hebr 11)

Es geht also um die Überzeugung: Gott hat die Macht über den Tod. Gott hat die Macht, von den Toten zu erwecken.
Da regt sich in uns der Widerspruch: Ja, wenn ER doch die Macht über den Tod hat, warum nicht die Macht vor dem Tod, also die Macht, ohne den Tod auszukommen?

Lasst uns die tiefe Weisheit der Liebe Gottes darin entdecken!
Lasst uns über die Wege Gottes staunen, die Er für uns einschlägt!

 

Werfen wir einen Blick auf das Opfer Abrahams. Worum geht es und was geschieht?

Gott stellt Abraham auf die Probe, will sein Vertrauen prüfen.
Er soll seinen Sohn, den einzigen, den er liebt, als Brandopfer darbringen.
Die Brandopfer im Tempel sind Zeichen der bedingungslosen Hingabe an Gott.
Er soll es auf dem Berg Morija tun. In 2 Chr 3,1 wird Morija mit dem Berg identifiziert, auf dem sich der Tempel von Jerusalem erheben wird, wo nach der Ordnung des Volkes Israel Gott im Tempel von den Priestern und Hohepriestern Opfer, auch blutige, dargebracht wurden.
In dem Augenblick, wo Abraham seine Hand ausstreckt, um seinen Sohn zu schlachten, gebietet ein Engel ihm Einhalt.
Im nahegelegenen Gebüsch hat sich ein männliches Lamm verfangen. Dieses soll er anstelle Seines Sohnes als Brandopfer darbringen.

Der Hebräerbrief lehrt uns, dieses Geschehen im Hinblick auf jenes ‚Opfer‘ zu verstehen, das auf dem Berg Golgota dargebracht wird.
Es sei nur zu begreifen, wenn wir davon ausgehen, dass Abraham darauf vertraute, dass Gott die Macht hat, von den Toten zu erwecken.

In der zweiten Lesung (Röm 8,31ff.) beschreibt Paulus die Tiefe Weisheit dieses Geschehens, die allerdings auch nicht verschweigt, welch Furchtbares da geschieht:
Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben! (v.32)

Nicht verschont! Hingegeben! – Paulus nennt es beim Namen: Christus Jesus, der gestorben ist! (v.34)

 

Wenn auch nicht auf den ersten Blick, so schimmert doch genau diese bittere Seite des Erlösungsgeschehen bei der Verklärung auf dem Berg durch.
Jesus nimmt nämlich auf den Berg nur jene drei Jünger mit, die im Garten Getsemani in seiner Nähe bleiben: Petrus, Jakobus und Johannes. Diese ahnen davon in diesem Augenblick noch nichts.
Hier nun wird Jesus in überirdisches Licht gehüllt und es erscheinen Elija und Mose und reden mit Jesus.
Elija war jener Prophet in der Geschichte Israels, durch den offenbar wurde, dass nicht der Gott der Baalspriester der wahre Gott ist, sondern derjenige, der sich dem Mose im Dornbusch als der HERR (JHWH) gezeigt hatte. Und mit Jesus steht derjenige vor ihm, der den Namen trägt: Der HERR rettet = Jesus (Joshua).
Mose war derjenige, der das Volk Israel aus der Gefangenschaft Ägyptens befreit hatte und von Gott die Lebensordnung des verheißenen Landes empfangen hatte.
Der Evangelist Lukas verrät uns, worüber Jesus mit diesen beiden spricht, nämlich über den Exodus Jesu (Lk 9,31). Mit Exodus ist der wahre Auszug aus dem Land des Todes in das Land des wahren Lebens gemeint, den Jesus nun mit der Menschheit vollzieht, und zwar durch Seinen Tod und Seine Auferstehung.
All dies geschieht, weil Jesus genau weiß, worum es ihm geht, wovon aber die Jünger noch nichts ahnen. Als sie nämlich wieder vom Berg herabsteigen, gebietet er seinen drei Jüngern, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. (v.9)
Jesus weiß also, dass es auf Seinen Tod zugeht, auf Sein Opfer am Kreuz in Jerusalem.

Es geht also darum, den Weg zum wahren Leben zu ebnen.
Dafür nimmt Jesus den Tod auf sich, der die Folge der Sünde des Menschen ist.
Die Ur-Sünde ist die Verweigerung der Hingabe des eigenen Lebens.
Die Folge dieser Sünde nimmt nun Jesus als das ‚Lamm Gottes‘ auf sich.
ER ist in dem männlichem Lamm angedeutet, das sich im Gestrüpp verfangen hatte und das Abraham nahm, um es anstelle seines Sohne zu opfern.

Paulus sagt dies so: Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben! (v.32)

In der Auferweckung Seines Sohnes aus dem Grab des Todes hat Gott ein für allemal in Seiner Liebe uns gezeigt: ER hat die Macht über alles!
Gott zeigt uns: Mit ihm, Jesus, ist uns alles geschenkt!
Er sitzt zur Rechten Gotte und tritt für uns ein! (v.34)
Ein für allemal!

So allein löst sich die Spannung des Widerspruchs!
Im Tod ist das Leben, damit deutlich wird: Nicht aus uns, sondern aus Gott!
Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? (v.31)

Und der demütige Glaube des Abraham befreit uns in dieses Licht hinein …