Advent ?
Was hat es eigentlich mit der alljährlichen Adventszeit auf sich? – Wenn wir jetzt in die Kaufmärkte gehen, muss man ja den Eindruck haben, dass eigentlich schon Weihnachten ist. Und Weihnachten heißt dann: Vieles und süßes essen!?! – Wir merken, wie wenig das noch mit dem eigentlichen Sinn dieses Festes zu tun hat.
Das Wort ‚Advent‘ kommt aus dem Lateinischen: adventus. Es bedeutet: Ankunft. Es ist die Übersetzung des griechischen Wortes ‚parusia‘, das normalerweise im Deutschen mit ‚Wiederkunft‘ übersetzt wird. Von dieser Parusie ist im Neuen Testament oft die Rede.
Im 24. Kapitel des Evangeliums nach Matthäus hören wir die Worte Jesu: 27Denn wie der Blitz bis zum Westen hin leuchtet, wenn er im Osten aufflammt, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Der Hl. Paulus verkündet im ersten Brief an die Thessalonicher: 23 Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Und im Jakobusbrief hören wir: 5,8Ebenso geduldig sollt auch ihr sein. Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor. In seinem zweiten Brief denkt Petrus über dasselbe nach (Kap. 3): 10 Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb. Dann werden die Himmel mit Geprassel vergehen, die Elemente sich in Feuer auflösen und die Erde und die Werke auf ihr wird man nicht mehr finden. 11 Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst: Wie heilig und fromm müsst ihr dann leben, 12 die Ankunft des Tages Gottes erwarten und beschleunigen! An jenem Tag werden die Himmel in Flammen aufgehen und die Elemente im Feuer zerschmelzen.
Was aber bedeutet all dies?
Die Adventszeit zur Vorbereitung auf das Fest der Geburt unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus ist vom eigentlichen Sinn her eine Fastenzeit, eine Zeit der Vorbereitung und Besinnung auf das große Geheimnis unseres christlichen Glaubens: Der Sohn Gottes, ein Gott mit dem Vater und dem Heiligen Geist, ist für uns Menschen und zu unseren Heil Mensch geworden. Jesus Christus ist der Gottmensch: wahrer Gott und wahrer Mensch.
Vor etwa zweitausend Jahren haben nicht wenige im Volk der Juden auf den Messias gewartet; die Christen glauben, dass dieser Messias in Jesus Christus gekommen ist. Seine Ankunft hat also mit der Geburt Jesu Christi begonnen. Heute warten wir nicht mehr auf seine erste Ankunft als Mensch, sondern auf seine Wiederkunft in Herrlichkeit, wie wir es im Glaubensbekenntnis bezeugen. Somit ist die alljährliche Adventszeit einerseits eine Erinnerung an das Erwarten des Kommens des Messias. Da aber der gestorbene und auferstandene Herr Jesus Christus als Mensch und Gott mit Seiner Himmelfahrt in die Herrlichkeit Gottes eingegangen ist, erwarten wir sein Kommen in Herrlichkeit.
Davon zeugen uns viele Propheten im Alten und Neuen Testament.
Christus: Ich komme bald!
Im letzten Buch der Heiligen Schrift, der geheimen Offenbarung des Johannes, finden wir folgendes prophetische Wort (Kap. 22): 17Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens. 18Ich bezeuge jedem, der die prophetischen Worte dieses Buches hört: Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht. 19Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches, dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von denen in diesem Buch geschrieben steht. 20Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. (ναί, ἔρχομαι ταχύ. Ἀμήν, ἔρχου κύριε Ἰησοῦ) - Amen. Komm, Herr Jesus! 21Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!
Hier also wird Christi Kommen angekündigt, das die Vollendung der ganzen Schöpfung Gottes im Himmlischen Jerusalem bringen wird.
Christus: Der ist, der war, der Kommende
Andererseits ist Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist und zur Rechten des Vaters in Ewigkeit als der Weltenherr thront, der immer Kommende: Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von Ihm, der ist und der war und der kommt, und von den sieben Geistern vor seinem Thron. (Offb 1,4) (ὁ ὢν καὶ ὁ ἦν καὶ ὁ ἐρχόμενος) Jesus selbst sagt: Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung. (Ἐγώ εἰμι τὸ ἄλφα καὶ τὸ ὦ, λέγει κύριος ὁ θεός, ὁ ὢν καὶ ὁ ἦν καὶ ὁ ἐρχόμενος, ὁ παντοκράτωρ.) (Offb 1,8)
Von diesem Geheimnis leben wir Christen und erleben und bezeugen es bei jeder Eucharistiefeier: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wird, bis du zu kommst in Herrlichkeit.
Indem Jesus der ständig auf uns zu Kommende ist, der uns mit Seinem Heiligen Geist anhaucht, vollzieht er an uns – Schritt für Schritt – eine Verwandlung in IHN hinein, damit wir alle alles in allem Gott werden. ( 1 Kor 15,28)
Sogar die Engel bekennen dieses Geheimnis: Und jedes der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen und innen voller Augen. Sie ruhen nicht, bei Tag und Nacht, und rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung; er war, und er ist, und er kommt. (ἅγιος ἅγιος ἅγιος⸃ κύριος ὁ θεὸς ὁ παντοκράτωρ,ὁ ἦν καὶ ὁ ὢν καὶ ὁ ἐρχόμενος) (Offb 4,8)
Das Zeichen Seiner Ankunft
Angesicht der staunenerregenden Tempelanlage in Jerusalem, spricht Jesus über das Schicksal dieses Tempels auf dem Zion (Mt 24,3ff.) Als er auf dem Ölberg saß, wandten sich die Jünger, die mit ihm allein waren, an ihn und fragten: Sag uns, wann wird das geschehen, und was ist das Zeichen für deine Ankunft und das Ende der Welt? 4 Jesus antwortete: Gebt acht, dass euch niemand irreführt! 5 Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin der Messias!, und sie werden viele irreführen. 6 Ihr werdet von Kriegen hören, und Nachrichten über Kriege werden euch beunruhigen. Gebt acht, lasst euch nicht erschrecken! Das muss geschehen. Es ist aber noch nicht das Ende/die Vollendung. … 27 Denn wie der Blitz bis zum Westen hin leuchtet, wenn er im Osten aufflammt, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Und ferner: 37 Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. 38 Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, 39 und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.
Das Schicksal der Verstorbenen
Die Christen in Korinth machten sich offenbar Gedanken darüber, wie es denn mit der Auferstehung der Toten stehe im Zusammenhang mit der Wiederkunft Christi. Paulus gibt zur Antwort (1 Kor 15,23): Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören. Allemal haben wir Christen eine starke Hoffnung (1 Thess 2,19): Denn wer ist unsere Hoffnung, unsere Freude, der Kranz unseres Ruhmes vor Jesus, unserem Herrn, wenn er kommen wird? Nicht etwa auch ihr? Allezeit gilt es, große Zuversicht zu haben (1 Thess 3,13): … damit euer Herz gefestigt wird und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, wenn Jesus, unser Herr, mit allen seinen Heiligen kommt. Im gleichen Sinn (1 Thess 5,23): Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus Christus, unser Herr, kommt. Und ferner (1 Thess 4,15): Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn: Wir, die Lebenden, die noch übrig sind, wenn der Herr kommt, werden den Verstorbenen nichts voraushaben.
Geduldiges Ausharren bis zur Wiederkunft Christi
Wenn auch die Wiederkunft Christi auf sich warten lässt, –die Stunde weiß ja keiner, nicht einmal Jesus, nur der Vater – so gilt (2 Thess 2): 1 Brüder, wir schreiben euch über die Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, und unsere Vereinigung mit ihm und bitten euch: 2 Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da. 3 Lasst euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, 4 der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt. 5 erinnert ihr euch nicht, dass ich euch dies schon gesagt habe, als ich bei euch war? 6 Ihr wisst auch, was ihn jetzt noch zurückhält, damit er erst zur festgesetzten Zeit offenbar wird. 7 Denn die geheime Macht der Gesetzwidrigkeit ist schon am Werk; nur muss erst der beseitigt werden, der sie bis jetzt noch zurückhält. 8 Dann wird der gesetzwidrige Mensch allen sichtbar werden. Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten. 9 Der Gesetzwidrige aber wird, wenn er kommt, die Kraft des Satans haben. Er wird mit großer Macht auftreten und trügerische Zeichen und Wunder tun.
Vor allem gilt es geduldig auszuharren: (Jak 5): 7 Darum, Brüder, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis im Herbst und im Frühjahr der Regen fällt. 8 Ebenso geduldig sollt auch ihr sein. Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.
Niemals dürfen wir uns irre machen lassen (2 Pe 1,16): Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe. Der Hl. Petrus mahnt (2 Pe 3,3f.): Vor allem sollt ihr eines wissen: Am Ende der Tage werden Spötter kommen, die sich nur von ihren Begierden leiten lassen und höhnisch sagen:
4 Wo bleibt denn seine verheißene Ankunft? Seit die Väter entschlafen sind, ist alles geblieben, wie es seit Anfang der Schöpfung war.
Da mit Seiner Wiederkunft auch das Gericht einhergeht, rät uns Johannes (1 Joh 2,28): Und jetzt, meine Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er erscheint, die Zuversicht haben und bei seinem Kommen nicht zu unserer Schande von ihm gerichtet werden.
Die Adventszeit schenkt uns die Kirche, damit wir uns in diese Haltung einüben. Indem wir uns darin üben, dass Christus in jedem Augenblick unseres Lebens auf uns zukommt und der Kommende ist, bereiten wir uns in bester Weise auf Seine Wiederkunft in Herrlichkeit vor.
Pfr. R. Gabriel M. Maiwald, Nov. 2018