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Die Parusie Christi und die große Drangsal

Vorbereitung auf das Wiederkommen Christi


Das Ziel der Schöpfung

 

Die Geschichte dieser Welt ist nicht ein zielloser Lauf durch die Zeiten. Sie hat vielmehr einen Anfang und ein Ziel, auf das sie ausgerichtet ist. „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (Gen 1,1) besagt, dass der souveräne Schöpfer der geschaffenen Welt einen Anfang gesetzt hat, den sie nicht selbst bestimmt hat. Theologisch wird von der Erschaffung aus dem Nichts (creatio ex nihilo) gesprochen. Vor der Schöpfung, der sichtbaren wie der unsichtbaren, war eben nur Er, der Dreifaltige, sonst nichts außer Ihm. Diese Schöpfung hat Gott mit einem von Ihm bestimmten Ziel ins Dasein gerufen. Dieses Ziel heißt: Jesus Christus. Denn so bezeugt uns die Heilige Schrift: „Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.“ (Röm 11,36) „...so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles, und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn.“ (1 Kor 8,6) „Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.“ (Kol 1,16)

Die ganze Schöpfung ist eine Offenbarung der Liebe Gottes im doppelten Sinn: In ihr verschenkt sich der Gott der Liebe an die Schöpfung und Er will sie teilnehmen lassen an Seiner Liebe: „Gott alles in allem“ [ὁ θεὸς τὰ πάντα ἐν πᾶσιν] (1 Kor 15,28) ist das große Ziel.

 

Das Drama des Sündenfalls

 

„Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.“ (Röm 3,23) Mit diesen Worten beschreibt der Heilige Apostel Paulus das Schicksal dieser Welt. Doch Gott überlässt die Welt nicht diesem Schicksal. „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3,16) Um die Schöpfung auf diesem Weg zur Vollendung im ewigen Leben zu führen, muss Er sie vielerlei Prüfungen und Läuterungen unterziehen. Die große, endgültige Läuterung wird die große Drangsal (Bedrängnis) [gr. θλῖψις] genannt, die Seiner endgültigen Wiederkunft vorausgeht. Sie dient dazu, die Schöpfung wieder fähig zu machen die Herrlichkeit Gottes in uneingeschränkter Weise aufzunehmen und widerzuspiegeln. Über diese große Drangsal spricht Jesus Christus zu seinen Aposteln, was uns in den Evangelien überliefert ist.

 

 

Die Zeichen der großen Drangsal

 

Im Zusammenhang mit dem Bestand des Tempels in Jerusalem trägt sich folgende Begebenheit zu: „1 Als Jesus den Tempel verlassen hatte, wandten sich seine Jünger an ihn und wiesen ihn auf die gewaltigen Bauten des Tempels hin. 2 Er sagte zu ihnen: Seht ihr das alles? Amen, das sage ich euch: Kein Stein wird hier auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden. 3 Als er auf dem Ölberg saß, wandten sich die Jünger, die mit ihm allein waren, an ihn und fragten: Sag uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?“ [τὸ σημεῖον τῆς σῆς παρουσίας καὶ  συντελείας τοῦ αἰῶνος] (Mt 24) Dieses Zeitalter, in dem wir leben, strebt einer Vollendung zu. Sie wird bewirkt durch die Parusie des Herrn. Dieses Wort wird meist mit Wiederkunft oder Ankunft übersetzt, hat vom Griechischen aber die Bedeutung von ‚über allem, hinter allem, durch alles hindurch gegenwärtig sein‘. Gemeint ist offenbar eine solche Gegenwart des Gottessohnes in der Welt, die alle Grenzen der Minderung überwunden hat.

Dieses Ziel wird aber nun in Stufen erreicht: Von Seinem ersten Kommen in der Niedrigkeit der menschlichen Geburt und Seiner Auffahrt zum Vater an schenkt er uns seine eucharistische Gegenwart in Brot und Wein, die insofern eingeschränkt ist, als die Schöpfung erst daraufhin erzogen werden muss, Ihn ganz und gar wirken zu lassen.

In der ‚Herrschaft der tausend Jahre‘ (Offb 20,2ff.) wird das Böse ganz und gar auf Erden gebunden sein und die Herrschaft Christi uneingeschränkt sein. Diese Herrschaft wird eingeleitet mit Seinem ‚Kommen in Herrlichkeit‘.

Sein ‚Kommen als Richter‘ am Ende der Tage wird den neuen Himmel und die neue Erde bringen, wo der Tod nicht mehr ist noch irgendeine Finsternis.

Dieses Kommen wird mit einer Geburt verglichen, der die Wehen vorausgehen: „Das alles ist erst der Anfang der Wehen“ (Mt 24,8) Wehen kündigen sich an durch Bedrängnis und Schmerzen der Gebärenden. So auch wird es sein mit der Wiederkunft Christi.

Welches sind nun die Zeichen für sein Kommen in Herrlichkeit? Im 24. Kapitel des Evangeliums nach Matthäus gibt Jesus Christus Antwort darauf.

 

Die große Irreführung

 

Die Versuche die Menschen irrezuführen werden ein Höchstmaß annehmen: „4 Jesus antwortete: Gebt acht, dass euch niemand irreführt! 5 Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin der Messias!, und sie werden viele irreführen.“ Diese Irreführung wird offenbar darin bestehen, dass eine Identifikation Jesu Christi schwer wird. Viele werden in Seinen Namen auftreten, aber Er wird es nicht sein. Es wird falsche Messiasse geben, die im Gewand des Messias Jesus Christus auftreten werden. Es werden Plagiate, Nachahmungen sein. Nur wer vom Geiste Gottes geleitet ist, wird die Gabe der Unterscheidung haben.

„21 Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Messias!, oder: Seht, dort ist er!, so glaubt es nicht! 22 Denn es wird mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet auftreten, und sie werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, die Auserwählten irrezuführen. 23 Ihr aber, seht euch vor! Ich habe euch alles vorausgesagt.“ (Mt 24)

 

Das Zeichen des Krieges

 

Kriege werden zunehmen, zugleich wird denen, die im Heiligen Geiste leben, offenbar werden, welches die Ursachen sind: „6 Ihr werdet von Kriegen hören, und Nachrichten über Kriege werden euch beunruhigen. Gebt acht, lasst euch nicht erschrecken! Das muss geschehen. Es ist aber noch nicht das Endziel. 7 Denn ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere ...“ (Mt 24)

Die treibende Kraft für dieses Geschehen liegt jedoch tiefer: „13 Dann sah ich aus dem Maul des Drachen und aus dem Maul des Tieres und aus dem Maul des falschen Propheten drei unreine Geister hervorkommen, die wie Frösche aussahen. 14 Es sind Dämonengeister, die Wunderzeichen tun; sie schwärmten aus zu den Königen der ganzen Erde, um sie zusammenzuholen für den Krieg am großen Tag Gottes, des Herrschers über die ganze Schöpfung.“ (Offb 16)

 

Hungersnöte und Erdbeben

 

„An vielen Orten wird es Hungersnöte und Erdbeben geben.“ (Mt 24,7b) Die Erde wird die Menschen nicht mehr sättigen können, und die Kräfte, die die Ordnung der Erde gewährleisten, werden versagen.

 

Der Hass durch die Nichtgläubigen

 

Die Gläubigen werden in großer Bedrängnis sein. Ja, die Bedrohung kann bis in den Tod führen. Der Hass gegen die Gesalbten wird ein solches Maß annehmen, das viele zu Fall kommen: „9 Dann wird man euch in Bedrängnis bringen und euch töten, und ihr werdet von allen Völkern um meines Namens willen gehasst. 10 Dann werden viele zu Fall kommen und einander hassen und verraten.“ (Mt 24)

 

Auftreten falscher Propheten

 

„Viele falsche Propheten werden auftreten, und sie werden viele irreführen.“ (Mt 24,10) Propheten sind solche, die im Namen Gottes auftreten und die Wahrheit Gottes verkünden. Der wahre Prophet spricht aus dem Heiligen Geist, der falsche Prophet gibt vor, aus diesem zu reden. Nur der Geist Gottes selbst wird uns offenbaren können, zu welchen jemand zu zählen ist.

 

Die Missachtung von Gottes Gesetz

 

Der Schöpfer hat der Schöpfung eine weise Ordnung gegeben. Die Menschen als Ebenbilder Gottes können in Freiheit mitwirken an Seiner Schöpfung. Dies können sie nur in guter Weise tun, wenn sie sich in Freiheit der Ordnung Gottes unterziehen. Wo dies nicht geschieht, dort zerstört der Mensch. „Weil die Missachtung von Gottes Gesetz überhandnimmt, wird die Liebe in vielen erkalten.“ (Mt 24,12)

 

Der Gräuel der Verwüstung

 

Als herausragendes Zeichen wird das sogenannte ‚Gräuel der Verwüstung‘ an heiliger Stätte genannt, von dem schon bei den Propheten des Alten Bundes die Rede ist: „15 Wenn ihr dann am heiligen Ort den Gräuel der Verwüstung stehen seht, der durch den Propheten Daniel vorhergesagt worden ist [   ] - der Leser begreife -, 16 dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; 17 wer gerade auf dem Dach ist, soll nicht mehr ins Haus gehen, um seine Sachen mitzunehmen; 18 wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. 19 Weh aber den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. 20 Betet darum, dass ihr nicht im Winter oder an einem Sabbat fliehen müsst.“ (Mt 24)

Das Heiligste des Glaubens wird also der völligen Verdunkelung anheimfallen, und zwar offenbar durch diejenigen, die zu Hütern der Geheimnisse Gottes bestellt sind. Dort, wo die Herrlichkeit Gottes am intensivsten aufleuchten sollte, wird der Zugang versperrt. Das kann eigentlich nur durch die bestellten Hüter des Heiligtums geschehen. So wie damals nach dem Urteil Jesu die Hüter des Gesetztes, die auf dem Stuhl des Moses saßen, selbst den Zugang zu dem versperrten, was sie künden sollten, so wird es offenbar auch im Neuen Bund sein. Eine schreckliche Prophetie! „2 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. 3 Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. ...13 Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein; aber ihr lasst auch die nicht hinein, die hineingehen wollen.“ (Mt 24)

Dieses Zeichen ist beim Propheten Daniel vorausgesagt: „9,27 Vielen macht er den Bund schwer, eine Woche lang. In der Mitte dieser Woche setzt er den Schlachtopfern und Speiseopfern ein Ende. Oben auf dem Heiligtum wird ein Gräuel der Verwüstung stehen, bis das Verderben, das beschlossen ist, über den Verwüster kommt. 11,31 Er stellt Streitkräfte auf, die das Heiligtum auf der Burg entweihen, das tägliche Opfer abschaffen und den Gräuel der Verwüstung aufstellen. 12,11 Von der Zeit an, in der man das tägliche Opfer abschafft und den Gräuel der Verwüstung [LXX: τὸ βδέλυγμα τῆς ἐρημώσεως] aufstellt, sind es zwölfhundertneunzig [einziges Vorkommnis dieser Zahl] Tage.“ Wenn wir dies auf die Verhältnisse des Neuen Bundes übertragen, so müssen wir wohl unter den ‚Schlacht- und Speiseopfern‘ das eucharistische Opfer des ewigen Bundes in Brot und Wein verstehen. Es wird aufgegeben werden von Dienern des Heiligtums. Das ‚tägliche‘ Opfer wird abgeschafft sein. Wie sehr wird vom obersten Lehramt der Kirche den Priestern empfohlen, täglich das eucharistische Opfer zu feiern und wie viele tun es dennoch nicht mehr. Wie viele haben das eucharistische Opfer zur bloßen Mahlfeier degradiert.

 

Die größte Bedrängnis aller Zeiten

 

Am Anfang sprachen wir von der großen Reinigung der Schöpfung, die nötig ist, um der Schöpfung wieder die innere Gestalt zu geben, die sie wieder gottesfähig macht. Sie geschieht durch eine endzeitliche Bedrängnis, die das Ende des neuen Advents sein wird, der die Schöpfung in ein neues Zeitalter führt: „21 Denn jene Tage werden eine Bedrängnis [θλῖψις] bringen, wie es noch nie eine gegeben hat, seit Gott die Welt erschuf, und wie es auch keine mehr geben wird. 22 Und wenn der Herr diese Zeit nicht verkürzen würde, dann würde kein Mensch gerettet; aber um seiner Auserwählten willen hat er diese Zeit verkürzt.“ (Mt 24)

 

Zeichen an Sonne, Mond und Sterne

 

Weil die materielle Struktur der Schöpfung ein Abbild und Ausfluss der geistigen Welt ist und sie somit auch ein Zeichen für diese ist, wird die Neuordnung der Gesamtschöpfung auch ihre Strukturen betreffen. Darauf weist Christus deutlich hin: „29 Sofort nach den Tagen der großen Not wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“ (Mt 24)

‚Die Kräfte der Himmel‘ weist auf alle Welten hin, nicht nur auf den sichtbaren Himmel. ‚Die Wolken‘ werden ebenso nicht einfach die sichtbaren Wolken sein, sondern auf die eigenartige Spannung von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit hinweisen, Gegenwart im Geheimnis: Wie einst auf der Wüstenwanderung in der Wolke Gott unter dem Volk gegenwärtig war, real und erfahrbar für die Sinne, so haben die Israeliten ihn doch nicht unmittelbar schauen dürfen.

 

Die Ankunft des Menschensohnes

 

Diese große Drangsal wird münden in das Erscheinen unseres Herrn Jesus Christus in dieser Welt, jedoch noch verborgen unter Zeichen, die allerdings für diejenigen, die diese Drangsal durchwandert und überlebt haben, offenbarend sein werden: „27 Denn wie der Blitz bis zum Untergang hin leuchtet, wenn er im Aufgang aufflammt, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. [ἡ παρουσία τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνθρώπου] 28 Überall wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier. ... 30 Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen, und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. [ἐπὶ τῶν νεφελῶν τοῦ οὐρανοῦ μετὰ δυνάμεως καὶ δόξης πολλῆς] 31 Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum andern.“ (Mt 24)

Mit demselben sicheren Instinkt, mit dem der Geier das Aas in der Wüste findet, auch wenn es Meilen weit entfernt liegt, so sicher finden die Söhne des Himmelreiches Christi Gegenwart und erkennen sein Kommen. Freilich werden sich deshalb die Geister unter den Menschen diesbezüglich scheiden. Für die Söhne Gottes wird sein Kommen so wenig zu übersehen sein wie lauter Posaunenschall zu überhören ist: „31 Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum andern.“ (Mt 24)

 

Die Zeit des ‚neuen Advent‘

 

In der Lehrverkündigung von Papst Johannes Paul II. findet die Vorbereitung auf das Kommen Christi breiten Raum. Darauf sei in diesem Zusammenhang hingewiesen. Schon in seiner ersten Enzyklika ‚Redemptor Hominis‘ finden wir folgenden Hinweis: Wir befinden uns in gewisser Weise in der Zeit eines neuen Advents, in einer Zeit der Erwartung. (1) ... Was müssen wir tun, damit dieser neue Advent der Kirche, der mit dem nahen Ende des zweiten Jahrtausends parallel geht, uns demjenigen näherbringt, den die Schrift „Vater in Ewigkeit“, ... nennt? (7) ... Dennoch ist sicher, dass die Kirche des neuen Advents, die Kirche, die sich beständig auf die neue Ankunft des Herrn vorbereitet, die Kirche der Eucharistie und der Buße sein muss. (20) ... Ich bitte vor allem Maria, die himmlische Mutter der Kirche, sie möchte während dieses Gebets im neuen Advent der Menschheit bei uns bleiben, die wir die Kirche bilden, den Mystischen Leib ihres eingeborenen Sohnes. (22)

Ähnliche Hinweise gibt er in der Enzyklika über den Heiligen Geist, ‚Dominum Et Vivificantem‘: [Man muss] bei den Vorbereitungen auf das große Jubiläum das „Begehren des Geistes“ hervorheben als fordernde Rufe, die in der Nacht eines neuen Advents erschallen, an dessen Ende wie vor 2000 Jahren „alle Menschen das Heil sehen, das von Gott kommt“. (56)

Ebenso in seiner Marienenzyklika ‚Redemptoris Mater‘: Wenn man also die Jahre, die uns dem Ende des zweiten Jahrtausends nach Christus und dem Beginn des dritten näherbringen, mit jener alten geschichtlichen Erwartung des Retters vergleicht, wird es vollauf verständlich, dass wir uns in diesem Zeitabschnitt in besonderer Weise an diejenige wenden wollen, die in der „Nacht“ der adventlichen Erwartung als wahrer „Morgenstern“ zu leuchten begann. (3)

 

Not und Bedrängnis als Läuterung

 

Not und Bedrängnis wird jeden Menschen treffen, „der das Böse tut“, so erinnert Paulus (Röm 2,9) Für die Gläubigen gilt dann besonders: „Bedrängnis bewirkt Geduld“ (Röm 5,3). Die Liebe Christi wird ihnen den Sieg gewähren: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?“ (Röm 8,35)

In dieser Welt kommen wir um die Bedrängnis nicht herum, so erinnert Jesus selbst: „Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,33) Ja, die Bedrängnis kann sogar auf Reichtum hinweisen: „Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut; und doch bist du reich. Und ich weiß, dass du von solchen geschmäht wirst, die sich als Juden ausgeben; sie sind es aber nicht, sondern sind eine Synagoge des Satans.“ (Offb 2,9)

Wer den Christen bedrängt, wird selbst Bedrängnis ernten: „Denn es entspricht der Gerechtigkeit Gottes, denen mit Bedrängnis zu vergelten, die euch bedrängen.“ (2 Thess 1,6)

Ausdrücklich wird daran erinnert, dass die Bedrängnis als Probe zugelassen ist: „Fürchte dich nicht vor dem, was du noch erleiden musst. Der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, um euch auf die Probe zu stellen, und ihr werdet in Bedrängnis sein, zehn Tage lang. Sei treu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben.“ (Offb 2,10)

Bedrängnis dient dazu, von bösen Wegen abzubringen: „Darum werfe ich sie auf das Krankenbett, und alle, die mit ihr Ehebruch treiben, bringe ich in große Bedrängnis, wenn sie sich nicht abkehren vom Treiben dieses Weibes.“ (Offb 2,22)

 

Die Vollendung der Schöpfung

 

Vor allem im letzten Buch der Heiligen Schrift, der Geheimen Offenbarung des Johannes, wird von der Vollendung des Geheimnisses Gottes gesprochen, darüber also, wie Gott Seine Schöpfung zum Endziel führen wird: „...denn in den Tagen, wenn der siebte Engel seine Stimme erhebt und seine Posaune bläst, wird auch das Geheimnis Gottes vollendet sein; so hatte er es seinen Knechten, den Propheten, verkündet.“ (Offb 10,7) Die Posaunen blasenden Engel zeigen an, dass Ereignisse stattfinden, die unüberhörbar sein werden: „Der siebte Engel blies seine Posaune. Da ertönten laute Stimmen im Himmel, die riefen: Nun gehört die Herrschaft über die Welt unserem Herrn und seinem Gesalbten; und sie werden herrschen in alle Ewigkeit.“ (Offb 11,15) Wie schon in Psalm 2 prophezeit ist, wird das Kommen des Messias die Mächtigen der Welt auf den Plan rufen: „Die Könige der Erde stehen auf, die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten.“ (Ps 2,2) Doch der Macht des Allherrschers über die ganze Schöpfung kann niemand widerstehen: „Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.“ (Dan 7,14) „Die Herrschaft und Macht und die Herrlichkeit aller Reiche unter dem ganzen Himmel werden dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen.“ (Dan 7,27) Das Königtum des Herrn wird uneingeschränkt sein: „Dann wird der Herr König sein über die ganze Erde. An jenem Tag wird der Herr der einzige sein und sein Name der einzige.“ (Sach 14,9) Die ganze himmlische Versammlung wird Jubeln über diesen Sieg Gottes: „Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen sitzen, warfen sich nieder, beteten Gott an und sprachen: Wir danken dir, Herr, Gott und Herrscher über die ganze Schöpfung, der du bist und der du warst; denn du hast deine große Macht in Anspruch genommen und die Herrschaft angetreten. Die Völker gerieten in Zorn. Da kam dein Zorn und die Zeit, die Toten zu richten: die Zeit, deine Knechte zu belohnen, die Propheten und die Heiligen und alle, die deinen Namen fürchten, die Kleinen und die Großen, die Zeit, alle zu verderben, die die Erde verderben. Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar: Da begann es zu blitzen, zu dröhnen und zu donnern, es gab ein Beben und schweren Hagel.“ (Offb 11,16-19)

Die Kirche und ihre Mutter werden teilhaben an diesem Sieg: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.  Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen. Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten; denn gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder, der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagte.  Sie haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes und durch ihr Wort und Zeugnis; sie hielten ihr Leben nicht fest, bis hinein in den Tod.  Darum jubelt, ihr Himmel und alle, die darin wohnen. Weh aber euch, Land und Meer! Denn der Teufel ist zu euch hinab gekommen; seine Wut ist groß, weil er weiß, dass ihm nur noch eine kurze Frist bleibt.“ (Offb 12,1-11)

Hinein verwoben in diese Aussagen über den Sieg des Herrn über die ganze Schöpfung ist die Niederlage des Satans, dem durch eine tausendjährige Herrschaft eine letzte Frist gegeben wird, bevor er in den ‚ewigen Feuerpfuhl‘ geworden wird: „Dann sah ich einen Engel vom Himmel herabsteigen; auf seiner Hand trug er den Schlüssel zum Abgrund und eine schwere Kette. Er überwältigte den Drachen, die alte Schlange ‑ das ist der Teufel oder der Satan ‑, und er fesselte ihn für tausend Jahre. Er warf ihn in den Abgrund, verschloss diesen und drückte ein Siegel darauf, damit der Drache die Völker nicht mehr verführen konnte, bis die tausend Jahre vollendet sind. Danach muss er für kurze Zeit freigelassen werden.  Dann sah ich Throne; und denen, die darauf Platz nahmen, wurde das Gericht übertragen. Ich sah die Seelen aller, die enthauptet worden waren, weil sie an dem Zeugnis Jesu und am Wort Gottes festgehalten hatten. Sie hatten das Tier und sein Standbild nicht angebetet, und sie hatten das Kennzeichen nicht auf ihrer Stirn und auf ihrer Hand anbringen lassen. Sie gelangten zum Leben und zur Herrschaft mit Christus für tausend Jahre. Die übrigen Toten kamen nicht zum Leben, bis die tausend Jahre vollendet waren. Das ist die erste Auferstehung.  Selig und heilig, wer an der ersten Auferstehung teilhat. Über solche hat der zweite Tod keine Gewalt. Sie werden Priester Gottes und Christi sein und tausend Jahre mit ihm herrschen. Wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis freigelassen werden. (Offb 20,1-7)

 

 

Glauben und Vertrauen werden uns zum Ziel führen

 

All das Gehörte darf uns nicht in Angst und Schrecken versetzen, sondern ist Einladung zu Glauben und Vertrauen.

Wenn auch der Tag und die Stunde für Jesu Kommen uns nicht bekannt sind, so darf unsere Bitte an den Hl. Geist sein, dass wir in der Liebe wachsen, auch wenn wir durch Zeiträume gehen, die uns unbekannt sind.

So wollen wir uns nicht entmutigen lassen, auch wenn Kummer und Leid uns begegnen. Wachsen bedeutet eben nicht ausruhen, sondern im Vertrauen zu kämpfen. Die Stärke unseres Glaubens lässt uns Schritt für Schritt vorangehen in unserer Entwicklung.

Denken wir an die vielen Heiligen, an Petrus etwa, wie klein und zugleich groß sein Glaube war, wie viele Enttäuschungen er erlebt hat, aber trotzdem im Vertrauen vorangeschritten ist. Sogar über’s Wasser ist er geschritten, als Jesus ihm die Hand gereicht ist. Dies ist auch für uns ein Bild. Wo Glauben und Vertrauen sind, da kann Gott uns helfen. Die Initiative allerdings muss von uns ausgehen.

Notwendig dazu ist, sich von den Verstrickungen frei zu machen, die uns im Alltag umgeben. Jesus ist uns darin vorangegangen: Wie groß war seine Geduld für unsere Erlösung. Er vertraute auf den Plan des Vaters; der Geist stand ihm bei. So konnte alle Finsternis von Licht erfüllt werden. Das ist unser Weg in aller Bedrängnis. Jesus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Dies gilt immer und überall. Von Ihm gehen Segen, Licht und Barmherzigkeit aus; diese an unsere Mitmenschen weiterzugeben ist unser Auftrag. So wächst dann in uns die Kraft, Ihn, unseren Erlöser zu verstehen.

Christus ist gekommen, diese Welt einer großen Wandlung zu unterziehen. Diese Wandlung geschieht zuerst an jedem von uns. Als so Gewandelte können wir auch beitragen zur Wandlung, damit das wahre Leben und die Liebe wachse und aller durchdringe.

 

Dies ist der Sinn der großen Bedrängnis.

Dies ist das Ziel der Parusie Christi.