Geheimnis der Dreifaltigkeit
Aus: Ferdinand Ulrich, Gabe und Vergebung, S. 205f./S. 170/S. 207f.
… der eine, einzig-geborene Sohn des barmherzigen Vaters,
der in der Freien, in der Virgo-Mater,
aus Liebe die Knechtsgestalt des Fleisches angenommen hat …
Er ist das lebendige, personale Geschenk der vergebenden Liebe des Vaters
für und in den beiden Söhnen und
in allen, die sein Wort hören und tun.
Er lebt im absoluten Gehorsam des Sich-empfangens aus dem Vater,
durch dessen Vaterschaft er im Pneuma der Liebe: Sohn ist.
Er ist
mit dem Vater,
mit dem ursprungslosen Ursprung in Person
(der weder aus dem Sohn noch aus dem Geist hervorgeht, procedit),
aus dem er in der Zeugung hervorgeht,
wesens-eins,
in der unendlichen Fülle der absolut einen und derselben göttlichen Natur,
die ihm der Vater im Akt der ewigen Geburt seines Sohnes schenkt.
Aber nicht so als hätte der Sohn sie vor dem Empfangen noch nicht,
sondern erst nachdem er empfangen hat.
Er empfängt im Geboren-werden aus dem Vater,
der dem Sohn „alles seine“ ewig über-gibt
(in der trinitarischen tra-ditio),
die absolute Fülle der göttlichen Natur: personal.
Der Vater gibt dem Sohn sich selbst.
„Ita enim a Patre quod habet accepit (Filius), ut nascendo acceperit“;
die Geburt des Ich-bin des Sohnes ist der Gehorsam des Sich-empfangens.
Rezeptivität und Spontaneität verwenden sich im ewigen Kind des Vaters personal absolut selbig für einander.
Der Sohn empfängt in seiner ewigen Geburt
die Fülle des göttlichen Seins vom Vater,
der ihm im Akt der Zeugung alles gibt:
„nascendo acceperit“ (Filius a Patre) „dederitque (Pater) illi (Filio) gignendo“.
Zeugen ist Schenken.
Aber was der Vater in der Zeugung des Sohnes tut,
dem er, in der Einheit des einen Wesens „über-wesenhaft“ personal,
das absolute göttliche Wesen schenkt,
das setzt er in der absoluten Verschiedenheit der Person des Sohnes vom Vater sich voraus:
als den im personalen Wir des Geistes, der Liebe, absolut einmaligen Anderen.
An ihm selbst ist der Sohn das (der), absolut gewesen, was (wen) er in der Zeugung vom Vater empfängt.
Die Liebe setzt voraus, was sie tut (Kierkegaard).
… der Sohn … er ist
als Gezeugter durch die Selbstmitteilung des Zeugenden sich (Dativ) absolut gegebene und so an ihm selbst absolut frei-gegebene Freiheit.
Er ist im personalen Gehorsam des dem Vater verdankten Sich-empfangens er selbst,
weil er aus der absoluten Freiwilligkeit seines ursprungslosen Urspruungs in ewiger Geburt hervorgeht,
aber niemals nicht Sohn gewesen ist.
Im Selbst-stand absoluter Freiheit ist er ewig im Ent-stand des Hervorgehens aus dem Vater,
der ihm (Dativ) sich (Akk.) gibt: „Generando dedit, quia genuit, dedit“ (Zeugen ist Schenken).
„Filius enim de Patre est, Pater non est de Filio.“
Nie setzt der Sohn durch sich selbst, durch seine „Emanzipation“, den Vater ins Vater-sein ein.
Niemals kommt der Vater in der Weise vom Sohn her sich (Dativ) zu.
Der Sohn vermittelt von sich her dem Vater nicht die ursprungslose Ursprünglichkeit.
„Sed Pater Filii Pater est“ (im Genitiv des Sohnes, im „gignere: dare“ ist er Vater) „et Filius Patris (Genitiv) est Filius“.
Zwei Genitive, aber „verum tamen Filius de Patre genitus, non Pater de Filio: et semper Filius; semper ergo genitus. Quis hoc capit semper genitum?“
Seine absolute Freiheit als Sohn, der er ewig gewesen ist,
wurzelt im Sich-gegeben-sein (Dativ) und entspringt aus dem Genitiv der Zeugung.
Sie ruht, im Gehorsam der Liebe dem Vater völlig verfügbar, im gelassenen Nominativ ihres in-sich-gründenden Selbstseins.
So ge-hört er dem Vater im positiven Dativ des vertrauenden Sich-überlassens, aus dem Er lebt.
Er, der sündelos im Fleisch der gefallenen Welt das Gleichnis erzählt, ist selber die alles überwindende Antwort, das wahre Licht, der Retter, der uns aus allen … Versuchungen befreit.
So erlöst der eine, einziggeborene Sohn die beiden Söhne
durch die Barmherzigkeit des Vaters,
das fleischgewordene, ewige Leben der Liebe,
das er, ihm vom Vater gegeben und von ihm empfange,
nicht nur in sich hat, sondern selber als Person ist.
„Quia et Pater habet vitam“ (hat das Leben) „et quod habet est“ (er ist, was er hat).
Aber er empfängt nicht, denn er geht aus keinem Anderen hervor, ist in diesem Sinne ursprungsloser Ursprung.
„Nec accepit“ … „quia non ex aliquo est.“
Der Sohn aber empfängt das Leben (in Gott)
als Gabe des Vaters (dante Patre),
von seinem schenkenden Ursprung, aus dem er hervorgeht, aus dem er ist: Sohn des Vaters.
Er hat das Leben in sich aus dem Gehorsam ewiger Selbstempfängnis und
er ist, was (wen) er hat (et ipso quod habet est) als der Gezeugte.
Er hat das Leben und ist das Leben.
Denn „wie der Vater das Leben in sich selbst hat,
so gab (schenkte) er dem Sohn, das Leben in sich selbst zu haben“ (vgl. Joh 5,26).
Aber wir dürfen nicht vergessen:
der ewige Gehorsam des Sohnes dem Vater gegenüber bedeutet nicht passive Rezeptivität: ein absolutes Ich, das zwar irgendwie existiert, aber „noch nicht“ (vgl. die analoge Versuchung des jüngeren Sohnes) sein ihm gehörendes Leben angeeignet in sich hat.
Daher: „Numquid existenti et non habenti (einem, der noch nicht empfangen hat) dedit?“
Nein, der Vater schenkt dem Sohn das Leben, das er als Vater in sich hat,
im Akt der Zeugung so, dass der Sohn es ewig in sich hat,
wie der Vater: „eo dedit (Pater) quo genuit, qui vitam genuit et vita genuit vitam.“
Die Zeugung des Sohnes in Gott ist unendlicher Schenkungsakt.
Der Sohn ist Leben vom Leben, Licht vom Licht, Gott von Gott: in Gott.
Er ist „daheim“ als Person absolut verschieden von seinem ursprungslosen Ursprung und in diesem Sinne „draußen“, in der „Ferne“: in Gott, als der Gezeugte ewig auf den Vater zu-kommend, wie er sich selber vom Vater her als unendliche Gabe in ewiger Geburt empfangen hat und, mit dem Vater wesenseins, ewig Sohn gewesen ist.