Jesus: auferstanden?
Die christliche Botschaft steht und fällt mit der Überzeugung, dass Jesus tatsächlich von den Toten erstanden ist, nachdem er am Kreuz gestorben war. Der Hl. Paulus weiß aus eigener Erfahrung: Wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden ist, dann ist unser Glaube sinnlos und leer; dann sind wir umsonst Christen.
Was aber ist nun genauer damit gemeint?
Um dies genau zu verstehen, müssten man alle Zeugnisse aus dem Neuen Testament anschauen, die davon sprechen. Mit den folgenden Zeilen soll dazu ein kurzer Überblick gegeben werden. Ich will versuchen, unseren christlichen Glauben an die Auferstehung kurz auf den Punkt zu bringen.
Auferstanden von den Toten
Das uralte, sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis enthält die Sätze: Ich glaube an Gott, den Vater … und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, … gekreuzigt, gestorben und begraben, … am dritten Tage auferstanden von den Toten … Mit diesen Worten haben die Christen der ersten Jahrhunderte zusammengefasst, was sie als die zentralen Wahrheiten glauben.
Grundlegend ist die Überzeugung: Gott ist der eine, einzige; Er ist der eine Ursprung von allem, hat alles geschaffen. Dieser einzige und eine Gott hat einen ‚eingeborenen‘ Sohn. ‚Eingeboren‘ heißt so viel wie: einziggeboren. Durch Jesus haben wir Einblick in das geheimnisvolle Wesend des einen und einzigen Gottes: Gott ist einer seinem Wesen nach, aber drei den Personen nach: ein Gott in drei Personen. Diesen Glauben haben die Christen aus den Worten Jesu entnommen. Jesus sagt: Er ist eins mit dem Vater, und der Vater hat ihn in unsere geschaffene Welt gesandt. Jesus ist also gemäß seines göttlichen Wesens eins mit dem Vater und der einziggeborene Sohn des Vaters. Dieser Sohn Gottes ist aber Mensch geworden, geboren von der Jungfrau Maria. Glaube der Christen ist auch, dass Maria ihren Sohn auf einzigartige Weise empfangen hat, nämlich empfangen durch den Heiligen Geist. Die Christen glauben also tatsächlich, dass Jesus nicht von einem menschlichen Vater gezeugt wurde; Josef ist sein ‚Pflegevater‘, nicht sein Erzeuger, wie wir menschlich es nennen. Mit dieser Besonderheit hat Gott deutlich gemacht: Jesus ist Mensch und Gott zugleich, der Sohn der Jungfrau Maria und Sohn des einen göttlichen Vaters.
Diese Überlegungen waren wichtig, um die Bedeutung und den Sinn der Auferstehung Jesu besser zu verstehen.
Mit etwa dreiunddreißig Jahren wurde Jesus gekreuzigt, in der Vollkraft seines Lebens, nach menschlichen Maßstäben. Er stirbt einen wirklichen menschlichen Tod: am Kreuz getötet durch Annagelung, die schlimmste Tötungsart im römischen Reich. Der Leichnam Jesu wird vom Kreuz abgenommen und in ein Grab gelegt, eingewickelt in Tücher, wie es bei den Juden üblich war.
Weil Jesus schon vor seinem Leiden und seinem Tod davon gesprochen hatte, dass er von den Toten auferstehen werde, was allerdings so keiner recht verstanden hat, vor allem nicht die römische Besatzungsmacht, wurden nach dem Bericht der Evangelien an sein Grab römische Wachsoldaten postiert. Man wollte nämlich verhindern, dass man heimlich den Leichnam Jesu aus dem Grab entwendet. Denn damit hätte man beweisen können, dass die Wort Jesu sich erfüllen. Kaum einer nämlich hat dies für möglich gehalten.
Und dann geschieht das völlig überraschende: Noch in der Nacht von Samstag (dem Sabbath) auf Sonntag gibt es ein Erdbeben, die Wachsoldaten werden ohnmächtig, und als sie wieder zu sich kommen, sehen sie den Grabstein vom Grab weggewälzt; das Grab aber war leer.
Jesus hatte einige Frauen zu Jüngerinnen gewonnen, darunter auch war Maria Magdalena. Diese machte sich mit anderen Frauen am frühen Morgen auf den Weg, um Jesus am Grab die letzte Ehre zu erweisen. Als sie ans Grab kommt, sieht sie es leer. Der Leichnam Jesu ist fort. Nur zwei Tücher sieht sie in der Grabesstelle liegen. Doch: Der Leichnam Jesu ist nicht da.
Und nun überliefern die Evangelien folgendes Seltsames: Plötzlich sieht sie einen Mann in die Nähe kommen, den sie für den Gärtner hält; das Grab lab nämlich in einer größeren Gartenanlage. Sie fragt ihn, wohin man den Leichnam Jesu gelegt habe. Die Antwort allerdings ist völlig überraschend: Dieser Mann, den sie für den Gärtner hält, spricht sie mit Namen an: Maria. Bei dieser Anrede merkt sie, wer derjenige ist, der sie da anspricht. Es ist Jesus. Sofort geht sie auf ihn zu, will ihn anfassen. Aber Jesus sagt zu ihr: Fass mich nicht an! Ich bin noch nicht zu meinem Vater gegangen!
Für Maria war dieses Erlebnis so real, dass sie sich gleich auf den Weg zu den anderen Jüngern machte, die sich noch in der Stadt Jerusalem aufhielten.
Ähnliche Erlebnisse haben in den folgenden Tagen viele, viele andere Menschen. Vierzig Tage lang gibt es diese ‚Erscheinungen‘ des Auferstandenen.
Leibhaftige Auferstehung Jesu
Wichtig an diesen Erscheinungen des Auferstandenen ist immer: Sie geschehen leibhaftig, ganz körperlich. Jesus lässt sich anfassen, er lässt sich etwas zu essen geben, ja, er zeigt ihnen sogar die Zeichen seiner Kreuzigung, die Male der Nägel und die Seitenwunde durch die Lanze.
Jesu Auferstehung ist also nicht in eine bl0ß geistige Welt geschehen. Sondern: Derjenige Leichnam, der am Kreuz getötet worden war, den einst Maria in ihrem Schoß empfangen und geboren hatte in Betlehem, dieser Leichnam, der dann zwei Tage lang im Grab lag, er wurde nicht ausgetauscht, sondern verwandelt. Der Zustand des Körpers Jesu vor seiner Kreuzigung und Auferstehung war die Gestalt, die wir an unserem eigenen Körper tragen: von Vergänglichkeit geprägt, mit all ihren Schattierungen. Der Zustand des Leibes Jesu nach seiner Auferstehung: Unsterblichkeit, Leidensunfähigkeit.
Bei einer ganz bestimmten Gelegenheit in seiner Zeit der drei Jahre seines öffentlichen Auftretens hat Jesus drei seiner Jünger eine Ahnung davon gegeben, was diese Verwandlung in einen ‚Lichtleib‘ bedeutet: die Verklärung auf dem Berg. Vor den Augen der Jünger erscheint Jesus in einem überirdischen Licht, heller strahlend als die Sonne. Für einen kurzen Augenblick bekommen sie eine Ahnung, was das innerste Wesen Jesu ausmacht: Er ist nämlich mit dem Vater und dem Heiligen Geist der Ewige Gott, voll Herrlichkeit. Und diese Herrlichkeit voll Liebe und Licht ist es, die den Auferstehungsleib Jesu ganz und gar durchströmt. Mit diesem Leib ist Jesus, als Gott und als Mensch, auf Ewig in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters.
Unsere Auferstehung am Jüngsten Tag
Die ersten Christen waren davon überzeugt, dass diese Auferstehung nicht nur Jesus geschenkt ist, sondern auch für sie kommen wird. Deshalb heißt es im Apostolischen Glaubensbekenntnis weiter: Ich glaube … die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Es gibt tatsächlich dieses ‚Ewige Leben‘ in dem Sinne, dass der Tod ein für alle Mal überwunden ist. Gott, der Dreifaltige, führt die ganze Schöpfung hin zu diesem großen Ziel. Die Christen nannten es von Anfang an – nach alter biblischer Tradition – das Himmlische Jerusalem. Das letzte Buch der Heiligen Schrift, die Offenbarung des Johannes, erzählt davon. Gemeint ist eine Welt, in der die Macht des Bösen keinen Einfluss mehr hat, alles Vergänglichkeit überwunden ist. Es gibt den Tod nicht mehr. Gott wird alles in allem sein.
Die große Verheißung von Jesus: Er ist der gute Hirte, der uns in dieses Himmlische Jerusalem führt. Sein Tod und Seine Auferstehung haben den Weg bereitet. Sagt Er doch: Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder der an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.
Pfr. R. Gabriel M. Maiwald, Aug. 2018