Ein kostbarer Schatz
Guter Vater,
ich bin ein kostbarer Schatz
Deiner Liebe
In Deiner Hand.
Voll Liebe schaust Du auf Ihn!
Deine Augen strahlen in seinem Anblick!
Ströme der Zuneigung, des Wohlwollens fließen zu ihm!
Du liebkost ihn an Deiner Wange!
Hebst ihn empor und
Zeigst ihn voll Stolz Deinen Engeln!
Ein wunderbarer Schatz bin ich,
mit Zärtlichkeit gebildet!
Mit Edelsteinen besetzt und gefüllt!
Funkelnd im Licht der Ewigen Sonne!
Ein Pfand der Ewigkeit!
Ihn hast Du gestellt in diese Welt,
dass er Staunen wirke in den Augen der Erdenkinder!
Dass er tanzen lasse die Berge,
Dass er Feuer entzünde zum Flächenbrand in der dürren Steppe!
Dass ein Lauffeuer sich ausbreite.
Ein beneidenswerter Schatz bin ich
aus den Vorratskammern des Weltenschöpfers!
Die Engel staunen!
Die Welten jubeln
Ob seiner Schönheit!
Glanz von Ewigem Glanz!
***
Symphonie aus Stein – Sagrada Familia in Barcelona
Was seit zweitausend Jahren gewachsen,
was Menschen an Glauben gebildet,
was an Herzblut durch diese Welt geflossen,
das bilden ab diese Steine.
Was des Schöpfers Hand in der Natur gebildet,
was Licht und Form geboren haben,
was Er an Organismen kreiert,
das hat Menschenhand vollendet.
Wo Gottes Hand und des Menschen
in Liebe zusammenklingt,
dort sprudeln der Schönheit Quellen.
Wo Kraft des Schöpfers und des Menschen
ineinander weben an einem Werk,
dort wächst das Wunder.
Frieden und Heil
durchdringen das Herz
dessen, der schaut.
Oben und unten vermählt
zu einer Symphonie in Stein:
Sie klingt in den Herzen
durch die Jahrhunderte
bis zum Kommen des Königs.
***
Verborgenes Schicksal dieser Welt
Kreuzweg das Leben
in dieser Welt.
Wer mit Gott in Eins,
über Kreuz mit der Welt,
denn die Welt,
die nicht in Eins ist
mit dem Einen,
- zerstreut, zerteilt - ,
wird zum Kreuz jedem, der die Einheit in Ihm sucht.
Erlösung ist nur dort,
wo das freiwillige Kreuz
Einheit und Frieden stiftet.
Doch wer erkennt's?
Verborgenes Schicksal
der Seelen,
die in sich verschlossen,
deren Herz
hinter einer Mauer von Angst
im Gefängnis sitzen,
die, weil sie's nicht erkennen,
die anderen
für die Ursache
ihrer Gefangenschaft halten,
die Gitterstäbe ihrer Zellen
mit dem Angesicht der anderen
verwechseln,
die, da sie in ihrer Not
erkannt werden,
ihr ganzes Leben aufbieten,
um sich zu beweisen,
dass ihr Herz (vermeintlich)
frei und ein Paradies sei.
Verborgenes Schicksal
der Seelen,
die sich nie erkannt haben
in der liebenden Begegnung,
die stets wie Fremde
unter Fremden leben,
weil das Tor ihres Gartens
nie geöffnet war,
um darin ein und aus
zu wandeln.
Verborgenes Schicksal
der Seelen,
die sich immer beweisen
müssen, dass sie da sind,
weil sie sich ihrer Existenz
nie gewiss sein können,
sondern stets sich
Beweise der Anerkennung
erzwingen müssen,
und in denen, die sie
frei lassen,
den Sklaventreiber sehen.
Verborgenes Schicksal
der Seelen,
die in tiefer Finsternis sitzen,
das Licht, das Christus ist,
in sich nicht entdeckt haben,
deshalb kein Licht schenken können,
sondern nur vom Licht
anderer leben,
in ihrem Licht Schatten suchen,
doch aufbegehren,
wenn ihnen dieser Diebstahl
verweigert wird.
Verborgenes Schicksal
der Seelen,
die, da sie den Zugang
zur Quelle in sich nicht haben,
trinken müssen an verderblichen Quellen,
in Sucht verfallen,
in völlig verkehrter Welt leben,
in der Nehmen seliger ist als Geben.
Verborgenes Schicksal
der Seelen,
die Liebe nicht annehmen,
weil Annehmen voraussetzt,
sich selbst annehmen,
die fordern,
aber Einladung nicht annehmen können.
O Drama
der Verzweifelten,
die Versöhnung nicht annehmen,
weil sie sich mit sich selbt
nicht versöhnen können
und ihrem Schicksal.
***
[aus: Arthur Maximilian Miller, Das Büchlein vom reinen Leben]
Einer ist …
Einer hat den Weg beschritten.
Einer hat die Kraft in sich gesammelt.
Einer ist in das Eigentum und in die höchste Freiheit eingegangen.
Wir alle sind noch Bilder, im Begriffe, Wesen zu werden. Selbstheit ist uns verheißen, wir haben sie nicht gewirkt. Selbstheit ist eine uns von Gott zubereitete Gnade.
Einer aber ist kein Bild, ist sein eigenes Werk und seine eigene Tat. Einer ist frei.
Wir alle müssen sprechen: Wir werden.
Einer aber spricht: Ich bin.
Wir alle sind im Wandern begriffen, und jeder, der wandert, ist noch außen.
Einer ist in das Ziel getreten, in das Innerste, in die Mitte. Christus ist der Eine, der ist.
Er ging von der höchsten Wohnstatt aus und ging in alle Fesseln.
Er ging aus seiner Gegenwärtigkeit aus, ging in die Nähe, in die Fremde, an den Rand des Äußersten, und blieb doch gegenwärtig.
Er stand in seinem Wesen und kein Wahn berührte ihn. Er ging in den Tod und der Tod vermochte nichts an ihm.
Er trat aus dem Tode hervor, und nichts war ihm geraubt worden. Kein Schatten war er, sondern eine Macht gleichwie die Sonne. Alles trägt er. Niemand trägt ihn.
Sein Selbst ist aller Selbste Selbst und ist doch aus dem Vater.
Aus der Freiheit tut er alles, und diese Freiheit ist des Vaters Wille. Der Vater will ihn, und er will den Vater.
Er ist die Quelle und die Erfüllung aller Selbstheit.
Darum hat der Mensch eine Selbstheit, weil Christus der Mensch von Ewigkeit her ist.
Wer in seine Selbstheit gelangt, gelangt in ihn. Ohne ihn und außerhalb von ihm aber gelangt niemand in seine Selbstheit.
Darum ist niemand er selbst, außer er wäre in ihm.
Und darum verwirft ihn niemand, außer er verwirft sich selbst.
Er ist der Weg.
Er ist die Tür.
Er steht, wo alle stehen, die stehen.
Er ist, wo alle sind, die sind.
Er ist der große Genius.
In ihm ist Reinheit, Tat und Feuer.
Darum wird von ihm und seiner Geburt gesagt:
Ein großes geheimes Wunder tut sich auf:
Neu werden die Naturen.
Gott wurde Mensch.
Das, was er ist, ist er geblieben. Und was er nicht war, nahm er auf.
Vermischung hat er nicht erlitten und Teilung nicht.
***
Gebet um das Einig-Sein
[ebd.]
O Herr!
Das ist mein letztes und höchstes Verlangen, in das all mein Verlangen und Bitten mündet:
dass Du mich lassest einig sein!
Alle Uneinigkeit ist tödlich und eine tiefe Wunde in mir selbst.
Du Herr bist einig mit allem, selbst mit dem Sünder und den bösen Taten und verderblichen Geschehnissen.
Wie ist das?
Das ist ein großes Geheimnis.
Aber Du bist über alles, was wir denken und sinnen, begreifen oder mit Ahnung erfassen können.
So schließe ich denn meine Augen und blicke in die unterscheidungslose Nacht Deiner Einigkeit hinein.
Nicht die Dinge sind es, die sich so stellen, daß Du mit ihnen einig sein kannst: Du bist es vielmehr, der sich so stellt, daß Du mit den Dingen einig sein kannst.
Wie Dein göttlicher Sohn, o Vater, sich am Kreuz mit seinen Mördern einig gemacht hat, indem er sprach:«Vater verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!» Und wie ei sich einig gemacht hat mit Seinem Leiden und allem Frevel, der an Ihm geschah, und daraus die Erlösung gewirkt hat. Nicht die Dinge sind es also, die mich nicht einig sein lassen, sondern ich selber bin es. Um meiner eigenen Uneinigkeit willen bin ich mit Dir und mit den Dingen nicht einig.
Wenn ich aber von mir lasse durch Deine Gnade, so lasse ich auch von meiner Uneinigkeit. Von dem, daß ich eigenwillig ein Abgetrennter sein will, der sich seiner Besonderheit freut und rühmt und nicht in das heilige Eins fallen will. Denn er fürchtet, darinnen verloren zu gehen. Im heiligen Eins aber kann man nicht verloren gehen, weil man in die Einigkeit mit sich selbst hineinfällt, und wie sollte man da etwas verlieren?
Dies vollende in mir, o Herr! Daß ich meiner Uneinigkeit ledig werde kraft Deiner alles durchdringenden Einigkeit. Daß ich in Dich falle, Herr, als in mich selber und in alle Dinge, und dieses Todes sterbe, in dem mein Eigensinn und meine Abgetrenntheit hingehen, und daß ich das Leben beginne, das ewig ist, das Leben des einigen Seins, ruhend in allem, lebend in allem, atmend in allem, getränkt von allem und
alles tränkend, bei Dir, bei mir, bei allem, voll Schweigen, voll Rede, voll Gesang, voll Kraft, voll Demut, voll jeglicher Offenbarung, in der Liebe, die alles liebt, weil sie Dich liebt und Du sie wieder liebst, und nicht mehr fragt, was das Deine und was das Ihre sei, wie Du willst, daß es sein soll:
Ich in euch und ihr in Mir.
Das ist die Erfüllung aller Reinheit, daß Du nach Deinem Tod am Kreuze auferstanden bist in dem neuen Leibe, in der Klarheit, in der Herrlichkeit, in der Unverweslichkeit.
Und daß Du dieses Leben uns, den Menschen, geben willst, wenn wir an Dich glauben, und durch uns der ganzen Welt zur Rettung aus dem Tode und zum ewigen Bleiben.
***
Ich verspreche Dir ...
Sohn Adams, Tochter Evas!
Was ist Dein sehnlichster Wunsche?
Was braucht Dein Herz? Wonach lechzt Deine Seele, Du, Erdenkind?
Durch den Hauch Meines Mundes habe ich Dich erschaffen!
Ein wundervoller Gedanke meiner Liebe bist Du!
Was suchst Du?
Höre meine Stimme!
Ich verspreche Dir,
dass ich Dich immer suchen werde, wo immer Du auch bist.
Ich verspreche Dir,
dass ich mich immer um Dich kümmern werde, ob es Dir auffällt oder nicht.
Ich verspreche Dir,
dass ich Dich zurückhole, wenn Du Dich verirrt hast und Du nicht mehr weißt, wo der recht Weg ist, der Dich zu mir führt.
Ich verspreche Dir,
Dich zurückzuholen von allen Orten, wohin Du Dich am dunklen, düsteren Tag verirrt hast.
Ich verspreche Dir,
Dich auf eine fette Weide zu führen, auf der Du alles findest, was Du zum Glücklichsein brauchst.
Ich verspreche Dir,
dass ich Dich suche, wenn Du verlorengegangen bist.
Ich verspreche Dir,
Dich in die Heimat zurückzuführen, wenn Du vertrieben worden bist aus Deinem Haus.
Ich verspreche Dir,
dass ich Dich verbinden und pflegen werde, wenn Du dich im Gestrüpp dieser Welt verletzt hast.
Ich verspreche Dir,
als guter Hirte für Dich zu sorgen, wie es recht ist.
Ich verspreche Dir,
Licht zu senden, wenn Du durch finstere Schlucht gehst und Dir Unheil droht.
Ich verspreche Dir,
vor Dir den Tisch reichlich zu decken, wenn Dich Feinde umgeben.
Ich verspreche Dir,
über Dein Haupt Öl der Freude und der Geborgenheit zu gießen.
Ich verspreche Dir,
dass Du in meinem Haus wohnen darfst für immer.
Ich verspreche Dir,
Meine Liebe in Dein Herz auszugießen durch den Heiligen Geist, den ich Dir jetzt schenke.
Ich verspreche Dir,
Dir all Deine Sünden zu vergeben und Dir ein reines Herz zu schenken.
Ich verspreche Dir,
mein Herz Dir zu öffnen und Dich zu umarmen mit meiner Güte.
Ich verspreche Dir,
Dich vor dem Ewigen Gericht freizusprechen angesichts all Deiner Ankläger, die gegen Dich auftreten.
Ich verspreche Dir,
Dir mein Herzblut zu schenken, damit Dein Herz Meinem Herzen ganz ähnlich wird.
Ich verspreche Dir nicht,
Dir all Deine Lasten abzunehmen,
sondern Dich zu tragen mit all Deiner Last.
Ich verspreche Dir,
all Deine Tränen in einem Krug zu sammeln, damit sie im Strom des Ewigen Lebens leuchten wie die Sterne am Himmel.
Ich verspreche Dir,
alle Deine Schmerzen zu sammeln in der Wunde meines Herzens, damit sie wachsen in meinem himmlischen Garten.
Höre, meine Tochter, mein Sohn!
Ich gebe Dir das Wasser aus dem Herzen Meines Sohnes!
Ich schenke Dir das Blut aus dem Herzen Meines Vielgeliebten!
Komm und trinke aus der Quelle Ewigen Lebens!
***
Ich bin da
Im Dunkel deiner Vergangenheit,
in der Enttäuschung deines Lebens,
in den Wunden deiner Kämpfe,
im Schmerz deines Versagens
- Bin Ich Da.
In den Schatten deiner Angst,
in den Grenzen deiner Begabung,
in der Ungewissheit deiner Zukunft
- Bin Ich Da.
In die Weite deiner Hoffnungen,
in die Tiefe deines Herzens,
in die Sehnsucht deiner Liebe,
in die Schwachheit deines Betens
lege ich meine Zusage:
Ich Bin Da!
Im Dunkel deiner Vergangenheit,
in der Enttäuschung deines Lebens,
in den Wunden deiner Kämpfe,
im Schmerz deines Versagens
- Bin Ich Da.
In den Schatten deiner Angst,
in den Grenzen deiner Begabung,
in der Ungewissheit deiner Zukunft
- Bin Ich Da.
In die Weite deiner Hoffnungen,
in die Tiefe deines Herzens,
in die Sehnsucht deiner Liebe,
in die Schwachheit deines Betens
lege ich meine Zusage:
Ich Bin Da!