Wir in Gott – Gott in uns
Wir aus Gott geboren – Christus in uns geboren
Mit diesen Worten können wir das Herzstück des christlichen Glaubens beschreiben. Jesus Christus, der Erlöser des Menschen, hat uns den Weg geebnet: Wir als Geschöpfe Gottes können in Gott sein und Gott kann in uns sein. Durch die Gnade Gottes werden wir aus Gott geboren. Der Hl. Geist bewirkt, dass Christus in uns geboren wird.
Dieses Geheimnis ist so groß, dass eigentlich menschliche Worte versagen. Und doch möchte ich im Folgenden versuchen, dieses Geheimnis zu umkreisen. Gottes Geist selbst möge uns schenken, dass wir eine Ahnung davon erhalten.
Gott als der Schöpfer und wir Mensch als Seine Geschöpfe
Dies ist eine einfache Grundwahrheit, und doch ist sie sehr tief. Je tiefer wir uns nämlich bewusst werden, dass wir Geschöpfe sind, von Gott erschaffen, desto näher rühren wir an das Geheimnis der Liebe. Denn Gott selbst ist ja die Liebe: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. (1 Joh 4,16b)
Gott, der ohne Anfang und Ende ist, der ewig ist, bringt ‚sprechend‘ aus Liebe die Schöpfung hervor: Gott sprach … und es wurde … (Gen 1,3ff.) Gott erschafft durch SEIN WORT. Das Geheimnis des Dreifaltigen Gottes, wie es uns Jesus Christus selbst offenbart hat, besagt: Der Vater erschafft durch Sein Wort (gr. logos), und dieses Wort ist der Sohn Gottes, der Sohn des Vaters selbst.
So kann der Hl. Paulus über Jesus Christus formulieren: Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. (Kol 1,16) Alles also, Sichtbares wie Unsichtbares, ist nicht durch etwas, sondern durch jemanden, Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes. Die ganze Schöpfung ist also Werk des dreieinigen Gottes. Der Hl. Geist ist darin der ‚Schöpfergeist‘: Der Geist Gottes schwebte über den Wassern. (Gen 1,2)
Was für die ganze Schöpfung gilt, gilt in besonderer Weise für den Menschen: Nun sprach Gott: Lasst uns den Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. (Gen 1,26) Als Gott den Menschen erschaffen hatte, heißt es: Und es geschah so. Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (Gen 1,31) Zusammenfassend heißt es: Dies ist das Buch der Nachkommen Adams: Als Gott den Menschen schuf, machte er ihn Gott ähnlich. Als Mann und Frau schuf er sie, segnete sie und gab ihnen am Tag, als er sie schuf, den Namen Mensch [adam]. (Gen 5,1f.)
Der Ursprung des Menschen, der Ursprung von Dir und mir, ist Gott, der Dreieine selbst. Und weil Gott Liebe ist, ist unser Ursprung allein die Liebe, weshalb Johannes in seinem Brief sagen kann: Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. (s.o.)
Geschöpf Gottes zu sein bedeutet: von Gott geschaffen sein. Gott ist der Schöpfer, der Mensch ist sein Geschöpf. Gott ist der Schöpfer bedeutet: Er ist der ursprungslose Ursprung von allem; Gott ist aus sich und nicht aus einem anderen. Geschöpf sein heißt: das eigene Dasein von einem anderen empfangen, nicht aus sich sein, sondern aus Gott. Geschöpf sein heißt: seinen Ursprung nicht in sich, sondern in einem anderen haben, nämlich in Gott, dem Schöpfer.
Die Menschwerdung des Gottessohnes in Jesus Christus
Die Menschwerdung des Gottessohnes kann nur auf diesem Hintergrund recht verstanden werden: Durch IHN und auf IHN hin ist alles. Die volle Wahrheit Seines Kommens in diese Welt können wir aber nur ermessen, wenn wir eine andere Wirklichkeit beachten, nämlich das, was der ‚Sündenfall‘ genannt wird und was im Bild der ‚Schlange‘ beschrieben wird: Nun sprach Gott, der HERR (JHWH) zur Schlange: Weil du das getan hast, verflucht seist du unter allem Vieh und unter allen Tieren des Feldes. Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Feindschaft will ich setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Spross und ihrem Spross. Er wird dir den Kopf zermalmen und du wirst ihn an der Ferse treffen. (Gen 3,14ff.) Die Folgen dieses ‚Sündenfalles‘ für den Menschen sind: Beschwerden bei der Schwangerschaft, Herrschaft übereinander, Mühsal der Arbeit und der Tod: Denn Staub bist du, und zum Staub musst du zurückkehren. (Gen 3,19) Der Mensch verliert die beglückende und seligmachende Gemeinschaft mit seinem Schöpfer: Darum entfernte Gott, der HERR, den Menschen aus dem Garten Eden … Und nachdem er den Menschen vertrieben hatte, stellte er … die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachen. (Gen 3,24)
Der ‚Weg zum Baum des Lebens‘ ist dem Menschen, ist uns genommen.
Und genau an diesem Punkt setzt Jesus an in seiner Verkündigung. Nennt er sich doch ‚der Weg, die Wahrheit und das Leben‘: Niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Joh 4,6) ER schenkt uns die Frucht vom Baum des Lebens: Ich bin das Brot des Lebens. … Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich hingebe für das Leben der Welt. (Joh 6,48ff.)
Damit dies geschehen kann, wird der ewige Sohn des Vaters, gleichewig wie der Vater und der Hl. Geist, Mensch in der Jungfrau Maria. Dies verkündet der Evangelist Johannes im Prolog seines Evangeliums: Im Anfang war das Wort (gr. logos), und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Es war im Anfang bei Gott. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. (Joh 1,1ff.)
Der Evangelist Lukas überliefert uns die genaueren Umstände dieser Menschwerdung des Gottessohnes (Inkarnation = Fleischwerdung). Der Engel Gabriel verkündet Maria: Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben. … Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. (Lk 1,31ff.) Dies benennt das Glaubensbekenntnis mit den Worten: Ich glaube an … Jesus Christus, seinen ein(zig)geborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Hl. Geist, geboren von der Jungfrau Maria.
Der Mensch gewordene Sohn Gottes ist nun derjenige, der den Weg ins Paradies wieder öffnet, indem Er den Sühnetod am Kreuz stirbt (Karfreitag), von den Toten aufersteht am dritten Tag (Ostern), in den Himmel als Mensch und Gott in die Herrlichkeit des Vaters eingeht (Christi Himmelfahrt) und den Hl. Geist zum Pfingstfest allen, die glauben, schenkt.
Dieses Erlösungsgeschehen darf aber nicht nur als etwas Äußeres verstanden werden, sondern hat tiefgreifende Auswirkungen auf den Zustand der ganzen Schöpfung sowie auf unser persönliches Leben. Diejenigen, die glauben, werden zu ‚Söhnen Gottes‘ (wieder)geboren.
Durch den Glauben werden wir ‚Söhne Gottes‘
Dem Menschen also, der durch den Glauben vom Hl. Geist erneuert wird, widerfährt etwas sehr Geheimnisvolles. Diejenigen, die uns darüber Tiefgehendes mitgeteilt haben, sind der Evangelist Johannes und der Völkerapostel Paulus.
Paulus schreibt: Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Ihr habt doch nicht einen Sklavengeist empfangen, dass ihr euch wieder fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, dann auch Erben, Erben Gottes, Miterben Christi, wenn wir mitleiden, um auch mitverherrlicht zu werden. (Röm 8,14) Und weiter: Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. (v.19)Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. (Gal 3,26) Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater. Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott. (Gal 4,6f.)
Gott Vater schenkt uns also durch den Hl. Geist den ‚Geist der Sohnschaft‘. Dies ist keine geschlechtsspezifische Eigenschaft, sondern betrifft Frau wie Mann. Die Quelle dieser ‚Sohnschaft‘ ist der Sohn Gottes selbst. Die Gläubigen werden ‚Miterben Christi‘, sie werden ‚Söhne im Sohn‘, Söhne im Sohn Gottes. Dies ist ein Werk des Hl. Geistes. Dieses Werk geschieht in der Berührung unseres Geistes: Gottes Geist ‚bezeugt‘ dies unserem Geist; Gottes Geist verwandelt unseren Geist, erfüllt ihn mit dem Geist der Sohnschaft des Sohnes. Es geschieht durch die ‚Eingießung‘ des Hl. Geistes. Der so verwandelte Mensch kann Gott seinen Vater nennen, denn er ist ja ein ‚Sohn Gottes‘ geworden. Eine gebräuchliche Formulierung in diesem Zusammenhang ist: Wir werden Adoptiv-Söhne in dem einen Sohn Gottes.
Wir werden aus Gott geboren
Im Anschluss an diese Überlegungen kann man sich fragen, was denn in uns geschieht, wenn wir solcherart Söhne Gottes werden. Darauf geht der Evangelist Johannes näher ein.
In Prolog seines Evangeliums finden wir die Bemerkung: Er kam in sein Eigentum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, denen die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. (Joh 1,11ff.)
Aus Gott geboren sein (gr. ἐκ θεοῦ ἐγεννήθησαν). –Hier hören wir also die geheimnisvolle und gewaltige Botschaft: Wir sind aus Gott Geborene, aus Gott Gezeugte.[1]
Sowohl im Evangelium nach Johannes wie auch in den Briefen des Johannes finden wir die ersten Hinweise darauf. Im Prolog finden wir die Worte: die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. (Joh 1,13) Im griechischen Original: ἐκ θεοῦ ἐγεννήθησαν . Im Gespräch mit Nikodemus erwähnt Jesus: Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. (Joh 3,6) (τὸ γεγεννημένον ἐκ τοῦ πνεύματος). Und im ersten Brief lesen wir: Wir wissen: Wer von Gott stammt, sündigt nicht, sondern der von Gott Gezeugte bewahrt ihn und der Böse tastet ihn nicht an. (1 Joh 5,18; ὁ γεννηθεὶς ἐκ τοῦ θεοῦ). Dieses Aus-Gott-geboren-Sein hat nach Paulus die Wirkung, dass wir alle Einer im Sohn sind: denn ihr alle seid »einer« in Christus Jesus (πάντες γὰρ ὑμεῖς εἷς ἐστε ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ; Gal 3,28).
Der Einzig-geborene des Vaters ist Jesus als der Sohn Gottes (lat. uni-genitus). Er ist durch den Hl. Geist in der Virgo-Mater (Maria als Jungfrau und Mutter zugleich) der Erst-geborene in vielen Brüdern (Röm 8,29; primo-genitus). Seiner göttlichen Natur nach ist Jesus der Einzig-geborene des Vaters, aus Gott geboren vor aller Zeit, und so auch der einzige. In diesem Sinne gibt es nur einen Sohn Gottes, und nicht viele. So ist uns das Geheimnis der Dreifaltigkeit durch die Worte Jesu offenbart. Seiner menschlichen Natur nach ist Jesus aber der Erst-geborene unter vielen Brüdern, nämlich allen Getauften. Jesus ist unter uns der Erst-geborene, und wir sind in dem einzigen Sohn des Vaters durch den Hl. Geist aus Gott geboren, also seine Söhne (und Töchter; Sohnsein ist hier nicht als geschlechtliche Aussage zu verstehen). [im Griechischen: Röm 8,29: πρωτότοκον ἐν πολλοῖς ἀδελφοῖς; Kol 1,15: ὅς ἐστιν εἰκὼν τοῦ θεοῦ τοῦ ἀοράτου, πρωτότοκος πάσης κτίσεως]
Im Brief an die Galater führt Paulus dieses Geheimnis weiter aus (4,4-6): Denn „als die Zeit erfüllt war sandte Gottseinen Sohn, geboren von einer Frau, dem Gesetz untertan, damit er die unter dem Gesetz freikaufe (loskaufe), damit wir die Sohnschaft empfangen (wiedererlangen). Weil ihr aber Söhne seid hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der ruft: ‚Abba, Vater‘“. Dieses Geheimnis tritt ein „als die Zeit erfüllt war“ (die Fülle der Zeit gekommen war: ἦλθεν). Aus dem absoluten Geheimnis der trinitarischen Liebe heraus sendet Gott seinen Sohn aus: Der Sohn tritt heraus aus dem Dreifaltigen Leben in unsere Welt, ohne aber diese Gemeinschaft des Dreifaltigen zu verlassen. Er tut dies im Liebes-Gehorsam als der im Hl. Geist Gezeugte, ganz und gar freiwillig, ohne Zwang und Nötigung. Der Vater sendet also „seinen Sohn, geboren von einer Frau, dem Gesetz untertan“ (unterstellt), „damit er die unter dem Gesetz freikaufe (loskaufe), damit wir die Sohnschaft (υἱοθεσία: die Annahme an Sohnes statt) empfangen (wiedererlangen).“ Wir also, die Erlösten, empfangen die ‚Sohnschaft‘, die uns aus Gott geboren sein lässt. Paulus weiter: „Weil ihr aber Söhne seid (ἐστε υἱοί) hat Gott den Geist seines Sohnes“ (seines Einzig-geborenen) „in unsere Herzen gesandt, der ruft (schreit: κρᾶζον): ‚Abba, Vater‘“ (Gal 4,4-6)
Wir Menschen, wir Geschöpfe, gehören zur Schöpfung, und diese Schöpfung ist das geschaffene Sein als Liebe. Gott ist das ungeschaffene Sein als Liebe. Die Schöpfung war in ihrem Urzustand Abbild des Seins als Liebe, doch durch den Sündenfall hat sie die Ähnlichkeit mit Gott, der die Liebe ist, verloren. Der Gottmensch Jesus Christus hat durch sein Opfer die Erlösung gebracht, so dass die Ähnlichkeit wiederhergestellt wurde.
Besonders aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang der sogenannte Kolosser-Hymnus (Kol 1,12-20). Hierin ist das ganze Geheimnis Jesu als des Christus’ zusammengefasst.
12 Dankt dem Vater mit Freude!
Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen im Licht.
13 Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und
in das Reich seines geliebten Sohnes versetzt.
14 In ihm haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.
15 Er ist das Bild [εἰκὼν τοῦ θεοῦ τοῦ ἀοράτου] des unsichtbaren Gottes,
der Erstgeborene der ganzen Schöpfung [πρωτότοκος πάσης κτίσεως].
16 Denn in ihm wurde alles erschaffen
im Himmel und auf Erden,
das Sichtbare und das Unsichtbare,
Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten;
alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.
17 Er ist vor allem,
in ihm hat alles Bestand.
18 Er ist das Haupt des Leibes, der Kirche.
Er ist der Ursprung [ἀρχή],
der Erstgeborene aus den Toten [πρωτότοκος ἐκ τῶν νεκρῶν ];
so hat er in allem den Vorrang.
19 Denn es gefiel der ganzen Fülle, in ihm Wohnung zu nehmen [πᾶν τὸ πλήρωμα ]
20 und durch ihn und auf ihn hin alles mit sich [in sich hinein] zu versöhnen
[ διʼ αὐτοῦ ἀποκαταλλάξαι τὰ πάντα εἰςαὐτόν],
indem er Frieden stiftete durch sein Blut am Kreuz,
sei es auf der Erde oder im Himmel.
Jesus Christus ist als der Ewige Sohn des Vaters vor aller Schöpfung; Er ist der Ursprung von allem. Durch ihn und auf ihn hin hat Gott alles geschaffen. Er, der Sohn Gottes, ist das Bild, die Ikone des unsichtbaren Gottes. Der Mensch, Gottes Geschöpf, ist nach / gemäß diesem Bild, das der Sohn des Vaters ist, erschaffen, in vollkommener Ähnlichkeit. Durch die Überschattung des Hl. Geistes ist der Sohn des Vaters der vollkommene Mensch geworden in Maria, der Jungfrau, in vollkommener Ähnlichkeit. In Ihm, dem Gottmenschen, wohnt die ganze Fülle Gottes. So ist Er der Erstgeborene der ganzen Schöpfung; er hat den geschaffenen Menschen, Adam, in seiner ursprünglichen Vollkommenheit, in Seine Ewige Geburt als Sohn des Vaters aufgenommen. Durch seine vollkommene Hingabe, das vollkommenes Opfer seiner selbst, hat der den Menschen aus der Un-Ähnlichkeit befreit. So ist er der Erstgeborene der Toten durch Seine Auferstehung. So fasst er den Menschen in sich zusammen, in der Kirche, die Sein Leib ist, wovon Er das Haupt ist.
Wir ahnen, wie tief dieses Geheimnis ist, dass wir durch den Hl. Geist aus Gott Geborene sind.
Der Dreifaltige Gott wird unsere Wohnung: Wir in Gott
Das eine alles umfassende Grundgebet des Christen ist: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Es hat seinen Ursprung in der Verheißung Jesu, die er Seinen Jüngern kurz vor Seiner Himmelfahrt gibt: Mir ist alle Vollmacht(gr. exusia) gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht und macht alle Völker zu Jüngern und tauft sie auf (wörtlich: hinein in) den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! (Mt 28,18f.) So wird bis heute in der Kirche getauft: In den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Getauft wird in den einen Namen des einzigen und einen Gottes. Gott ist einer und einzig. Gott ist einzig in Seinem Wesen, aber in drei Personen: Vater – Sohn – Geist. Der Täufling wird in den Dreifaltigen Gott ‚hinein‘ getauft: Der Dreieinige Gott ist sein neues ‚Zuhause‘. Im Dreieinigen Gott darf der Christ nun leben. Gott hat ihn in seine dreifaltige Gemeinschaft aufgenommen. Dies geschieht dadurch, dass wir durch den Hl. Geist aus Gott geboren werden. (s.o.)
Dies ist nicht nur eine theoretische Wahrheit, sondern darf von uns lebensmäßig vollzogen werden. Gott ist für Getaufte die ‚neue Welt‘, ein wirkliches Zuhause. Er darf den Hl. Geist atmen. Das Blut Christi fließt in seinen Adern. Das Brot des Lebens, Jesus Christus, ist seine Speise.
Gott ist der Ewige Tempel für die ganze Schöpfung: Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm. (Offb 21,22)
Wir werden eine Wohnung Gottes, des Dreifaltigen
Aber auch die andere Seite ist wahr: Nicht nur wird Gott, der Dreieine, für uns Getaufte die neue Wohnung unseres Lebens. Wir selbst werden Wohnung Gottes.
Der Hl. Paulus ruft uns zu (1 Kor. 3,16f.): Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr. Oder (1 Kor, 6,19): Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst.
Christus in uns geboren
So manchem von uns ist das Wort von Angelus Silesius aus dem CHERUBINISCHEN WANDERSMANN bekannt, dass in der Weihnachtszeit immer wieder zitiert wird:
In dir muss Gott geboren werden (I 61)
Wird Christus tausendmal zu Betlehem geboren
Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.
Christus in uns geboren! Diese Wahrheit ist tief in der christlichen Botschaft verankert.
Der Einzig-geborene des Vaters ist Jesus als der Sohn Gottes (lat. uni-genitus). Er ist durch den Hl. Geist in der Virgo-Mater (Maria als Jungfrau und Mutter zugleich) der Erst-geborene in vielen Brüdern (Röm 8,29; primo-genitus). Seiner göttlichen Natur nach ist Jesus der Einzig-geborene des Vaters, aus Gott geboren vor aller Zeit, und so auch der einzige. In diesem Sinne gibt es nur einen Sohn Gottes, und nicht viele. So ist uns das Geheimnis der Dreifaltigkeit offenbart. Seiner menschlichen Natur nach ist Jesus aber der Erst-geborene unter vielen Brüdern, nämlich allen Getauften. Jesus ist unter uns der Erst-geborene, und wir sind in dem einzigen Sohn des Vaters durch den Hl. Geist aus Gott geboren, also seine Söhne (und Töchter; Sohnsein ist hier nicht als geschlechtliche Aussage zu verstehen). [im Griechischen: Röm 8,29: πρωτότοκον ἐν πολλοῖς ἀδελφοῖς; Kol 1,15: ὅς ἐστιν εἰκὼν τοῦ θεοῦ τοῦ ἀοράτου, πρωτότοκος πάσης κτίσεως]
Wir in Gott und Gott in uns
Hier schießt sich der Kreis. Das Geheimnis der Taufe erschießt uns das Leben des Dreifaltigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes. Die Gnade, das Geschenk Gottes an den Menschen, eröffnet in uns eine neue Art des Lebens: Wir leben im dreifaltigen Leben Gottes und der dreifaltige Gott wohnt und lebt in uns.
Vor diesem Geheimnis versagen die Worte. Nur die Anbetung kann uns teilhaben lassen an diesem großen Geheimnis.
Hier bleibt nur einzustimmen in das, was das bekannte Weihnachtslied so ausdrückt: Kommt, lasset uns anbeten, kommt, lasset uns anbeten, kommt, lasset uns anbeten den König, den Herrn. (GL neu 241)
[1] Aus Gott geboren sein: In seinem Werk GABE UND VERGEBUNG geht Ferdinand Ulrich auf dieses Geheimnis ein (S. 215, Anm. 86). Seine Hinweise können uns helfen uns darein zu vertiefen.