Aus Gott geboren – Gott gebären
Aus: Angelus Silesius, Der Cherubinische Wandersmann
I 23
Die geistliche Maria
Ich muss Maria sein und Gott aus mir gebären,
Soll er mich ewiglich der Seligkeit gewähren.
I 50
Der Thron Gottes
Fragst du, mein Christ, wo Gott gesetzt hat seinen Thron?
Da, wo er dich in dir gebieret, seinen Sohn.
I 61
In dir muß Gott geboren werden
Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.
I 65
Armut ist göttlich
Gott ist das ärmste Ding, er steht ganz bloß und frei:
Drum sag ich recht und wohl, daß Armut göttlich sei.
I 201
Warum wird Gott geboren?
O Unbegreiflichkeit! Gott hat sich selbst verlorn,
Drum will er wiederum in mir sein neugeborn.
II 103
Die geistliche Geburt
Berührt dich Gottes Geist mit seiner Wesenheit,
So wird in dir geborn das Kind der Ewigkeit.
II 104
Die geistliche Schwängerung
Ist deine Seele Magd und wie Maria rein,
So muß sie augenblicks von Gotte schwanger sein.
II 112
Aus und ein, Gebärnen und Geborensein
Wenn du in Wahrheit kannst aus Gott geboren sein
Und wieder Gott gebärn, so gehst du aus und ein.
III 8
Die selige Nachtstille
Merk, in der stillen Nacht wird gott, ein Kind, geborn
und wiederum ersetzt, was Adam hat verlorn.
Ist diene Seele still und dem Geschöpfe Nacht,
So wird Gott in dir Mensch und alles wiederbracht.
III 16
Er mir, ich ihm
Wißt, Got wird mir ein Kind, liegt in der Jungfrau Schoß,
Daß ich ihm werde Gott und wachs ihm gleich und groß.
III 20
Gott-Mensch
Ja denkt doch, Gott wird ich und kommt ins Elend her,
Auf daß ich komm ins Reich und möge werden er.
III 163
Die geheime Wiedergeburt
Aus Gott wird man geborn, in Christo stirbet man
Und in dem heilgen Geist fäht man zu leben an.
III 188
Fürwahr das ewge Wort wird heute noch geborn,
Wo da? Da wo du dich in dir hast selbst verlorn.
III 238
Ach Freude! Gott wird Mensch und iist auch schon geboren!
Wo da? In mir; er hat zur Mutter mich erkoren.
Wie gehet es denn zu? Maria ist die Seel,
Das Krippelein mein Herz, der Leib, der ist die Höhl.
Die neu Gerechtigkeit sind Windeln und sind Binden,
Der Joseph Gottes Furcht, die Kräfte des Gemüts
Sind Engel, die sich freun, die Klarheit ist ihr Blitz,
Die keuschen Sinnen sind die Hirten, die ihn finden.
III 248
Die Perlengeburt
Die Perle wird vom Tau in einer Muschelhöhle
Gezeuget und geborn und dies ist bald beweist,
Wo dus nicht glauben willst: der Tau ist Gottes Geist,
Die Perle Jesus Christ, die Muschel meine Seele.
IV 42
Maria
Maria wird genannt ein Thron und Gotts Gezelt,
Ein Arche, Burg, Turm, Haus, ein Brunn, Baum, Garten, Spiegel,
Ein Meer, ein Stern, der Mond, die Morgenröte, ein Hügel.
Wie kann sie alles sein? Sie ist ein andre Welt.
V 249
Die dreyerley Geburt
Maria die gebiehrt den Sohn Gotts äusserlich
Ich inner mir im Geist
Gott Vatter ewiglich.
V 250
Die geistliche und Ewge geburt sind eines
Die geistliche Geburt
die sich in mir eräugt
Ist eins mit der durch die den Sohn Gott Vatter zeugt.
V 251
Die Geburt Gottes wehret jmmer
Gott zeuget seinen Sohn
und weil es ausser Zeit
So wehret die Geburt auch biß in Ewigkeit.
V 252
Der Sohn Gottes wird in dir geboren
Mensch schikstu dich darzu
so zeugt Gott seinen Sohn
All‘ Augenblik in dir
gleich wie in seinem Thron.