Dein Wille geschehe
Wie steht es um das Verhältnis von Gottes Willen, der geschehen soll wie im Himmel so auf Erden – wie wir im Vaterunser beten – und unserem menschlichen Willen?
Wir finden dazu einige interessante Hinweise im KKK im Abschnitt über das Vaterunser.
KKK 2824: Der Wille des Vaters wurde in Christus durch seinen menschlichen Willen ein für allemal vollkommen erfüllt. ... Nur Jesus kann von sich sagen, dass er „immer das tue, was dem Vater gefällt“ (Joh 8,29). ...
Da Jesus der Gottmensch ist, kennt er in sich den göttlichen und den menschlichen Willen. Wie nun dürfen wir uns dieses Miteinander von göttlichem und menschlichem Willen in Ihm vorstellen? Wie hat Jesus gelernt, seinen menschlichen Willen mit seinem göttlichen Willen ganz in Übereinstimmung zu bringen?
KKK 2825: Jesus hat „obwohl er der Sohn war ... durch Leiden den Gehorsam gelernt“ (Hebr 5,8).
Das ist das Maß Seiner Heiligkeit: Jesus hat es vermocht, durch die Macht seines Willens seine ganze Existenz dem Willen des Vaters zu unterwerfen. Dies hat er „durch Leiden“ gelernt: Gehorsam heißt, ganz den Willen auf den Vater auszurichten, durch die Kraft des Willens alle Vollzüge seiner Seele auf den Vater auszurichten. Sein Wille war so stark, dass er seine ganze Existenz den Vater zur Verfügung stellen konnte. Sein Wille hat sein Leben ganz in Übereinstimmung mit dem Leben des Vaters gebracht, in seiner menschlichen Gestalt.
Indem uns Jesus einlädt, darum zu bitten, dass der Wille des Vaters geschehe, führt er uns auf den Weg, unseren Willen zu dieser Reife zu bringen.
KKK 2825: Jesus hat „obwohl er der Sohn war ... durch Leiden den Gehorsam gelernt“. Wieviel mehr gilt das für uns Geschöpfe und Sünder, die in Jesus an Kindes Statt angenommen wurden! ... Aus uns selbst sind wir dazu völlig unfähig, aber mit Jesus vereint und mit der Kraft seines Heiligen Geistes können wir dem Vater unseren Willen übergeben und uns zu dem entschließen, wozu sich der Sohn stets entschieden hat: Das zu tun, was dem Vater gefällt.
Hier werden die Schritte hin zu einer völligen Erfüllung des Willens des Vaters gewiesen:
Zunächst ist da die notwendige Selbsterkenntnis, dass dies aus eigener Kraft nicht möglich ist. Wir sind „dazu völlig unfähig“.
Der Weg dazu ist die Vereinigung mit Jesus. Sodann die Kraft des Heiligen Geistes ist nötig. Durch die Vereinigung mit Jesus und die Kraft des Heiligen Geistes können wir unseren eigenen Willen dem Vater übergeben. Sodann folgt der Entschluss, es dem Sohn gleich zu machen: Das tun, was dem Vater gefällt.
Dies ist also der Weg:
A) Vereinigung mit Jesus
B) Bitte um Kraft des Heiligen Geistes
C) Den eigenen Willen dem Vater übergeben
D) Entschluss, es dem Sohn gleich zu machen
E) Ziel: Das tun, was dem Vater gefällt.
Origenes behauptet, dass „wir mit ihm ein einziger Geist“ werden können (KKK 2825).
Und der Hl. Chrysostomus erinnert: "Seht, wie Jesus Christus uns Demut lehrte, indem er uns zu verstehen gab, dass die Tugend nicht nur ein Werk unseres Eifers ist, sondern auch der Gnade Gottes.“ (Ebd.)
Es geht also um das Miteinander, die Synergie von unserem Eifer und der Gnade Gottes.
In KKK 2826 werden weitere Elemente erwähnt:
Durch das Gebet erkennen wir, was der Wille Gottes ist. Sodann brauchen wir die Ausdauer, um ihn zu erfüllen.