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Jesus: Mensch? Gott?

 

Dass es Jesus als Menschen in unserer Welt gab und dass Er ein besonderer Mensch war, ist allgemein anerkannt. Aber wer Er nun wirklich ist, darüber gehen die Meinungen ja zum Teil weit auseinander. Wer Er aus christlicher Sicht ist, darum soll es kurz und bündig in den folgenden Zeilen gehen.

Wer ist Jesus?

Für wen halten die Menschen Jesus und für wen gibt Jesus sich aus? – Das sind zweierlei Fragen.

Für wen die Menschen ihn zu seinen Lebzeiten gehalten haben? Die Bandbreite der Meinungen ist groß. Er wird in außerbiblischen Zeugnissen genannt und selbst in den Evangelien werden uns verschiedene Hinweise gegeben.

Bei einer Gelegenheit fragt Jesus seine Jünger: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ (Jesus nennt sich selber immer wieder ‚Menschensohn‘.) Und dann äußern sie sich: „Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, andere wieder für Jeremia oder sonst einen der Propheten.“ (Mt 16,13ff.) Die Zeitgenossen Jesu in seinem jüdischen Volk halten also verschiedenes für möglich. Die Menschen seiner Tage halten für möglich, dass einer der großen Propheten in ihm auferstanden ist. Sie reihen ihn also in die Tradition der großen Propheten ein. Andere meinen, er sei mit dem Anführer der Dämonen im Bunde. Wieder andere halten ihn für einen Volksverführer.

Jesus wendet sich dann an die Jünger und fragt sie direkt: „Für wen haltet ihr mich?“ Und Petrus gibt stellvertretend für alle Apostel die Antwort: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Mt 16,16) Jesus erwähnt dann noch, wie Petrus dies überhaupt wissen kann: „Nicht Fleisch und Blut haben dir dies offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“

Was aber heißt dies?

Offenbarung des Vaters

Jesus sagt mit diesem Wort über Petrus: Es gibt die verschiedenen Meinungen, die Menschen über ihn haben können. Die einen treffen zu, die anderen weniger.

Es gibt aber auch das Phänomen, dass einem Menschen das Wesen von Jesus ‚offenbart‘ wird, was so viel meint wie: Gott selbst zeigt dem Menschen, wer Jesus ist; Er erschließt ihm durch den Hl. Geist zu erkennen, wer er ist. Gott kann also einem Menschen das innere Wesen von Jesus zu erkennen geben, so dass er wissen kann, was er aus sich heraus nicht wissen kann. Dies nennt man ‚Offenbarung‘: Gott legt im Herzen des Menschen offen, wer Er selbst ist, Er, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, die Heilige Dreifaltigkeit.

Mit anderen Worten: Wir müssen darum bitten, dass Gott uns zeigt, wer Er selbst ist. Und nach dem Versprechen von Jesus zeigt Er sich uns dann auch in Seinem innersten Wesen. Propheten nennt man solche Menschen, denen etwas vom Innersten Gottes gezeigt wird und die es dann anderen Menschen verkünden können.

Jesus: der Messias

Durch die Geschichte des Volkes Israel hindurch gibt es immer wieder Propheten, die einen ‚Messias‘ verheißen. Messias ist hebräisch und heißt ins Griechische übersetzt ‚Christos‘, zu Deutsch: der Gesalbte. Gemeint ist ein Mensch, der in ganz besonderer Weise mit dem Geist Gottes ‚besiegelt‘, ‚gesalbt‘ ist, in dem Gott Wohnung genommen hat und dem eine besondere Nähe zu Gott eigen ist. Es ist verheißen, dass dieser Messias den Menschen und der ganzen Welt ‚Erlösung‘ bringen werde, besonders den heiß ersehnten Frieden und die Befreiung vor allem vom Tod.

Bis heute warten gläubige Juden auf das Kommen dieses Messias; die Christen glauben, dass in Jesus dieser Messias gekommen ist, weshalb sie ihn ‚Jesus Christus‘ nennen. Durch sein Leben unter uns Menschen, durch sein Leiden, sein Sterben am Kreuz und seine leibhaftige Auferstehung hat Er ein neues Reich, das Himmelreich gebracht, das zwar wirklich gegenwärtig, allerdings noch verborgen ist. Den ‚Armen im Geiste‘ gehört dieses Himmelreich. (Mt 5,3)

Jesus: der Sohn des lebendigen Gottes

Das Bekenntnis des Petrus, des ersten unter den zwölf Aposteln, sagt aber noch etwas anderes. Vom Hl. Geist ist ihm – wie Jesus ihm bestätigt – etwas anderes gezeigt worden: Jesus ist der Sohn des lebendigen Gottes.

Hier rühren wir an das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit, das Kernstück des christlichen Glaubens. Gott ist einer, ein einziger Gott in seinem Wesen, jedoch in drei Personen: Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit nennen wir dieses Geheimnis. Gott ist Vater – Sohn – Hl. Geist, ein Gott, drei Personen. Christen glauben an den einen Gott in drei Personen. Theologisch nennt man dies im strengen Sinne ein Geheimnis: Jesus hat es uns selbst offenbart, nur durch ihn wissen wir es. Unser Verstand reicht nicht aus, um es erschöpfend zu begreifen. Doch legt der Hl. Geist uns dieses Geheimnis ins Herz, so dass wir daraus leben können. Ja noch schöner: Gott, der Dreifaltige, nimmt uns durch die Taufe in sich hinein; wir dürfen in ihm leben. Wir sind als Christen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.

Die christliche Offenbarung besagt nun weiter: In der Person des Sohnes Gottes ist Gott Mensch geworden. Jesus ist dieser Sohn des lebendigen Gottes, der Mensch geworden ist.

Jesus: Gott und Mensch zugleich

Somit gilt beides: Jesus ist Mensch wie wir alle, geboren von der Jungfrau Maria. Doch sein Menschsein hat etwas Besonderes: Er ist als Mensch nicht von einem Mann gezeugt, nicht von Josef, dem Bräutigam der Gottesmutter Maria, gezeugt worden, sondern vom Heiligen Geist empfangen, wie das Glaubensbekenntnis zusammenfasst. Daraus resultiert der Glaube, dass Jesus ohne Sünde ist.

Zugleich ist Jesus der Sohn des lebendigen Gottes, der Sohn Gottes, also Gott und Mensch zugleich, der Gottmensch Jesus Christus. Weil nur Gott den Menschen aus Sünde, Not und Tod endgültig befreien kann, ist Jesus als der Sohn Gottes der Messias, der Erlöser des Menschengeschlechtes.

Nur so also ist für Christen erklärbar, dass Jesus tun konnte, was er tat, wie es von den Evangelien überliefert ist: Er heilte Kranke, er weckte Tote auf, der befreite von Sünden.

Vor allem letzteres ist eine Vollmacht allein Gottes: Nach Überzeugung des jüdischen Volkes kann nur Gott Sünden vergeben.

„Ich und der Vater sein eins“

 Die Aussagen Jesu über sich selbst gipfeln in Worten wie:

Ich und der Vater sind eins.

Ich bin die Auferstehung und das Leben.

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Solche Aussagen sind nur verständlich im Lichte dieses Geheimnisses, dass Jesus der Mensch gewordene Sohn Gottes ist.

Deshalb beten die Christen Jesus Christus an als Gott und bekennen im Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen … und an Jesus Christus, seinen ein(zig)geborenen Sohn, unseren Herrn … und an den Heiligen Geist.

 

 

Pfr. R. Gabriel M. Maiwald, Juli 2018