KAMPF DES GEISTLICHEN LEBENS
nach dem Sel. Marie-Eugen Grialou, Ich will Gott schauen, Kap. I, 7: Der Satan
Die Hl. Teresa über den Satan: Er ist wie eine lautlose Feile. Er wirkt meist im Finstern. Es geht darum, seine List aufzudecken, „die er in Situationen der Entscheidung, an gefahrvollen Stellen, ja überall dort anwendet, wo genügend Dunkel herrscht, um sich zu verbergen.“
Ziel: Wesen und Macht des Satans, die Häufigkeit und Art seiner Einmischung in Dinge des geistlichen Lebens zu betrachten und nach Wegen zu suchen, wie man seine Gegenwart aufdecken und sein Wirken bekämpfen kann.
Wesen und Macht der bösen Geister
Wesen der bösen Geister: gefallene Engel – reine Geister, mit Verstand und Willen begabt – unermesslich an Zahl – treten durch einen einfachen Akt des Willens miteinander in Beziehung – bildeten den himmlischen Hofstaat Gottes.
Gott stellte sie auf eine Probe: fasziniert von seinem eigenen Licht, weigerte sich Luzifer, sich zu unterwerfen.
Die treuen Engel: gelangten zur unmittelbaren Anschauung und zur ewigen Seligkeit Gottes.
Die gefallenen Engel: erstarrten auf ewig in ihrer Empörung und ihrem Hass gegen Gott.
Das Wichtige: Diesen Dämonen erlaubte Gott, in die Welt hineinzuwirken – sollten Werkzeuge seiner Vorsehung werden – zur Prüfung der Menschen.
Berufung der Menschen: die gefallenen Engel in der himmlischen Heerschar zu ersetzen.
Möglichkeit des Satans: beherrscht die niedere Welt der Materie und der Sinne – kennt ihre Gesetze und Reaktionen – verwendet sie geschickt für seine Zwecke – das Materielle und Sinnenhafte des Menschen entgeht ihm nicht.
Was der gefallene Engel nicht kann: kann nicht in die Seelenkräfte des Menschen eindringen, wenn man sie ihm nicht willentlich zugänglich macht – er kann nicht die Gedanken des Verstandes lesen noch direkt auf sie einwirken – der Wille ist unantastbare und unangetastete Zufluchtsstätte, es sei denn, man lieferte ihn bewusst aus.
Die übernatürliche Welt, die sich nur durch den liebenden Glauben betreten lässt, ist ihm vollkommen verschlossen.
Aber: hat gewisse Kenntnisse von Gott – glaubt an die göttlichen Wahrheiten (sich selbst zur Qual) - kann durch Eindrücke und sinnfällige Bilder Einfluss auf Vernunft und Wille nehmen.
Die Gesetze der übernatürlichen Welt jedoch sind ihm ein undurchdringliches Geheimnis.
Die Wirkungen des übernatürlichen Wirkens Gottes in einem Menschen vermag er zu erkennen, um entsprechend darauf zu reagieren.
Einwirken des Satans auf das geistliche Leben
Gleichnis von Unkraut (Mt 13,24ff.): Allzeit auf der Lauer, sucht der Böse das Wirken Gottes nachzuäffen und es zunichte zu machen; geschickt nutzt er die Dunkelheit, um sich zu verbergen.
Häufigkeit der Einmischung
Der Hass der bösen Geister ist gewaltig, immer sind sie auf der Lauer.
Verständlicherweise benützen sie jede Gelegenheit, um das Wirken Gottes im Menschen zu durchkreuzen.
Die verschiedensten Mittel stehen ihnen zur Verfügung, und sie selber sind zahlreich.
Kein vernünftiger Mensch darf sich daher vor ihren Angriffen in Sicherheit wähnen.
Vor allem sind die Christen, die nach Vollkommenheit streben, den besonderen Angriffen des Satans ausgesetzt.
Die Sünder, die ihren Leidenschaften verfallen sind, kann er leichter erobern.
So herrscht er friedlich über eine ungeheure Anzahl von Menschen, die er in keiner Weise stört.
Der Laue ist ihm eine leichte Beute. Allein die Eifrigen entgehen seinem Einfluss, darum entbrennt gerade gegen sie sein rasender und anhaltender Hass. Vgl. Mt 12,43ff.
Bei ernsthaft strebenden Menschen hängt sein Erfolg davon ab, wie geschickt er sich und sein Tun verbergen kann.
Der tägliche, innere Kampf gegen den Feind, der uns unablässig belauert, hat nichts von seiner Härte eingebüßt. Denn der Satan wirkt „wie eine lautlose Feile“.
Art und Ziel satanischen Wirkens
Der Satan ist unser Feind.
Er bemüht sich,
- den Menschen zum Bösen zu verleiten
- ihn zu verwirren
- zu täuschen
- ihn so vom Weg zu Gott abzubringen.
Die Versuchung
- selten ausschließlich Machwerk des Satans;
- bedient sich der Kenntnis von den stärksten Neigungen einer Person und seiner Macht über ihre Sinne;
- lässt Bilder verführerisch aufleben;
- ruft einen Eindruck wach;
- steigert die Lust;
- entfacht einen Wunsch;
- lockt unwiderstehlich und aufreizend, dass das Gewissen betäubt wird und der Wille schließlich seine Zustimmung gibt.
- „Schlange ist schlauer als alle Tiere des Feldes“;
- vermischt Wahrheit und Lüge;
- reizt Begehren der Sinne;
- nährt den geistigen Hochmut;
- macht den falschen Schein glaubhaft.
Verwirrung
Die liebste Waffe des Satans, mit der er gegen die Christen kämpft, die nach Vollkommenheit verlangen.
- Verwirrung hält auf, wenigstens für ein paar Augenblicke;
- verunsichert bei einer anstehenden Entscheidung;
- lähmt die Handlungsfähigkeit;
- mindert die Widerstandskräfte;
- jagt Schrecken ein, der sogar zum Stillstand führen kann;
- hüllt die Seele in Finsternis, worin sich der Satan verbergen und seine ganze Macht entfalten kann.
- Mittel um Verwirrung zu stiften:
- in den Sinnen haftende Eindrücke;
- der Phantasie aufgedrängte Schreckbilder;
- unbegründete Ängste in allen sinnlichen Kräften;
Lügner und Vater der Lüge
Verwirrung schafft günstige Atmosphäre für das entscheidende Wirken des Teufels, wie die Sammlung auf Gottes Einwirken vorbereitet.
Mittel: die Lüge und Verstellung, Täuschung --> Teufel: Freund der Lüge, ja die Lüge selbst;
- benützt Neigungen und Wünsche des Menschen;
- umgibt das Böse mit dem Schein des geistlich Guten, wonach sich der Betreffende sehnt;
- nutzt die blinde Neigung und die Freude über den erfüllten Wunsch;
- gibt tröstliche Gefühle ein;
Die übernatürlichen Gnadenerweise Gottes nachzuahmen ist ein schwierigeres Kunststück, doch auch daran wagt sich der Satan.
Er scheut keine Gelegenheit, fühlbare Wirkungen zu reproduzieren.
Der Arglistige stellt sich hier in seiner großen Schlauheit an die Übergangsstelle vom Sinnlichen zum Geistigen.
Möglichkeiten, das Wirken des Satans zu erkennen
Wichtigste Hinweise, ob es sich um eine Einmischung des Satans ins geistliche Leben handelt:
- im Zweifelsfall auf der Hut sein und abwarten: Gott bleibt uns nie den Beweis für sein übernatürliches Wirken schuldig;
- Lüge / Widerspruch / Ungereimtheit / Übertreibung / sonderbare Art / Mangel an Wahrhaftigkeit: erste Frucht, die auf teuflisches Wirken verweist;
- Fehlen von Frieden und Demut.
Insgesamt ist die Gabe der Unterscheidung der Geister notwendig, um das Treiben des Widersachers zu entlarven.
Der Kampf wider den bösen Feind
Erste Voraussetzung: sich niemals einer übertriebenen Furcht überlassen.
Zwar hat er große Macht, doch vergessen wir nicht seine Benachteiligung:
- Unwissenheit in übernatürlichen Dingen;
- Unfähigkeit, in die Seelenkräfte einzudringen;
- sein Status des Verworfenseins, der ihm nur vergängliche Siege gestattet und ihn bereits zum ewigen Besiegten stempelt.
Mittel der Entgegnung: Verachtung in Klugheit
Klug sein im Kampf gegen den Satan heißt: zu übernatürlichen Waffen greifen, mit denen wir ihm sicher überlegen sind, z. B. Sakramentalien: Weihwasser, Gebet, Fasten.
Anagogischer Akt: Wo immer möglich, soll man den Kampf abbrechen, sich der Reichweite des Satans entziehen und durch Akte des Glaubens und der Demut in jene Regionen flüchten, in die er nicht gelangen kann.
Waffen im Kampf wider den Satan
a) Gebet und Wachsamkeit
- Exorzismus Leo XIII.
- Gebet zum hl. Michael
- Gebet zum Schutzengel
b) Fasten: Abtötung der Sinne
c) Das Weihwasser: Beachte den alten Ritus der Weihwasserweihe
Taktik
Fliehen: sich durch den Glauben und die Demut in übernatürliche Bereiche zurückziehen.
Übung des Glaubens oder anagogische Akte
Waffenrüstung Gottes (Eph 6,11ff.):
Kampf gegen die Fürsten und Gewalten, Beherrscher dieser finsteren Welt, die bösen Geister des himmlischen Bereichs
- Gürtet euch mit der Wahrheit.
- Als Panzer die Gerechtigkeit.
- Schuhe: Bereitschaft für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen
- Schild des Glaubens: Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen!
Wenn die Seele durch die Übung des Glaubens zur Kontemplation gelangt, kleidet sie sich in ein neues Gewand, das der göttlichen Tugenden. Dieses Gewand verbirgt sie vor ihren Feinden. Das weiße Kleid des Glaubens vor allem entzieht sie dem Satan.
Der Glaube macht es nämlich möglich, den sinnlichen Bereich, über den der Teufel Macht besitzt, zu überschreiten und in den Bereich des Übernatürlichen einzutreten, wohin dieser nicht gelangen kann.
Anagogische Akte: die göttlichen Tugenden erwecken, um allen Versuchungen zu entfliehen
Vor dem Feind davonzulaufen wird zum normalen Reflex, den der geistliche Mensch als eine große Wohltat empfindet.
Johannes vom Kreuz hatte viele Erfahrung mit dieser Methode. Er benützte sie nicht nur bei Angriffen des Satans, sondern auch, um die Erregung der Seelenkräfte und der ungeordneten Sinneseindrücke Herr zu werden.
Die Tugend der Demut
In der Tat gibt es für den Satan keine Gegner, die er mehr fürchtet, als Christen, die schwach sind und demütig.
Resümee
Gott erlaubt also dem Satan, uns zu versuchen und zu prüfen, um so unsere Verdienste zu steigern, unsere Tugenden zu läutern und zu vervollkommnen, damit wir um so rascher zu Gott gelangen.