Das Geheimnis der Perle
Eine Perle in meiner Hand: So einfach, so schlicht.
Sie verbirgt ihre Kostbarkeit. Ihr Glanz dringt in mein Innerstes.
Wohlgeformt ist sie, gewachsen, nicht Produkt einer Maschine.
Ihre Leichtigkeit überrascht. Sie schmiegt sich ein in jede Hautfalte.
Woher kommst du? Wer hat dich entdeckt? Wer hat dich geborgen?
Du bist ein Geschenk: ein Geschenk der Natur an mich.
Ich spreche zu dir, denn du spricht zu mir: in heimlicher Sprache.
Ich war ohne dich; jetzt bist du bei mir.
Du veränderst jeden, der dich erblickt.
In dir berührt mich unser Schöpfer. Du bist ein Wort aus Seinem Munde.
Welches Geheimnis birgst du für mich?
Der Sohn des Allerhöchsten, Christus Jesus selbst, sprach von dir:
Auch gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß und kaufte sie.
In einer Vision schaute der Seher, was Er ihm wies:
Die zwölf Tore der Stadt sind zwölf Perlen;
jedes der Tore besteht aus einer einzigen Perle.
Die Straße der Stadt ist aus reinem Gold, wie aus klarem Glas.
Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt.
Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung,
ist ihr Tempel, er und das Lamm.
Du bist ein Geheimnis; dir zu nähern mich wage ich nun.
Zieh mich in deine Nähe! Du lockst mich zu dir.
Du bist gewachsen in der Finsternis einer Muschel.
Ein Sandkorn ist dein Herz, ein Sandkorn, das eindrang als ungebetener Gast.
Ein Eindringling, - die Muschel hat sich gewehrt.
Isoliert hat sie, was sie nicht wollte.
Vertreiben konnt‘ sie es nicht. Es blieb.
Doch gekleidet hat sie es: Perlmutter ist dein Hemd, deine Hose, dein Hut.
Ein samt-weißes Kleid gab sie dir, Schicht um Schicht.
Ein Jahr wob sie daran, zwei, drei, viele.
Und die Muschel ruhte am Meeresgrund, unerreichbar für die Augen der Welt.
Das Meer wogte, Gezeiten kamen und gingen.
Ruhe war dein Bett, ungestörte Abgeschiedenheit.
Niemand nahm Notiz von dir; du warst eine von wenigen da und dort.
Denn nicht jedem widerfährt ein ungebetener Gast.
Was widerwillig aufgenommen, zum Privileg wurd‘ es schließlich.
Dann kam ein Augenblick, ein kurzer.
Jemand griff nach dir. Riss dich heraus aus deiner Ruhe, aus deiner Welt.
Man brach sie, dein Haus, die Muschel.
Das Leben wurd‘ ihr genommen.
Tod wurde ihr Urteil. Warum? Wozu? Wer?
Gebrochen wurden die Hälften, entzwei, mit Gewalt.
Das Kreuz ist ihr Los. Die Muschel ist tot.
Doch du darfst leben. Ein Bad von Licht umgibt dich.
Die Helle, sie blendet, ausgesetzt der Welt der Lichter.
Ein Antlitz strahlt dir entgegen. Ein geliebter Gast wirst du.
Aus Finsternis ist Licht, vom Tod ins Leben.
Aus der Verborgenheit in den hellen Tag.
Was ein Versehen war, wird zur Fügung.
„Ich aber sage euch: Ich mache euch zu Perlen.
Ich bin das Zeichen der Liebe des Vaters, der euch nährt und liebt.
Ich versuche euch zu sammeln in allen Völkern der Erde,
um euch eine Perle anzuvertrauen, mit der man eine Kette machen kann.
Denn es sollen Ketten der Liebe und des Glanzes werden,
Ketten, die euch befreien und euch nicht binden.
Seht, wenn Reihe an Reihe gefügt werden, gibt es etwas sehr Schönes,
denn Schönheit und nicht Schrecken sollen die Völker verbinden.
Ich rate euch, bildet Perlen der Liebe gegen Bindeglieder von Eisenketten
und ihr werdet erleben, wie Frieden einkehren wird.
Perlen sind gewachsen in der Finsternis der Muschel
und so sollt auch ihr wachsen in der Finsternis des Alltags.
So versucht die Muschel, das heißt den Alltag zu knacken,
damit ihr ans Licht kommt und in die Sonne.
So segne Ich euch in eurem Alltag durch die Liebe und den Sonnenschein Meines heiligsten Herzens
mit dem Segen meiner Liebe, die euch und alle Völker verbinden soll.
Durch die Macht des Vaters, durch die Liebe des Sohnes
und durch die Kraft des Geistes, der jetzt über allem weht.
Amen.“
Die Muschel, das ist unser Alltag.
Oft grau, ein Einerlei, oft mühsam und Mühsal.
Kampf ist er, Überwindung, oft Entmutigung und Niederlage.
Oft so viel scheinbare Vergeblichkeit,
unüberschaubar, ohne Ziel im Blick.
Die Perle, das ist unsere Erschaffung.
Gott sprach: Ich will dich, und er schöpfte aus seiner Liebe.
Gott sprach: Genau dich und keinen anderen.
Ich bin gewollt, bin eine Blüte seiner Liebe.
Ich bin Dein Bild und Gleichnis.
Durch Dich und auf Dich hin geschaffen.
Deine Stimme rief mein Herz, und es erwachte.
Dein Mund haucht mir Lebensodem ein, damals, jetzt, in Ewigkeit.
Die Perle, das ist auch meine Taufe.
Das ist der neue Mensch in dieser alten Welt,
fremd, ein ungebetener Gast, ein Feind für das Licht.
Das ist der Mensch, erneuert nach dem Bilde Gottes.
Der Mensch des Geistes, der aufschaut in das Licht.
Der Mensch, mit Christus gestorben, mit Ihm nun auferweckt.
Das Herz, in dem aufleuchtet der Glanz des Lichtes auf dem Antlitz Jesu Christi.
Der ewige Mensch als Feind für die vergängliche, dem Tod geweihte Welt.
Den Alltag erobern bedeuten Knacken der Muschel.
Die Entsagungen, um zu finden, die Verluste, um zu gewinnen.
Die Kämpfe, um zu siegen, die Niederlagen, um zu wachsen.
Die Überwindungen, um zu erobern.
Das Schicksal des Lebens auf dieser Erde:
wachsen, kämpfen, heilen, vollenden.
Das Sonnenlicht ist die Liebe,
die strömt aus dem Herzen des Sohnes.
Die gewachsene Schönheit: die Kostbarkeit und Einzigkeit der Person.
Die Perle: der Mensch, das Himmelreich, das Kostbare in und um uns.
Die Perlenkette: die Gemeinschaft des Leibes, des neuen Reiches.
Jahwe Zebaoth, Meister und Heiland,
tauche mich ein in das Geheimnis der Perle.
Sie ist mir Zeichen und Weg zum Leben.
Lass mich teilhaben am Weg der Perle,
damit ich eingehen kann durch der zwölf Tore eines.
Durch die Macht des Vaters,
durch die Liebe des Sohnes,
durch die Kraft des Heiligen Geistes,
im Namen des Dreifaltigen Gottes.
Amen.