Ein Herz und eine Seele in Gott - anima una et cor unum in Deo
In der Ordensregel des Hl. Augustinus heißt es gleich zu Anfang: Das Erste … ist, einmütig im Haus zu wohnen, und ein Herz und eine Seele zu sein in Gott. In der lateinischen Version heißt dies so: … et sit vobis anima una et cor unum in Deo.
Versuchen wir, den tieferen Sinn dieses Gedankens zu erfassen.
In der Apostelgeschichte des Hl. Evangelisten Lukas taucht dieser Gedanke bereits auf (Apg 4,32): Die Menge der Gläubiggewordenen war ein Herz und seine Seele. (VUL: multitudinis autem credentium erat vor unum et anima una)
Ein Herz und eine Seele, Augustinus vertieft diese Beschreibung durch: in Gott, in Deo.
Zunächst fällt auf: in Deo (Ablativ), nicht: in Deum (Akkusativ). Manche deutschen Übersetzungen der Augustinusregel formulieren: auf Gott hin. Doch die lateinische Version meint nicht so sehr eine Bewegung auf Gott hin, sondern ein Sein in Gott.
Dieses neue Sein in Gott ist das große Geschenk der Gnade Gottes: Es ist das heiligende Werk des Geistes Gottes, dass der Mensch, das Geschöpf Gottes, das auf Gott hin geschaffen ist, in Gott sein darf, in Gott wohnen darf.
Wer diesem Geheimnis besonders nachgeht, ist Johannes in seinem ersten Brief (1 Joh 4,15f.): Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott. (Deus in eo manet et ipse in Deo) Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig anerkannt. Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt/wohnt in Gott und Gott bleibt/wohnt in ihm. (in Deo manet et Deus in eo)
Gott im Menschen, der Mensch in Gott, und das für denjenigen, der von Gott geschaffen ist, der sein Sein von Gott empfangen hat.
In-Gott-Sein: Dies ist die tiefe Wirkung des Hl. Geistes im Herzen eines Gläubigen. Und hier liegt auch der Schlüssel zum Ein-Herz-und-eine-Seele-Sein in Gott: Wo zwei in Gott sind, da werden sie ein Herz und eine Seele in Gott.
Wenn Du in Gott bleibst und ich in Gott bleibe, dann werden wir ein Herz und eine Seele in Gott.
Das innerste Wesen des Dreifaltigen Gottes ist ja die gegenseitige Innewohnung der göttlichen Personen. Und wer von der Liebe des Dreieinigen beschenkt ist, erhält Anteil an dieser gegenseitigen Innewohnung: Wie der Vater im Sohn ist durch den Heiligen Geist, und der Sohn im Vater durch den Heiligen Geist, so werden zwei ein Herz und eine Seele in Gott, - durch den Hl. Geist.
Der Hl. Augustinus sagt dies so: „Wenn du die Liebe siehst, siehst du die Heiligste Dreifaltigkeit.“ (De Trinitate, VIII, 8, 12: CCL 50, 287)