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Wiederkunftsrede Jesu: Wachsamkeit

 

Großen Raum nehmen im Evangelium nach Matthäus die Reden Jesu über die Endzeit und Seine Wiederkunft (Mt 24+25). Denn es geht darum, wie wir uns vorbereiten auf ein Ereignis, dessen Stunde niemand kennt, das aber kommen wird zu seiner Zeit. Deshalb ist stete Wachsamkeit angesagt.

 

Der Tempel in Jerusalem

 

Eingeleitet werden diese Reden durch die Bemerkung, dass Jesus sich mit seinen Jüngern im Tempel von Jerusalem aufgehalten hatte. Die Jünger sprechen ihn auf die Tempelbauten an, wohl voller Staunen über die prächtigen Bauten.

Jesus überrascht sie mit der Bemerkung: Seht ihr dies alles? Amen, ich sage euch: Kein Stein hier wird auf dem anderen bleiben: alles wird zerstört. (24,2)

Wichtig ist in diesem Zusammenhang folgendes: Der Tempel war einst von Salomo gebaut worden, um der Bundeslade eine bleibende Unterkunft zu geben. Schon David hatte den Plan gefasst, dem HERRn für die Bundeslade ein Haus zu bauen. Als David diese Absichten dem Propheten Natan mitgeteilt hatte, empfing in einer Nacht dieser ein Wort des HERRn: Also spricht der HERR (JHWH): Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne? … So lässt der HERR dir denn verkünden, dass der HERR dir ein haus bauen wird. … Dein Haus und dein Königtum sollen immerdar vor mir Bestand haben. Dein Thron soll für immer fest gegründet sein. (2 Sam 7,4.11.16) Die genaue Bedeutung dieser Worte bleibt dunkel: Um welche Art von Haus handelt es sich? Es geht um ein Haus für die Bundeslade. Diese Lade des Bundes birgt auf geheimnisvolle Weise die Gegenwart des HERRn (JHWH). Mose hatte einst auf dem Berg genaue Vorschriften von Gott erhalten, wie diese Bundeslade aussehen sollte. Mose schaute auf dem Berg ein Urbild, nach dem er ein Abbild bauen lassen sollte. Diese Lade sollte die Steintafeln bergen, von denen es heißt: Ich will dir die Steintafeln mit dem Gesetz und den Geboten geben, die ich zu ihrer Unterweisung aufgeschrieben habe. (Ex 24,12) Zu dem Heiligtum, das Mose bauen lassen soll, sagt ihm der HERR: Errichte mir ein Heiligtum, damit ich in ihrer Mitte wohnen kann. Errichte es genau nach dem Model der Wohnung und nach dem Modell aller ihre Geräte, das ich dir zeigen werde. (Ex 25,8f.) An der Bundeslade ist vor allem die sog. Versöhnungsplatte wichtig (Ex 25,17). Von ihr sagt ihm der HERR: Dort will ich dir begegnen und mit dir von der Versöhnungsplatte herab zwischen den beiden Keruben, die auf der Gesetzeslade sind, alles reden, was ich dir an die Israeliten auftragen werde. (Ex 25,22)

Mit diesen wenigen Bemerkungen wird deutlich, welche erhabene Bedeutung der Tempel als jener Ort hat, an dem die Bundeslade aufbewahrt wird. Nicht der Tempel selbst ist das Bedeutende, sondern was er birgt: Die Bundeslade als Ort der Gegenwart Gottes. Das Zelt, das sie auf der Wüstenwanderung barg, trägt im Lateinischen den Namen: tabernaculum, wovon unser Wort Tabernakel abgeleitet ist.

 

Das Zeichen seiner Ankunft und des Weltendes

 

Als die Jünger mit Jesus allein auf dem Ölberg waren, der gegenüber dem Tempelberg liegt, fragen sie ihn in Bezug auf diese Seine Bemerkung über den Tempel: Sag uns, wann wird dies geschehen? Und was wird das Zeichen deiner Ankunft und des Weltendes sein? (24,3)

‚Ankunft‘ ist die Übersetzung von gr. παρουσία und ‚Weltende‘ von συντέλεια τοῦ αἰῶνος, lat. adventus bzw. consummatio saeculi. Es ist also von der Parusie, dem Advent Christi die Rede und der Vollendung der Welt. Parusie meint hier das Heraufkommen des wahren Wesens Christi, das vollkommene Offenbarwerden seines Wesens und die vollkommene Verwandlung der Welt in ihn hinein. Das Weltende bedeutet die Vollendung aller Pläne Gottes mit seiner Schöpfung, das große Gott-alles-in-allem (1 Kor 15,28).

 

Aufruf zu Wachsamkeit

 

In der Vorbereitung auf dieses große Finale der ganzen Schöpfung ermahnt uns Jesus immer wieder zu großer Wachsamkeit: Seid also wachsam, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. (24,42)

Verschiedene Gleichnisse verwendet Jesus dazu.

Das Gleichnis vom Hausherrn (24,43–44):

43 Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. 44 Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Wachsamkeit also vor feindlichen Angriffen auf das eigene Haus. Der Dieb ist der Widersacher. Es geht darum, alle Angriffe des Widersachers abzuwehren. Dazu bedarf es der ständigen Wachsamkeit im Hl. Geist. Der Geist ist es nämlich, der uns die Unterscheidung schenkt und die Kraft zur Abwehr des Bösen und Wahl des Guten.

Der Hl. Paulus unterrichtet uns (1 Thess 5): Über Zeit und Stunde, Brüder, brauche ich euch nicht zu schreiben. Ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Während die Menschen sagen: Friede und Sicherheit!, kommt plötzlich Verderben über sie wie die Wehen über eine schwangere Frau, und es gibt kein Entrinnen. Ihr aber, Brüder, lebt nicht im Finstern, sodass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann. Ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages. Wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis. Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen, sondern wach und nüchtern sein.

 

Das Gleichnis vom treuen und vom schlechten Knecht (24,45–51):

45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr eingesetzt hat, damit er dem Gesinde zur rechten Zeit gibt, was sie zu essen brauchen? 46 Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! 47 Amen, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen. 48 Wenn aber der Knecht schlecht ist und denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht!, 49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, wenn er mit Trinkern Gelage feiert, 50 dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; 51 und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Heuchlern zuweisen. Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

Die stete Bereitschaft der ‚Knechte‘, der Diener Gottes, die darauf achten, dass diejenigen, die ihnen anvertraut sind, das erhalten, was ihnen zusteht. Liebe aber und Fürsorge ist das, was wir den Menschen, die uns anvertraut sind, immer schulden.

 

Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen (25,1–13):

Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht. 10 Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. 11 Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! 12 Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13 Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Klugheit also ist angesagt: die stete Mitarbeiterschaft mit dem Hl. Geist, für den das Öl steht. Diese immerwährende Einwohnung des Hl. Geistes macht uns fähig, allezeit mit dem Bräutigam verbunden zu sein. Es ist das Wirken des Hl. Geistes, dass wir allezeit in Christus bleiben. Christus ist der Bräutigam, die Kirche ist seine Braut. Die bräutliche Bereitschaft jeder Seele ist gefragt.

 

Das Gleichnis vom anvertrauten Geld (25,14–30):

14 Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen (gr. ὑπάρχοντα) an. 15 Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort  16 begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu. 17 Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu. 18 Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn. 19 Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen. 20 Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. 21 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! 22 Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. 23 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! 24 Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; 25 weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder. 26 Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. 27 Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. 28 Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! 29 Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. 30 Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

Das Leben, das Gott uns anvertraut, ist das ‚Talent‘. Dieses Leben ist darauf angelegt vermehrt zu werden. In der Taufe ist uns das Leben selbst, Jesus Christus, anvertraut. Dieses Leben soll in uns und durch uns wirken. Es ist ein Leben, das immer gibt und sich verschwendet. Danach werden wir gerichtet, ob wir diesem Leben in uns Raum geben haben.