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Parusie – Advent

 

Das griechische Wort Parusie wird im Deutschen verschieden wiedergegeben, meist mit Ankunft, Wiederkunft oder Erscheinen. In der Vulgata, der lateinischen Übersetzung der Hl. Schrift, ist von adventus, von Advent die Rede.

 

Wir bekennen dieses Geheimnis im Credo: Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten.

 

Mit der Wiederkunft Christi verbinden wir meist ein zukünftiges Ereignis. Wenn wir die biblischen Aussagen darüber zur Rate ziehen, so ist dies ein Aspekt dieses Geheimnisses, aber eben nur eine Seite des Ganzen.

 

Was ist mit dieser Parusie des Herrn gemeint?

 

 

Christus: Ich komme eilig! – Christus, der Kommende!

 

Das letzte Buch der Heiligen Schrift, die Offenbarung des Johannes, endet mit diesen Worten (Kap. 22):

 

17 Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens. 18 Ich bezeuge jedem, der die prophetischen Worte dieses Buches hört: Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht. 19 Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches, dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von denen in diesem Buch geschrieben steht. 20 Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. (ναί, ἔρχομαι ταχύ. Ἀμήν, ἔρχου κύριε Ἰησοῦ)  - Amen. Komm, Herr Jesus! 21 Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!

 

Das Adverb ταχύmeint: schnell, geschwind, eilig. Jesus verspricht: Ich komme schnell, geschwind, eilig. Es ist eher ein gegenwärtiges Geschehen gemeint als ein zukünftiges. Es ist ein unverzügliches Geschehen gemeint, ganz in Übereinstimmung mit der Beschreibung desselben am Anfang dieses Buches (Offb 1,4):

 

Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von Ihm, der ist und der war und der kommt, und von den sieben Geistern vor seinem Thron. (griechisch: ὁ ὢν καὶ ὁ ἦν καὶ ὁ ἐρχόμενος).

 

Hier wird Christus also als der Kommende beschrieben, nicht als derjenige, der in Zukunft kommen wird.

 

Ebenso haben wir die Selbstaussage Jesu (Offb 1,8):

 

Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung. (Ἐγώ εἰμι τὸ ἄλφα καὶ τὸ ὦ, λέγει κύριος ὁ θεός, ὁ ὢν καὶ ὁ ἦν καὶ ὁ ἐρχόμενος, ὁ παντοκράτωρ.)

 

Jesus ist also der, der schon immer war von Ewigkeit, der Seiende und der Kommende, zeitlos über aller Schöpfung und als der Ewige in der Schöpfung gegenwärtig.

 

Engelwesen bekennen es ebenso (Offb 4,8):

 

Und jedes der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen und innen voller Augen. Sie ruhen nicht, bei Tag und Nacht, und rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung; er war, und er ist, und er kommt. (ἅγιος ἅγιος ἅγιος κύριος ὁ θεὸς ὁ παντοκράτωρ,ὁ ἦν καὶ ὁ ὢν καὶ ὁ ἐρχόμενος)

 

Parusie und Vollendung der Welt

 

Eines Tages sprachen die Jünger Jesus auf die Tempelbauten an. Und Er prophezeit ihnen (Mt 24,2): Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Kein Stein hier wird auf dem anderen bleiben, der nicht weggerissen wird. Er weist sie also darauf hin, dass sogar das den Juden Heiligste, der Tempel, keinen Bestand haben wird. Nicht der von Menschenhand erbaute Tempel ist der Garant der neuen Welt, die er bringen wird, sondern sein eigener Leib (Joh 2,19): Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wiederaufrichten. Und der Evangelist Johannes bemerkt: Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. Als er dann von den Toten auferstanden war, erinnerten sich die Jünger, dass er dies gesagt hatte. (v.22)

Diese Worte Jesu können wir so verstehen, dass Jesus dabei ist, ein neues Reich aufzubauen, eine neue Welt, und dieses neue Reich ist Sein eigener Leib.

 

Neugierig geworden auf diese Hinweise Jesu fragen die Jünger dann danach, wann dies geschehen wird. Und Jesus gibt diese ausführliche Auskunft (Mt 24):

 

3 Sag uns, wann wird das geschehen, und was ist das Zeichen für deine Ankunft und das Ende der Welt? (τὸ σημεῖον τῆς σῆς παρουσίας καὶ συντελείας τοῦ αἰῶνος)

 

Hier wird also von der Parusie und der Vollendung der Welt gesprochen. Und Jesu Aussage gipfelt in dem Wort:

Denn wie der Blitz bis zum Westen hin leuchtet, wenn er im Osten aufflammt, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. (ἡ παρουσία τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνθρώπου) (v.27)

 

Diese Parusie ist nicht so sehr ein punktuelles Ereignis, sondern ein sich entwickelnder Prozess, der auf die Vollendung der Schöpfung hinausläuft.

 

Die Parusie geht einher mit dem Auftreten so manch falscher Propheten, die sich für den Messias ausgeben:

4 Jesus antwortete: Gebt acht, dass euch niemand irreführt! 5 Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin der Messias!, und sie werden viele irreführen.

 

Jesus nennt verschiedene vorausgehende Zeichen:

 

6 Ihr werdet von Kriegen hören, und Nachrichten über Kriege werden euch beunruhigen. Gebt acht, lasst euch nicht erschrecken! Das muß geschehen. Es ist aber noch nicht das Ende. (τὸ τέλος = Ziel)

 

Die Entwicklung der Erneuerung der Welt geht auf ein Ziel hin, nicht auf ein Ende im Sinne einer Sackgasse.

 

Die weiteren Zeichen, wie sie uns bei Matthäus überliefert sind:

 

7 Denn ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere, und an vielen Orten wird es Hungersnöte und Erdbeben geben. 8 Doch das alles ist erst der Anfang der Wehen. 9 Dann wird man euch in große Not bringen und euch töten, und ihr werdet von allen Völkern um meines Namens willen gehasst. 10 Dann werden viele zu Fall kommen und einander hassen und verraten. 11 Viele falsche Propheten werden auftreten, und sie werden viele irreführen. 12 Und weil die Missachtung von Gottes Gesetz überhandnimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten. 13 Wer jedoch bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet. 14 Aber dieses Evangelium vom Reich wird auf der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker es hören; dann erst kommt das Ende. 15 Wenn ihr dann am heiligen Ort den unheilvollen Gräuel stehen seht, der durch den Propheten Daniel vorhergesagt worden ist - der Leser begreife -, 16 dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; 17 wer gerade auf dem Dach ist, soll nicht mehr ins Haus gehen, um seine Sachen mitzunehmen; 18 wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. 19 Weh aber den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. 20 Betet darum, dass ihr nicht im Winter oder an einem Sabbat fliehen müsst. 21 Denn es wird eine so große Not kommen, wie es noch nie eine gegeben hat, seit die Welt besteht, und wie es auch keine mehr geben wird. 22 Und wenn jene Zeit nicht verkürzt würde, dann würde kein Mensch gerettet; doch um der Auserwählten willen wird jene Zeit verkürzt werden. 23 Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Messias!, oder: Da ist er!, so glaubt es nicht! 24 Denn es wird mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet auftreten, und sie werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten irrezuführen. 25 Denkt daran: Ich habe es euch vorausgesagt. 26 Wenn sie also zu euch sagen: Seht, er ist draußen in der Wüste!, so geht nicht hinaus; und wenn sie sagen: Seht, er ist im Haus!, so glaubt es nicht.

 

Die Zeichen der Parusie sind also:

Volk wird sich gegen Volk erheben; es wird Hungersnöte und Erdbeben geben; große Not wird über die Menschen kommen; Menschen werden umkommen; die Christen werden um des Namens Jesu willen gehasst; viele Menschen werden zu Fall kommen und einander hassen und verraten; falsche Propheten werden auftreten und die Menschen irreführen; die Liebe wird bei vielen erkalten, weil die Gesetze Gottes nicht mehr beachtet werden; es wird eine große Not über die Erde kommen, wie es sie noch nie gegeben hat und nie mehr geben wird.

 

Um der Auserwählten willen wird die schreckliche Prüfung verkürzt werden.

 

Die Verheißung: Wer standhaft bleibt, der wird von Christus gerettet werden.

 

Was der Parusie vorausgeht, wird von Jesus als Wehen bezeichnet, gleich der Ankündigung einer Geburt eines Kindes.

 

Jesus warnt auch vor Ahnungslosigkeit und rät zu großer Wachsamkeit (Mt 24):


37 Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. (ἡ παρουσία τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνθρώπου) 38 Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, 39 und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.

 

 

Hinweise des Hl. Paulus

 

Die ersten Christen haben sich bereits mit der Frage beschäftigt, wie es denn um die Wiederkunft Christi stehen wird.

 

Paulus gibt da einige Hinweise:

 

Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören. (ἀπαρχὴ Χριστός, ἔπειτα οἱ τοῦ Χριστοῦ ἐν τῇ παρουσίᾳ αὐτοῦ) (1 Kor 15,23)

 

1 Thess 4 15 Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn: Wir, die Lebenden, die noch übrig sind bei der Ankunft des Herrn, werden den Entschlafenen nichts voraushaben.

 

Es gilt sich vorzubereiten auf die endgültige Wiederkunft Christi:

 

Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. (1 Thess 5,23)

 

Über den Zeitpunkt dieses Geschehens sollen wir uns – so ist schon der Rat Jesu – keine Gedanken machen, denn ihn kennt nur der Vater.

 

Aber über das Wie gilt es einiges zu beachten:


1 Brüder, wir schreiben euch über die Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, und unsere Vereinigung mit ihm (ὑπὲρ τῆς παρουσίας τοῦ κυρίου °ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ καὶ ἡμῶν ἐπισυναγωγῆς ἐπʼ αὐτὸν)

und bitten euch: 2 Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da. (2 Thess 2)

 

Wie schon im Alten Testament wird also vom ‚Tag des Herrn‘ gesprochen.

 

Und weiter:

 

3 Lasst euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muß der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, 4 der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt. (ebd.)

 

Das Kommen Christi in Herrlichkeit wird eingeleitet durch den ‚Abfall von Gott‘ und dem ‚Menschen der Gesetzwidrigkeit‘. Der Widersacher des Herrn, der Satan, wird offenbar werden und seine ganze zerstörerische Macht entfalten. Paulus unterscheidet zwischen den Satan und einem ‚Menschen der Gesetzwidrigkeit‘, der ganz und gar sein Diener ist:

 

5 Erinnert ihr euch nicht, dass ich euch dies schon gesagt habe, als ich bei euch war? 6 Ihr wisst auch, was ihn jetzt noch zurückhält, damit er erst zur festgesetzten Zeit offenbar wird. 7 Denn die geheime Macht der Gesetzwidrigkeit ist schon am Werk; nur muß erst der beseitigt werden, der sie bis jetzt noch zurückhält. 8 Dann wird der gesetzwidrige Mensch allen sichtbar werden. Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch das Erscheinen seiner Ankunft ( τῇ ἐπιφανείᾳ τῆς παρουσίας αὐτοῦ) vernichten. 9 Der Gesetzwidrige aber wird, wenn er kommt, die Kraft des Satans haben. Er wird mit großer Macht auftreten und trügerische Zeichen und Wunder tun.

 

 

 

Zuversichtliches und geduldiges Warten auf die Ankunft des Herrn

 

Die Ankunft des Herrn sollen wir allezeit erwarten:


7 Darum, Brüder, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis im Herbst und im Frühjahr der Regen fällt.

8 Ebenso geduldig sollt auch ihr sein. Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.(Jak 5)

 

Die Erfahrung der Apostel von Jesu Macht und Größe hat sie gut vorbereitet:

 

16 Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe. (2 Pe 1)

 

Auch über Spott bezüglich der Ankunft des Herrn sollen wir uns nicht wundern:

 

3 Vor allem sollt ihr eines wissen: Am Ende der Tage werden Spötter kommen, die sich nur von ihren Begierden leiten lassen und höhnisch sagen:

4 Wo bleibt denn seine verheißene Ankunft? Seit die Väter entschlafen sind, ist alles geblieben, wie es seit Anfang der Schöpfung war. (2 Pe 3)

 

Der beste Weg zur Vorbereitung auf die Ankunft des Herrn: In IHM bleiben.

 

28 Und jetzt, meine Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er erscheint, die Zuversicht haben und bei seinem Kommen nicht zu unserer Schande von ihm gerichtet werden. (1 Joh 2)