Jesus – die Auferstehung
In einer Betrachtung zu Joh 20,1-18 kommt Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz[1] zu der Ansicht:
Auferstehung ist größer als die Schöpfung.(„Du hast uns geschaffen, und noch wunderbarer erneuert“, sagt der kühne Satz.) … Seit Ostern ist die Allmacht nicht mehr gebändigt.
Wie wahr!
Die Auferstehung Christi bedeutet ein größeres Werk als die Erschaffung der Welt aus dem Nichts. Dass wir erschaffen sind, ist ein staunenswertes Tun Gottes und verlange unseren ganzen Dank. Doch hat Gott mit der Auferweckung Seines Sohnes von den Toten ein noch größerer Werk vollbracht, das unseren Dank bis in alle Ewigkeit verlangt.
Wir sind immer wieder und immer noch in der Verfassung der Emmaus-Jünger, die mit Jesus auf dem Weg sind, zu denen Er aber sagen muss: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. (Lk 24,25)
Unverständig! Träge im Herzen! – Wie sehr sind wir davon betroffen!
Unser Verstehen reicht nicht weit. Unser Versand ist behindert. Die Trägheit des Herzens zieht uns nach unten. Wollen doch die Worte der Propheten uns nach oben ziehen, zu dem, was droben ist.
Wir haben im Deutschen drei Wörter, die – nach ihren Wurzeln befragt – uns die Richtung weisen.
Vernunft kommt von Vernehmen. Die Vernunft ist die Fähigkeit des Menschen, von Gott entgegennehmen zu können, was Er uns an Wahrheit bietet. Ein vernünftiges Herz ist ein Herz, das – wie Maria – vernehmen kann, was Gott sagt, das entgegennehmen kann, was Gott in Seiner Weisheit bietet.
Verstand kommt von Verstehen. Um jemanden zu verstehen, müssen wir unser Herz dort verorten, wo der andere ist. Verstehen kann ich einen Menschen, wenn ich zu Stehen komme, wo sein Herz ist, wenn ich im Herzen des anderen zu stehen vermag, mich in ihn hineinversetzen kann. Dies geschieht, wenn ich liebe.
Denken kommt von Danken. Ein Gedanke ist ein denkendes Anerkennen. Im Dank nehme ich voll Freude entgegen, was der andere mir schenken will. Es geht nicht darum, ‚sich etwas zu denken‘, sondern dankend sich dem anderen Zuwenden und entgegennehmen, was der andere mit in Liebe zuwendet. So kommt Denken zur Wahrheit.
Und genau dazu lädt Jesus die Emmaus-Jünger ein: Gott spricht durch die Propheten. Das von Gott geschenkte Wort – übermittelt durch Seine Diener, die Propheten – im Danken denkend entgegennehmen, mit dem Verstand erfassen und zu einem neuen Leben im eigenen Herzen gelangen zu lassen.
Wenn wir uns einlassen auf all das, was die Propheten vor Christus bis hin zu dem größten der Propheten, Johannes den Täufer, und von Gott übermittelt haben, werden die Tore geöffnet für das Staunen über das Große, das Gott uns durch die Auferstehung Seines Mensch gewordenen Sohnes geschenkt hat.
Ja, es ist wahr: In Jesus Christus, der im Schoß der Jungfrau Maria Mensch geworden ist, hat uns der Vater gezeigt, wie er Adam gedacht hat, als nämlich den Menschen. Jesus ist der neue Adam, der vollkommene Adam. Durch die Reinigung von der Sünde durch das Kreuzesopfer ist der gefallene Adam wiederhergestellt worden.
Doch: Im Gottmenschen Jesus Christus, der als der Auferstandene in der Herrlichkeit des Vaters steht, ist uns das Wunder aller Wunder vorgestellt worden: Gott im Menschen und der Mensch in Gott, dem Dreifaltigen.
Gott hat den Menschen geschaffen, nach Seinem Bild: Ja, das stimmt.
Im Gottmenschen Jesus Christus ist eine erneuerte und vollendete Schöpfung ins Licht Gottes getreten, das alles bisherige weit überragt. Gott alles in allem!
Jesus selbst offenbart dieses Geheimnis der Schwester des auferweckten Lazarus, Martha: Ich bin die Auferstehung! (Joh 11,25) Jesus ist der Ich-bin, der Ich-bin-der-Ich-bin, der Ewige Gott, wie er sich dem Mose im Dornbusch geoffenbart hat. Als der Ewige Ich-bin-der-Ich-bin ist er mitten unter uns und ist die Auferstehung zu einem Leben, das aus Gott und in Gott Seinen herrlichen Glanz verbreitet. Den Gott selbst ist das Leben und schenkt das Leben der Liebe.
Die Schöpfung wird ihre Vollendung dann erreicht haben, wenn sie alles in allem Gott geworden ist, durch die große Verwandlung, die der Geist des Vaters und des Sohnes schenkt.
Wenn Jesu in uns die Auferstehung ist, dann vollzieht Er Schritt für Schritt an uns diese Verwandlung. Im Schauen auf Sein Antlitz da werden wir verwandelt in sein Bild, wie es in einem Liedtext heißt. Unablässig berührt unseren Geist der Hl. Geist, um diese Verwandlung zu vollbringen. Im vernehmenden, verständigen Zulassen kann so die Trägheit unseres Herzens immer wieder neu überwunden werden. So werden wir stark in Gott.