Das Ewige Leben gewinnen
Im Evangelium lesen wir:
„Da sagte Jesus zu seinen Jüngern: Amen, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer in das Himmelreich kommen. Nochmals sage ich euch: Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Als die Jünger das hörten, gerieten sie ganz außer sich vor Schrecken und sagten: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich. Da antwortete Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen? Jesus erwiderte ihnen: Amen, ich sage euch: Wenn die Welt neu geschaffen wird und der Menschensohn sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt, werdet auch ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben erben. Viele Erste werden Letzte sein und Letzte Erste.“ (Mt 19,23-30)
Es geht also darum, das Ewige Leben zu gewinnen, indem man alles verlässt; es geht um die Neuerschaffung der Welt und darum, dass Jesus auf dem Thron der Herrlichkeit sitzt.
Was ist damit gemeint?
Die Eingangsfrage zu dieser Rede Jesu ist: „Meister, was muss ich Gutes tun, um das Ewige Leben zu erhalten?“ (Mt 19,16) Die Antwort Jesu ist überraschend: „Was fragst du mich nach ‚dem Guten‘? Nur einer ist ‚der Gute‘!“ (v.17) Jesus lenkt also den Blick weg von uns („Was muss ich Gutes tun!“), hin auf ‚den Guten‘ = Gott selbst.
Die richtige Frage ist also: Wie können wir in dem Guten, in Gott bleiben?
Hier nun spricht Jesu von der Neuerschaffung der Welt und dem Thron der Herrlichkeit, auf dem ER sitzen wird. (Mt 19,28)
Was bedeutet ‚Neuerschaffung‘ (gr. palingenesia), Wiedergeburt der Welt? Der Hl. Paulus spricht von dieser ‚Wiedergeburt‘ beim einzelnen Menschen (Tit 3,5): „Er hat uns gerettet – nicht weil wir Werke vollbracht hätten, die uns gerecht machen können, sondern aufgrund seines Erbarmens – durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist.“ Jesus selbst spricht von der ‚Neuerschaffung‘ im Hinblick auf die ganze Schöpfung.
In einem nächtlichen Gespräch mit Nikodemus kommt Jesus auch darauf zu sprechen (Joh 3,3): „Wer nicht von neuem geboren wird, kann das Reich Gottes nicht sehen.“ Eben davon ist auch im Johannes-Prolog davon die Rede (Joh 1,12f.): „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, … die aus Gott geboren sind.“ Der einzelne Mensch also muss eine ‚Geburt von oben‘ durchwandern, um an dem Reich Gottes teilzuhaben.
Für die ganze Menschheit zusammen mit der Schöpfung spricht Jesus darüber im Zusammenhang mit dem Weltgericht (Mt 25,31): „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.“ ‚Thron der Herrlichkeit‘ ist jener Zustand, da die ganze Schöpfung gesammelt ist in Gott, der die Liebe ist: Alles wird durch die Liebe durchdrungen sein, in ihr vollendet sein.
Noch einmal die Frage vom Anfang: Wie also können wir in dem Guten bleiben? Jesus sagt dazu: „Bleib in mir und ich bleibe in euch!“ (Joh 15) Alles, was diesem entspricht, müssen wir tun! Alles, was diesem widerspricht, müssen wir meiden!
Darum die Worte Jesu an den reichen jungen Mann: „Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben! Dann komm und folge mir nach.“ (Mt 19,21)
Und dieses andere (Mt 19,29): „Jeder, der (alles) … um meines Namens willen verlassen hat, wird es hundertfach wieder empfangen und das ewige Leben gewinnen!“