Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Alles umsonst! – Die Barmherzigkeit Gottes

 

 

Wir kennen alle die Klage verzweifelter Menschen: Alles umsonst! Das war alles umsonst!

 

Ist wirklich alles umsonst?

 

Ich bin froh, wenn wir alle am Ende dieser Betrachtungen ganz glücklich sagen können: Alles umsonst! Ja, es ist alles umsonst. Bei unserem Herrn ist alles umsonst! Gott sei Dank ist alles umsonst! Halleluja!

 

Der tiefe Grund dafür: Die wunderbare Barmherzigkeit Gottes, die uns die Liebe vollkommen gratis schenkt! Denn die Liebe ist umsonst, ganz und gar gratis!

 

Machen Sie mal die Probe auf’s Exempel: Fragen sie mal Menschen, ob sie glauben, dass im Leben alles umsonst ist.

 

Sie werden die überraschende Erfahrung machen: Die meisten Menschen verstehen diese Frage negativ und werden sagen: Nein, es gibt auch so manches im Leben, dass sich lohnt. Diese Menschen verraten sich selbst, indem sie nämlich deutlich machen, dass sie das Leben in den Kategorien von Leistung und Verdienst, Belohnung sehen, Kriterien, die ganz und gar unserer Wohlstands- und Leistungsgesellschaft entstammen. Es geht mir besser, wenn ich mehr habe und mehr leiste …

 

Doch denkt Gott so?

 

Dieser Frage wollen wir jetzt nachgehen, um uns selbst auf die Schliche zu kommen, unserem versteckten falschen Denken, das tiefgreifende Folgen hat für unser Handeln und Leben, für unser Lebensgefühl, ja für unser Glaubensleben.

 

 

Jesus erzählt ein großartiges Gleichnis, mit dem Er uns die wahre Barmherzigkeit Gottes offenlegt. Ich meine das Gleichnis vom barmherzigen Vater und den beiden Söhnen. (Lk 15,11-32)

 

Das Überraschende ist: In diesem Gleichnis erzählt Er uns nicht zu allererst etwas über uns Menschen – das Verhalten von Menschen wie dem jüngeren und dem älteren Sohn. Nein, er offenbart uns, wer Sein Vater, wer Er, der Sohn selbst und wer der Heilige Geist ist. Er gibt uns Einblick in das tiefste Geheimnis des Dreifaltigen Gottes, der Liebe ist.

 

Im ersten Johannesbrief heißt es so: Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm. (4,16)

 

Diese Behauptung überrascht, weil man doch sagen kann: Dieses Gleichnis beginnt doch mit den Worten: „Ein Mann hatte zwei Söhne.“ – Da ist doch gar nicht die Rede von einem Vater, und schon gar nicht vom Geist! – Es heißt eben nicht: Ein Vater hat einen Sohn, und beide sind durch den Geist verbunden.

 

Beim zweiten Blick auf das ganze Gleichnis kann auffallen, dass es da dann doch heißt: Alles, was mein ist, ist dein! (15,31) – Sagt nicht Gott, der Vater, genau dies ewig zu Seinem einziggeborenen Sohn im Heiligen Geist: Alles, was mein ist, ist dein? Und sagt nicht der Sohn zum Vater in der Einheit des Heiligen Geistes: Alles, was mein ist, das ist Dein? Und ist nicht diese Liebe, die sie einander schenken, völlig gratis, völlig umsonst, völlig vergeblich?

 

Ein Moment mal, könnte da jemand einwenden: Vergeblich? – Ja, vergeblich, denn: Liebe gibt und gibt und gibt völlig gratis, deshalb ist sie von ihrem Wesen her ver-geblich, ganz und gar ver-geblich! Liebe ist Geben pur!

 

Gehen wir also diesem Geheimnis nach, indem wir die Tiefen dieses Gleichnisses Jesu ausloten, - mit dem Ziel, dass wir am Ende alle aus tiefer Freude sagen können: Alles ist vergeblich! Alles! Wir – und Gott selbst!

 

 

Schauen wir mal ganz genau hin, was Jesus da sagt im Evangelium nach Lukas (Kap. 15).

 

Jesus beginnt so: Ein Mann hatte zwei Söhne!

 

Ein Mann – zwei Söhne. Mann, ἄνθρωπός τις, man könnte auch übersetzen: ein Mensch!

 

Ein Mensch – zwei Söhne.

 

Ist dieser Mensch der Vater für diese beiden Söhne? – Seltsam ist, dass Jesus das Gleichnis nicht beginnt mit: Ein Vater hatte zwei Söhne! Sondern: Ein Mann hatte zwei Söhne.

 

Dies ist ein erster, ganz schwacher Hinweis darauf, dass es um das Verhältnis dieser beiden Söhne zu ihrem Vater geht. Ist für diese beiden Söhne dieser Mann wirklich ihr Vater? Verhalten sie sich ihm gegenüber wie einem wahren Vater?

 

Bedenken wir bei jedem Wort, das Jesus hier sagt, im Hintergrund, im Untergrund, wer es ist, der hier erzählt!

 

Es erzählt derjenige dieses Gleichnis, der der Ewige Sohn des Ewigen Vaters ist, den die Jungfrau Maria als Menschensohn vom Heiligen Geist empfangen hat.

 

Jesus ist der Sohn der Heiligsten Dreifaltigkeit: Vater – Sohn – Heiliger Geist, drei Personen, ein Gott.

 

Es spricht also: ein Gott in drei Personen, drei göttliche Personen, die alles gemeinsam haben.

Jeder der drei göttlichen Personen kann sagen: Alles, was mein ist, ist dein! (v.31)

 

So sagt es nämlich der Vater in dem Gleichnis am Schluss zum älteren Sohn!

Dann ist nämlich wahrer Sohn eines wahren Vaters derjenige, der vom Vater hört: Alles, was mein ist, ist dein!, und der zum Vater erwidern kann: Alles, was mein ist, ist dein!

Denn Liebe hat alles gemeinsam. Liebe ist alles gemeinsam.

 

Im Gleichnis heißt es dann: Der jüngere von ihnen sagte zum Vater: Vater, gib mir den Anteil des Vermögens, der mir zukommt. (v.12)

 

Der jüngere Sohn nennt den Mann ‚Vater‘. Ist er für ihn wirklich Vater, lebendiger Vater?

 

Was bittet der Jüngere da? – Den Anteil des Vermögens!

 

Und was macht der Vater? – Er teilte den Besitz unter sie auf. (v.12)

 

Ohne dass man zunächst darauf aufmerksam wird, sagt Jesus mit diesen Worten etwas sehr Tiefes und Geheimnisvolles über Seinen Vater, über Gottvater.

 

Was hier mit ‚Vermögen‘ und ‚Besitz‘ übersetzt ist, heißt im Griechischen: οὐσία und βίος.

οὐσία bedeutet so viel wie: Vermögen, Habe, aber auch Dasein, Wesen, Wirklichkeit.

βίος bedeutet so viel wie: Leben, auch Lebensunterhalt.

Beide Wörter können etwas ganz Konkretes bedeuten, beschreiben aber auch die Innere Seite von etwas.

Verstehen wir beide Wort in einem materiellen Sinne, so kann man sie teilen: Bei einem Vermögen kann man halbe-halbe machen, auch den Lebensunterhalt kann man teilen.

Doch das Wesen von etwas oder Leben im Sinne von Lebensinhalt kann man nicht zer-teilen.

 

Beide Seiten klingen hier an. Im Verlauf des Gleichnisses erfahren wir, dass es um das zu Geld gemachte Vermögen geht, denn das bringt der jüngere Sohn durch und verschleudert es.

 

Es gibt aber auch eine andere Sicht.

Es wurde schon das Wort des Vaters an den Älteren erwähnt: Alles, was mein ist, ist dein.

Wenn Jesus einmal sagt: Ich bin das Leben! (Joh 11,25), so deutet Er selbst an, dass es einen Aspekt von Leben gibt, der nicht teilbar ist, der unteilbar ist.

Das Leben, das Jesus selbst ist, ist un-teilbar, aber mit-teilbar. Jesus gibt uns nicht etwas von seinem Leben, ein Stück von seinem Leben, sondern ER gibt uns Sein Leben ganz, unteilbar. Jesus kann uns sein Leben mitteilen, indem Er uns Sein Leben als Ganzes gibt, damit wir leben.

Wir dürfen dabei nicht an unsere Nahrung denken: Ein Stück Brot kann ich teilen mit jemandem, indem ich ihm einen Teil davon gebe, die Hälfte für den anderen und die Hälfte für mich.

 

Schauen wir wieder auf denjenigen, der dieses Gleichnis erzählt: Es ist Jesus, der Sohn des Vaters.

Jesus sagt einmal (Joh 5,26): Denn wie der Vater das Leben in sich hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich zu haben.

Der Vater und der Sohn haben das Leben in sich. Sie sind das eine, unteilbare, ungeschaffene Leben. Dieses Leben kann man nicht teilen. Sie schenken sich dieses Leben gegenseitig ganz: Der Vater gibt das Leben dem Sohn, Er hat ihn ja gezeugt. Der Sohn schenkt es dem Vater wieder zurück. Dies geschieht im Heiligen Geist, der die Liebe in Person ist.

Leben und Liebe sind in Gott eins.

 

Schauen wir wieder in das Gleichnis:
Der jüngere Sohn fordert den Vater auf: Gib mir den Anteil des Vermögens, der mir zukommt.

Er fordert vom Vater, was ihm gar nicht zusteht, denn der Vater ist noch gar nicht gestorben.

Der jüngere Sohn denkt, dass das Vermögen, das Wesen des Vaters teilbar ist, in Geld gemünzt werden kann. Im Grunde genommen verlangt er vom Vater, dass er stirbt, indem der Vater sich aufteilt. Leben ist aber etwas anderes. Leben kann man nur weiterschenken, aber nicht zerteilen.

 

Und wie reagiert der Vater? – Da teilte er den Besitz unter sie auf. Wir können auch sagen: Da teilte er das Leben unter sie auf.

Ist dies überhaupt möglich? – Der Vater sagt doch: Alles, was mein ist, ist dein. Alles!

Von seinem tiefsten Wesen her kann der Vater nur alles geben oder nichts! Aber nicht etwas!

 

Oder anders gesagt: Der jüngere Sohn versteht gar nicht, dass er vom Vater etwas Unmögliches verlangt.

Wir erhalten hier Einblick in einen Zug dieser Welt, eine Eigenschaft dieser Welt, die zeigt, wie zerrissen diese Welt ist, wie die Welt in Stücke zerrissen ist.

 

Wodurch? Durch die Sünde! Sünde ist  Absonderung, Abspaltung.

Sünde bedeutet: Das, was ursprünglich ein heiles Ganzes ist, das wird in Stücke zerteilt.

Nichts anderes ist der Tod in der Welt: Unser Körper ist nicht mehr ein unteilbares Ganzes, sondern kann in ‚Stücke‘ zerlegt werden, er kann zerfallen in seine Bestandteile.

Der Auferstehungsleib Christi ist unteilbar, unzerstörbar, ist einer.

 

Diese Struktur unserer ‚gefallenen‘ Welt wird in diesem Gleichnis wunderbar beschrieben.

Es wird das Wesen der Sünde beschrieben.

 

Nachdem der jüngere Sohn im Elend erkannte, was er getan hat, was er Falsches vom Vater verlangt hat, sagte er erschüttert: Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt; in bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. (v.21)

Der Sohn erkennt, dass er etwas zerteilt, zerrissen hat, was nur als ein Ganzes zu haben ist: Liebe.

Er hat erkannt, dass er sich nicht als wahrer Sohn verhalten hat, als Sohn des wahren Vaters.

 

Der Vater hatte sich nie vom falschen Verhalten des Sohnes beirren lassen, verführen lassen.

Der Vater hat ausgeteilt sein eines, einiges Leben.

Der Vater hat sein eines, einiges Wesen jedem der beiden Söhne hingegeben, doch beide Söhne haben es nicht empfangen können.

Der Vater hat nicht halbe-halbe gemacht. Denn seine Liebe ist unteilbar.

Der Vater hat immer sich als Ganzer den beiden Söhnen angeboten und hingegeben: Alles, was mein ist, ist dein.

 

Wir müssen uns also fragen: Wie also ist diese Liebe des Vaters? Wie also ist Leben, das der Vater uns gibt? – Die Antwort: Ganz und gar umsonst, gratis.

 

Schauen wir uns dies bei den beiden Söhnen genauer an und haben immer dabei im Blick, wer dieses Gleichnis erzählt: der Ewige Sohn des Ewigen Vaters, Jesus Christus.

 

Schauen wir noch einmal auf den jüngeren Sohn.

 

 

Der jüngere Sohn fordert also vom Vater, dass er das unteilbare, das eine Wesen und Leben zerteilt, in Geld ummünzt.

Er packt alles zusammen, zieht fort in ein fernes Land und vergeudet dort sein Vermögen, sein Wesen durch ein verschwenderisches Leben. (v.13)

Das also, was der Vater mit ihm in unendlicher Liebe geteilt hat, indem der Jüngere bei ihm wohnen konnte, mit ihm Leben konnte, - das macht er zu seinem Besitz, zu seinem egoistischen Eigentum.

Er trennt, was eigentlich nur gemeinsam zu haben ist.

Er zieht fort in ein fernes Land. Er verlässt die Heimat beim Vater, die er gar nicht als Heimat erkannt hat, und geht in die Fremde.

Ohne Worte hatte der Vater auch ihm angeboten: Alles, was mein ist, ist dein.

Doch dieses wunderbare Geschenk der Liebe, die alles umsonst, gratis gibt, hat er nicht erkannt.

Der Vater hatte ihm alles bedingungslos, ohne Forderungen und Einschränkungen, ohne jedes Wenn-dann geschenkt. Doch er war blind für dieses Geschenk. Er hat alles funktionalisiert.

 

In der Fremde bringt der Jüngere alles durch. Er verliert alles, was er sich zum Besitz gemacht hatte.

Er erlebt am eigenen Leib, was er mit dem gemacht hat, was der Vater ihm völlig umsonst geschenkt hatte: Er hatte es bereits zerstört, dieses Wesen und Leben des Vaters.

Er hatte längst diese Liebe des Vaters zerstört, indem er sie zu seinem egoistischen Eigentum gemacht hatte.

 

Es kam eine Hungernot über das Land. Er fing an, Mangel zu leiden. (v.14)

Nie hatte der Jüngere Hunger leiden müssen. Die Liebe des Vaters war seine tägliche Nahrung.

Durch den Mangel, den er nun durch Hunger erleiden muss, bekommt er eine Ahnung, wie reich die Nahrung war, die der Vater ihm immer schon geboten hatte.

 

In seiner größten Not, als er sich zum Schweinehüten verdingen musste, kommt der Geist über den Jüngeren.

Er beginnt zu ahnen: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um. (v.17)

Im Elend erinnert er sich.

Er erinnert sich an den Überfluss, den der Vater immer für ihn bereithielt.

Er lebte im Überfluss der Liebe, die ganz und gar umsonst ist, aber sein Herz war dafür stumpf.

 

Hier nun erkennt der Jüngere seine wahre Schuld:
Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. (v.18)

„Ich will mich aufmachen!“ – Wörtlich heißt es: Ich will aufstehen! Ich will auferstehen! – Und zu meinem Vater gehen!

 

Merken wir, was hier der jüngere Sohn sagt?

Merken wir, dass Jesus, der dieses Gleichnis erzählt, von sich erzählt!

 

ER ist der Ewige Sohn, der immer beim Vater war.

ER ist derjenige, der – weil der Vater es wollte – ‚in ein fernes Land‘ ging, Mensch geworden ist unter Menschen, der Sündenlose unter den Sündern, um das Leben des Vaters, das auch sein eigenes Leben ist, an die Menschen zu verschwenden. Aber die Menschen erkennen ihn oft nicht.

 

ER ist derjenige, der den Vater nie verlassen hat, und doch Mensch geworden ist, in die Verlassenheit dieser Welt einging und – völlig verlassen – am Kreuz starb.

 

Der jüngere Sohn im Gleichnis erkennt:
Ich bin nicht wert, dein Sohn zu heißen; halte mich wie einen von deinen Tagelöhnern. (v.19)

 

Ihm wird bewusst, dass ihm die Sohnschaft fehlt.

Sohnsein heißt: vom Vater gezeugt sein.

Als Sohn gezeugt sein heißt: am Wesen des Vaters teilhaben, an seiner Liebe.

 

Derjenige, der dieses Gleichnis erzählt, ist der einziggeborene Sohn des Vaters, der im Schoß, an der Brust des Vaters ruht. – So heißt es im Prolog des Evangeliums nach Johannes (Joh 1,18).

Von ihm gilt: Im Anfang war das Wort – der Logos – und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im Anfang bei Gott. (Joh 1,1-2)

 

Am Leben und am Wesen des Vaters teilzuhaben, - genau das fehlt dem jüngeren Sohn.

Dies wird im bewusst.

Er lebt in Sünde, getrennt vom Vater.

 

Was dem Jüngeren auch in Erinnerung kommt: Bedingungslos liebte der Vater ihn immer schon von je her.

Das große Geschenk, ganz und gar umsonst, ganz gratis: Sein Vater sah ihn schon von weit her kommen. (v.20)

Die Liebe des Vaters war ihm schon immer geschenkt.

Allem voraus galt ihm die Liebe des Vaters.

Von Ewigkeit her war die Liebe ihm geschenkt, sie ist der Ursprung seiner Existenz.

 

Was macht der Jüngere: Er macht sich auf! Er steht auf!

Der Vater ist ihm in allem voraus.

 

Wir erinnern uns:

Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. (Joh 3,16)

 

Und was hat der Ewige Sohn des Vaters getan? (Phil 2,6ff.)

Er war Gott gleich, / hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich / und wurde wie ein Sklave / und den Menschen gleich. / Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich / und war gehorsam bis zum Tod, / bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht / und ihm den Namen verliehen, / der größer ist als alle Namen, 10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen / vor dem Namen Jesu 11 und jeder Mund bekennt: / Jesus Christus ist der Herr / zur Ehre Gottes, des Vaters.

 

Sein Vater sah ihn schon von weitem kommen, wurde von Mitleid, von Erbarmen bewegt, lief herbei, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. (v.20)

 

Jesus offenbart uns also das tiefste Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit:

Der Ewige Vater umarmt in alle Ewigkeit im Heiligen Geist Seinen geliebten Sohn. Liebe ist das tiefste Wesen des göttlichen Lebens. Liebe um der Liebe willen. Liebe gratis, umsonst.

 

Der Ewige Sohn des Vaters kommt in diese Welt, wird Mensch, um die Sünde der Welt zu tragen und aufzuheben.

Der Ewige Sohn des Vaters nimmt den Tod des Sünders auf sich, stirbt den Tod des Sünders als Sündenloser.

 

Der Vater im Gleichnis sagt:
Wir wollen essen und fröhlich sein; denn dieser mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. (v.24)

 

Und der ewige Sohn des Vaters sagt uns:

„Um deiner Trennung willen vom Vater aller Schöpfung nehme ich deinen Tod auf mich, aber siehe: Ich lebe wieder. Ich gebe mich verloren am Kreuz, um dich wiederzufinden.

Warum? – Aus lauter Liebe, völlig umsonst, gratis.

Tue es mir gleich!“

 

So ist Gott! So ist der Vater! So ist das göttliche Sein als Liebe.

 

Müsste es da nicht unendlich leichtfallen, dieses Gratis-Geschenk anzunehmen?

Ohne Bedingung annehmen zu dürfen? Das schönste, was es gibt?

 

Doch wir hören im Gleichnis, das Jesus erzählt, etwas Schreckliches:

Die Liebe umsonst annehmen scheint unendlich schwer zu fallen.

 

Denn da ist der ältere Sohn: Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. (v.28)

Wollte nicht hineingehen?

Warum will er nicht hineingehen?

Offenbar war er nie beim Vater, obwohl er ihm doch so nah war!

 

Wie hatte es geheißen am Anfang: Da teilte er das Leben an sie aus! Da gab er das Leben an sie hin! (v.12)

 

Der Vater wirbt um den älteren Sohn: Sein Vater kam heraus und redete ihm zu. (v.28)

 

Und nun geschieht etwas äußerst Seltsames:

Der ältere Sohn beruft sich auf seine selbstgemachte Gerechtigkeit: Ich habe nie dein Gebot übertreten!

Er beruft sich auf seine Leistungen: So viele Jahre diene ich dir.

Ich habe mir – so sagt er – deine Liebe doch immer verdient, habe alle Bedingungen erfüllt.

Ich habe recht auf den Lohn, das Vermögen, das Leben.

 

Er merkt nicht, dass er nie die bedingungslose Liebe des Vaters empfangen hat.

Vor der Tür seines Herzens hat er sie abgewiesen.

 

In dieses selbstgewählte Gefängnis des älteren Sohnes hinein ruft ihm der Vater zu:

Kind, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, ist dein.(v.31)

 

Der Ewige Sohn, der dies Gleichnis erzählt, sagt von sich:

„Ich bin allezeit beim Ewigen Vater. Der Ewige Vater ist allezeit bei mir. Wir sind in Ewiger Liebe vereint. Alles, was Sein ist, ist Mein. Alles, was Mein ist, ist Sein.“

 

Hört der ältere Sohn diese wunderbare Botschaft? Wird dieses zärtliche Werben in ihm lebendig?

 

Diesen Geist der Sohnschaft will Jesus uns vermitteln:
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. (Joh 1)

 

11 Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. 12 Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet.

13 Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben. 14 Wir haben geschaut und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt. 15 Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott. 16 Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. (1 Joh 4,11-16)

 

 

Ist es nicht wunderbar, dass alles umsonst ist? – Dank sei Gott! Hallelu-jah!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die wesentlichen Anregungen zu diesen Überlegungen habe ich von dem katholischen Philosophen Ferdinand Ulrich empfangen, der Anfang 2020 verstorben ist. Sein Werk GABE UND VERGEBUNG im Johannes Verlag Einsiedeln ist eine Auslegung des Gleichnisses vom barmherzigen Vater und seinen zwei Söhnen.