4. Fastensonntag (B) 2021
Gottes Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus zum Ewigen Leben geschaffen!
So verkündet es uns der Hl. Paulus (Eph 2,10) – durch die Zeiten hindurch bis heute!
Im Ewigen Leben zu leben bedeutet: im Licht Gottes sein.
Denn – so sagt Jesus es im Nacht-Gespräch mit Nikodemus:
Das Licht kam in die Welt! (Joh 3,19)
Dieses Licht ist das Wort, der Logos. Es war im Anfang bei Gott. Alles ist durch es geworden. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen. (Joh 1,2-5)
Das Drama aber der Menschheitsgeschichte ist:
Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. (Joh 3,19)
Wir nennen dies das Drama des Sündenfalls:
Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis! (1 Joh 1,5)
Der Mensch, der nach dem Bilde Gottes geschaffen hat, hat sich aber von diesem Licht abgewandt, durch die Versuchung des Teufels. Das Ebenbild wurde finster.
Aus diesem Zustand konnte sich das Ebenbild Gottes nicht selbst befreien.
Deshalb kam dieses Licht selbst in diese Welt, dieses Licht wird Mensch, um den Menschen zu befreien.
Dieses große Geheimnis feiern wir in den kommenden Tagen:
Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und Deine Auferstehung preisen wird, bis Du kommst in Herrlichkeit!
Dies feiern wir im Triduum sacrum, in den Heiligen Drei Tagen: Gründonnerstag – Karfreitag – Nacht der Auferstehung.
In dem nächtlichen Gespräch mit Nikodemus erklärt Jesus diesem Suchenden, wie Gott diese Welt heilt und ihr das Licht zurückschenkt.
Der heutige Evangelienabschnitt (Joh 3,14-21) ist diesem Gespräch entnommen, das uns der Evangelist Johannes überliefert:
Eines Nachts kommt ein Pharisäer namens Nikodemus zu Jesus, ein führender Mann unter den Juden. (v.1)
Er hat erkannt: Niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist. (v.2)
Jesus erzählt ihm dann etwas Geheimnisvolles:
Wer nicht von neuem, von oben geboren wird, kann das Reicht Gottes nicht sehen. (v.3)
Diese ‚Geburt von oben‘ ist ihm etwas Rätselhaftes.
Jesus erklärt weiter:
Wer nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann nicht in das Reich Gottes eingehen. (v.5)
Von oben geboren werden – aus Wasser und Geist geboren werden: Solches hatte Nikodemus noch nie gehört.
Kein Wunder! Denn Jesus erklärt weiter:
Was aus Fleisch geboren ist, ist Fleisch; was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. (v.6)
Jesus spricht von etwas, das mit dem Geheimnis des Heiligen Geistes zu tun hat, was diesem Nikodemus bisher noch verborgen ist:
Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Brausen; aber du weißt nicht, woher er kommt noch wohin er geht. So verhält es sich mit jedem, der aus dem Geist geboren ist. (v.8)
Jesus verkündet also etwas ganz Neues: aus dem Geist geboren werden!
Wie Jesus dieser in die Finsternis gefallenen Schöpfung das Licht Gottes wieder zurückschenkt, eben durch die Geburt aus dem Geist, das nun erklärt Er Nikodemus mit den Worten, die wir am heutigen vierten Fastensonntag als Evangelium hören.
Nikodemus ist Pharisäer. Er kennt die Offenbarung Gottes an Sein Volk Israel. Er gehört zu diesem Volk.
Er weiß, was Gott durch den Propheten Mose an Seinem Volk, den Kindern Abrahams, Isaaks und Jakobs gewirkt hat. Er kennt die Geschichte Gottes mit seinem Volk.
Im Buch Numeri (Kap 21) wird die Meuterei des Volkes Israel gegen Gott und Mose überliefert:
Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser und es ekelt uns vor dieser elenden Nahrung. 6 Da schickte der HERR Feuerschlangen unter das Volk. Sie bissen das Volk und viel Volk aus Israel starb. 7 Da kam das Volk zu Mose und sagte: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den HERRN und gegen dich aufgelehnt. Bete zum HERRN, dass er uns von den Schlangen befreit! Da betete Mose für das Volk. 8 Der HERR sprach zu Mose: Mach dir eine Feuerschlange und häng sie an einer Stange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. 9 Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Stange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.
Wie also damals auf der Wüstenwanderung heraus aus der Sklaverei Ägyptens die Israeliten vor dem Gift der Schlangen rettete, so ist Jesus im Begriff, das Menschengeschlecht vom giftigen Biss der Sünde zu befreien.
Was Gott damals in der erhöhten kupfernen Schlange an einer Stange voraus angedeutet hat, das nun ist Er bereit, mit Seinem Sohn Jesus Christus zur Vollendung zu führen.
Der Menschensohn Jesus Christus, der Mensch gewordene Sohn Gottes selbst, wird am Kreuz erhöht, d. h. gekreuzigt vor aller Menschen Augen, damit etwas Geheimnisvolles geschieht:
Jeder, der an ihn glaubt, hat in IHM das ewige Leben. (v.15)
Dieses Leben, das das Licht der Menschen war, wird den Menschen zurückgeschenkt.
Wodurch?
Gott gibt seinen einzigen Sohn dahin, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. (v.16)
Gibt dahin – das heißt aber: gibt in den Tod dahin, liefert Ihn dem Tod aus!
Gott liefert Seinen eigenen Sohn dem Tode aus, damit klar ist:
Nicht die noch so großartigen Werke und Anstrengungen und Leistungen des Menschen können ihn retten aus seiner eigenen Finsternis, sondern nur die Auslieferung in den Tod.
Paulus sagt dies im Brief an die Epheser so (Kap. 2; zweite Lesung):
nicht aus eigener Kraft – nicht aufgrund eurer Werke. (v.8f.)
Der Mensch war infolge seiner Sünde tot. (v.4f.)
Aus überfließender Gnade holt Gott selbst den Menschen aus seinem ausweglosen Zustand heraus. (v.7)
Oder – in Bezug auf das Erlebnis des Volkes Israel in der Wüste: Die Schlangen beißen zwar mit tödlichem Gift, doch der Blick auf die kupferne Schlange rettet vor dem Tod.
Paulus: Aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt –, nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann. (v.8f.)
Damit sind wir bei dem Geheimnis, das Jesus Nikodemus erklärt: die Geburt aus dem Geist, die Geburt von oben.
Paulus: Seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bereitet hat. (v.10)
Und was sind die ‚guten Werke‘, die Gott für uns bereitet hat?
Jesus erklärt dem Nikodemus: Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind. (v.21)
Jesus ist selbst diese Wahrheit. Wer ‚von oben‘, aus dem Geist geboren ist, der ist in Christus, der ist im Licht, der ist in der Wahrheit, und was er tut, ist in Gott vollbracht.
So gilt:
Gottes Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus zum Ewigen Leben geschaffen!
Dies ist das große Ostergeschenk!