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Jesus liefert sich aus

 

Als makelloses Opfer hat Christus sich selber Gott dargebracht im Heiligen Geist. Sein Blut macht uns rein für den Dienst vor dem lebendigen Gott.

So beten wir am Mittwoch der Karwoche in der Laudes, dem Morgengebet der Kirche (Benediktus-Antiphon).

Jesus Christus bringt sich selbst Gott, dem Vater, als makelloses Opfer dar. Er übergibt sein Leben, liefert sein Leben aus, an Seinen Vater, an uns.

Meist still betet der Priester im Hochgebet der Eucharistiefeier:

Herr Jesus Christus, dem Willen des Vater gehorsam hast Du im Heiligen Geist durch Deinen Tod der Welt das Leben geschenkt.

Dies ist das Geheimnis des Glaubens: Durch seinen Tod schenkt Jesus der Welt des Leben, indem er Sein Leben opfert, ausliefert.

Von genau der gegengesetzten Weise der Auslieferung ist bei Judas die Rede.

Judas Iskariot, der Verräter, zu den Hohepriestern: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? … Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern. (Mt 26,15f.; Evangelium vom Mittwoch der Karwoche)

Beim Letzten Abendmahl mit seinen Jüngern spricht Jesus: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern. … Der die Hand mit mir in die Schüssel eintunkt, wird mich ausliefern. … Weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird! … Da fragte Judas, der ihn auslieferte: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus antwortete: Du sagst es. (Mt 26,21.23.24.25; Evangelium vom Mittwoch der Karwoche)

Im Zusammenhang mit Seinem bevorstehenden Kreuzestod, dem Jesus mit vollem Bewusstsein entgegengeht, ist immer wieder im Mt-Evangelium von der ‚Auslieferung‘ die Rede:

  • Ihr wisst, dass in zwei Tagen das Paschafest ist; da wird der Menschensohn ausgeliefert, um gekreuzigt zu werden. (26,2)
  • Judas zu den Hohepriestern: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? (26,15)
  • Von da an suchte Judas nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern. (26,16)
  • Jesus im Garten Getsemani: Siehe, die Stunde ist gekommen und der Menschensohn wird in die Hände von Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Siehe, der mich ausliefert, ist da. (26,45.46)
  • Der ihn auslieferte, hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es; nehmt ihn fest! (26,48)
  • Sie ließen ihn fesseln und abführen und lieferten ihn dem Statthalter Pilatus aus. (27,2)
  • Als Judas, der ihn ausgeliefert hatte, sah, dass Jesus verurteilt war, reute ihn seine Tat. (27,3)
  • Judas: Ich habe gesündigt, ich habe unschuldiges Blut ausgeliefert. (27,4)
  • Pilatus wusste, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte. (27,18)
  • Darauf ließ Pilatus Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und lieferte ihn zur Kreuzigung aus. (27,26)

Schon früh hatte Jesus von dieser Auslieferung gesprochen: Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert werden und sie werden ihn töten; aber am dritten Tag wird er auferstehen. (Mt 17,22)

Für Jesus steht aber hinter dieser Auslieferung zur Kreuzigung etwas viel Tieferes; er führt sie zurück auf die Ewige Sendung, die Er vom Vater erhalten hat:

Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. (Mt 11,27)

Gott, der Vater, übergibt dem Sohn alles, liefert dem Sohn alles aus. Auslieferung ist Wesenszug der Liebe der Vaters und des Sohnes zueinander. Der Hl. Geist ist die Auslieferung des Vaters an den Sohn in Person: Liebe in Person. Gott, der Vater, liefert Sein ganzes Wesen dem Sohn aus: Der Sohn ist Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. (Credo)

In diese Auslieferung übergibt Jesus auch seine Jünger, die an ihn glauben und ihm folgen:

Wenn sie euch ausliefern, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. (Mt 10,19)

 

Deutliche stehen zwei Weisen der Auslieferung in der Person Jesu und in der Person des Judas gegenüber:

Jesus als der Mensch gewordene Sohn Gottes, dem der Vater alles übergeben und ausgeliefert hat, vollzieht Seine eigene Auslieferung: Jesus liefert sich aus in die Hände der Menschen, aus unendlicher Liebe. Seine Auslieferung ist Zeichen der größten Liebe, die alle Vorstellungen übersteigt, eben bis in den Tod sogar geht.

Judas dagegen liefert sein eigenes Leben, sein eigenes Sein,  nicht an Jesus aus, aus tiefster Liebe zu demjenigen, der ihn erschaffen hat und liebt. Judas macht Gott zu seinem Objekt und liefert Seinen Sohn an die Hohenpriester aus. Judas macht sich zum Herrn über das Leben eines anderen, über das Leben desjenigen, der der Herr des Lebens ist. Das ist seine abgrundtiefe Sünde.

 

Jesus lädt uns – gerade in der Karwoche – ein, darüber nachzudenken, wie weit bei uns selbst diese Haltung der Auslieferung ausgeprägt ist, die aus dem Heiligen Geist geschenkt wird. Ein anderes Wort für diese Auslieferung ist Hingabe.

Die Gefahr, es wie Judas zu tun, lauert auch vor unserer Herzenstür.

Bitten wir Christus, in Seiner Nachfolge die Auslieferung aus Liebe zu üben.