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Neu werden die Naturen – die Vereinigung der Herzen

 

Aus: Arthur Maximilian Miller, Der Gral, S. 102f.

 

Conduiramur:

Es ist ein Wort des ewgen Worts,
das ich geheim in jeder Schrift erkenne.
Denn nicht die Schrift gewahr ich, nicht den Laut,
das Wort erscheint mir selber in der Seele.

Parzival:

So sagt mir, was es spricht.

Conduiramur:

Ihr wisset nicht,
die Botschaft, die Ihr eben mir geboten?

Parzival:

Ich ahne sie und weiß sie ahnend klar,
doch kann ich keine Silbe Euch verraten.
Sagt Ihr mir, was sie spricht.

Conduiramur:

So höret wohl!
Heut ward ein wundersam Geheimnis klar:
Neu wie im Anfang werden die Naturen.
Gott ward Mensch. Und was vergangen ist,
was schon der Tod im dunklen Abgrund hüllt,
es steigt empor, zur Dauer auferweckt.
Und was dem Wahn der Nichtigkeit verfiel,
was hingegossen war ins sinnlos Leere,
das nahm er auf in seinen heilgen Arm.
Denn siehe, nicht erleidet er Vermischung
und Teilung nicht in seiner Gänze. Ja.

Parzival:

Denn siehe, nicht erleidet er Vermischung -
wollt Ihrs auf dieses Wort hin wagen, Frau?

Conduiramur:

Ich will es.

Parzival:

Kommt.

Conduiramur (legt den Mantel ab):

Den Purpur laß ich fallen.
Der Schnee des Hemdes decke mich allein. (legt sich neben ihn)

Parzival:

Wer seid Ihr, Frau? Mir fließen leicht und leichter
des Blutes Wellen durch die Adern fort.
Ihr seid bei mir und dennoch bin ich einsam
und wunderbar geborgen in mir selbst.
Seid Ihr es denn? Verrinnen unsre Wesen?
Bin ich allein inmitten aller Welt?
Ich weiß von zweien nicht. Indem ich rede,
spricht meine Seele mit mir selber. Nie
empfand ich klarer mich in Gott begründet.

Conduiramur:

Bin ich in Euch und Ihr in mir beschlossen,
so ist ein Kummer Euer Eigen auch,
und meine Not ist Not auch Eures Herzens.
und wenn sie redet, wenn in Seufzern sie,
in stammelnden Gebeten sich erleichtert,
so nehmt sie auf in Euer innres Zelt
und setzt sie, einen qualerfüllten Becher,
in Purpur strahlend meiner Seele Leid,
auf den Altar, an dem zu Gott Ihr betet.